Gutes vom Niederrhein auf dem Bauernmarkt vom Friedensplätzchen
Rheinischer Käse und grüne Eier
Diese Ecke der schönsten Stadt am Rhein hat eine merkwürdige Topografie und eine bewegte Geschichte. Eigentlich handelt es sich beim Friedensplätzchen in Unterbilk um eine verunglückte Kreuzung vor dem Gebäude der alten Schule, einem imposanten Gründerzeitbau, in dem heute das Leo-Statz-Berufskolleg untergebracht ist. Der namensgebende Leo Statz war in der Zeit der Faschistenherrschaft nicht nur aktiver Karnevalist, sondern auch Regimekritiker. Im November 1943 wurde er hingerichtet, weil er Zweifel am Endsieg äußerte – eine Schule an diesem Friedensplätzchen nach ihm zu benennen, war eine gute Idee. Wie gesagt: Eigentlich bestand hier eine Kreuzung der Wissmannstraße mit der Bürgerstraße. Aber auf einem Platz in der Mitte gab es ein Kiosk. 1978 wurde die Kreuzung aufgehoben, der Platz aber nicht weiter verschönert.
Im Gegenteil: Die Ecke war tot und hässlich. Daran änderte auch eine Pergola nicht, die als Treffpunkt für Jugendliche diente. Mitte der neunziger entstand ein provisorischer Spielplatz, der aber kaum angenommen wurde – außer von Hundehaltern. Aber zunehmend übernahmen die Anwohner die Regie und bewirkten schließlich den radikalen Umbau des Platzes im Jahr 2001. Kaum war das Ambiente netter, wurde das Friedensplätzchen zum sozialen Treffpunkt für die Menschen in diesem Teil Unterbilks zwischen Bilker Allee, Lorettostraße, Fürstenwall und Elisabethstraße. Und seit 2004 wird an dieser Stelle ein rheinischer Bauernmarkt abgehalten.
Dienstags sind meistens nur vier, fünf Verkaufsstände und -wagen von 08:00 bis 13:00 da. Am Freitag erscheinen mehr Anbieter, und der Markt ist von 10:00 bis 18:00 geöffnet. Nun ist das Einkaufen auf einem Bauernmarkt für viele Normalos nichts als gutmenschiger Snobismus. Viele Aldi- und Lidl-Adepten vermuten hässliche Möhren und überhöhte Preise – und wissen gar nicht, was ihnen entgeht. Beginnen wir beim Quark. Der Straetmannshof in Kerken hat vor einigen Jahren komplett auf Käserei und Bäckerei umgestellt. So kann man auf dem Markt am Verkaufsmobil der Straetmans frischen Quark erwerben. Also richtigen Quark, nicht diese dröge Industriemasse, die man beim Discounter für teilweise unter 40 Cent pro Viertelpfund kriegt. Der straetman’sche Quark ist so gut, dass er locker schicke italienischen Ricotta aussticht. Der kostet auch schon um die 1,40 pro 250 Gramm – der ultrafrische, unbehandelte, echte Quark vom niederrheinischen Bauern liegt dagegen bei 1,80.
Ähnlich ist das Qualitäts-/Preisgefüge beim Joghurt, wobei der Joghurt vom Straetmanhof eher zu der flüssigen Fraktion zählt; er ist sowohl als Naturjoghurt, als auch mit diversen Fruchtmischungen versehen zu haben. Ein weiteres Highlight sind die verschiedenen angemachten Frischkäsecremes; allesamt in der Doppelrahmstufe, aber von himmlischem Geschmack. Und dann ist da der selbstgemachte Bauernkäse, der in etwa auf dem Preisniveau liegt, das auch im besseren Supermarkt an der Käsetheke gilt. Hier weiß der Käseliebhaber aber, woraus die Dinger sind und wo sie hergestellt wurden – wer Lust hat, kann sich die Käseherstellung auf dem Straetmanshof auch mal selbst ansehen. Den Bauernkäse gibt es in drei verschiedenen Reifegraden (jung, mittelalt, alt), mit verschiedenen Gewürzmischungen und Kräutern (Knoblauch, Paprika, Pfeffer, Bockshornklee, grüne Kräuter etc.) sowie mit Bier oder Wein behandelt oder geräuchert. Ebenfalls im Angebot sind Rotschimmelkäse sowie ein extrem leckerer Ziegenkäse.
Den zweiten Schwerpunkt bildet die Bauernbäckerei. Besonders erwähnenswert ist das Früchte-Nuss-Schwarzbrot und der Rosinenstuten. Jede Woche sind andere Kuchen und anderes Gebäck im Angebot – momentan steht der selbstgefertigte Weihnachtsstollen im Mittelpunkt.
In Kevelaer gibt es den Naturhof Etzold, der auf dem Markt mit einem eher kleinen Stand vertreten ist. Hier findet man die allerbesten Eier, die man sich vorstellen kann. Wer den Bauernmarkt besucht, erhält hiermit den Kaufbefehl! Die Hühner, die solches produzieren, müssen einfach glücklich sein. Berühmt sind die Etzolds wegen ihrer grünen Eier:
Etwa die Hälfte des Bestands sind Grünlegerinnen. Die Schalenfarbe ihrer Eier variiert von hell- bis dunkelolivgrün. Die Hühnchen finden natürlich unseren Bio-Betrieb prima, aber es ist eher eine Erbanlage als eine Sympathiebekundung, wenn die Kalkmäntel ihrer „Produkte“ anders pigmentiert sind.
Unsere Hennen stammen von sogenannten Araucanern ab. Das sind wilde Buschhühner südamerikanischen Ursprungs, die spanische Eroberer und niederländische Piraten im 16. Jahrhundert entdeckten. Die Fähigkeit, grüne Eier zu legen, beruht möglicherweise auf einer Mutation eines Gens und setzte sich durch, weil die gefärbten Dotterkugeln im Gestrüpp geschützter waren. Man sagt den grünen Eiern nach, dass ihr Cholesteringehalt geringer sei als bei weiß oder braun gefärbten. [Quelle: Naturhof Etzold]
Aber auch die ganz normalen brauen Eier sind gekocht, gerührt oder gespiegelt ein Genuss. Die großen (manchmal sind auch XXL-Eier im Angebot) eignen sich besonders gut als Zutat beim Kochen und Backen. Große braune Eier kosten übrigens 31 Cent pro Stück – ein absolut angemessener Preis.
Die anderen Anbieter von Obst, Gemüse, Fleisch und Blumen sind genauso gut, und man wird überall ausgesprochen freundlich behandelt. Nach dem dritten oder vierten mal gilt man schon als Stammkunde. Übrigens: Dienstags gehen vorwiegend die etwas älteren Nachbarn dort einkaufen, und man kann sich schnell in einen netten Schwatz verwickeln lassen.
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… und Samstag auch auf den Kolpingplatz für alle Derendorfer, Golzheimer und Pempelfronter.
[Antwort]
Rainer Bartel Antwort vom 16.12.09 16:01:
Ja, stimmt. Danke für den Hinweis!
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