Ölpest, Vulkanausbrüche, Waldbrände, Überschwemmungen, Erdrutsche, Erdbeben...
Reden wir nicht lange drum herum: Es ist Endzeit. Also genau in diesen Tagen, diesen Wochen, Monaten und Jahren. Das es mit der menschlichen Vergewaltigung des Planeten zu Ende geht, ist keine Frage. Offen ist nur, wann genau das letzte Menschlein seinen letzten Furz auf Erden tut. Geistig Arme verorten den Untergang am 21.12.2012, weil irgendwelche zugekoksten Movie-Marketingfuzzis diesen Termin in verschimmelten Heftchen wimmernder Esoteriker gefunden haben. Die Horde derjenigen, die ihre Denkfähigkeit gegen christliches Glauben getauscht haben, kaut biblische Shortstories durch, um sich ein genaues Bild von der Ära zu machen, die vor der Messiaslandung liegt. Olle Johannes sagt ein blutiges Entscheidungsspiel voraus, und die niedlichen Zeugen Jehovas glauben, sie kämen dabei ungeschoren davon. Pustekuchen. Wenn Jesus zurückkommt, wird er den Erdball menschenleer vorfinden – die Amöben, Pflanzenn und eine Auswahl artiger Tiere atmen auf. Fest steht: Wir werden alle störben.
Wer Glück hat und schon Sechzichplus ist, hat gut lachen, wird er/sie doch mit hoher Wahrescheinlichkeit in die Urne kriechen, bevor es so richtig wild wird. Dann ist da eine gewisse Schnöselschicht (so zwischen 40 und 50), die in ihrer hedonistischen Fortschrittsgkäubigkeit nix Besseres verdient. Schade ist es um die ganzen jungen Leute, die ihre Restnaivität in ein Familienleben samt Blagen und Reihenhaus investieren. Leute, vergesst es. Bevor ihr das Eigenheim abbezahlt habt, ist es längst a) verbrannt, b) zerbebt, c) weggeschwemmt oder d) verschüttet. Und ihr könnt euch noch nicht mal aussuchen, wie genau euer Hab und Gut in die Tonne gekloppt wird.
Die bigotten Ökoköppe, die sich Nullenergiehäuser hinsetzen lassen, aber zwei Autos in der Familie haben und zwei Pferde halten, von denen jedes einen CO2-Fußabdruck hinterlässt wie ein Yeti, raunen angesichts der aktuellen Katastrophen: “Die Natur wehrt sich”. Nun gibt es genauso wenig eine Natur, die sich whren könnte, wie eine Weltregierung oder die Iluminaten. Mutter Erde ist blind, taub und hat kein Gehirn. Also schreibt’s euch hinter eure umweltfreundlich gewaschenen Ohren: Das alles ist menschengemacht. Das alles sind zwangsläufige Folgen des uneingeschränkten Wachstums, den der verfluchte Kapitalismus zwingend erfordert! Und dem ebenfalls integrierten Profitmaximierungszwang.
Warum fackelt Russland ab? Warum sind Gerüchten zufolge in Moskau in der letzten Woche schon über 500 Asthmatiker im Rauch krepiert? Weil der eklige Putin und seine widerliche Oligarchenbande die Forstverwaltung privatisiert hat. Vergleichbare Waldbrände hat es in dieser Gegend (und anderen Regionen der ehemaligen Soffjetjon zuvor nie gegeben). Weshalb ist der Golf von Mexiko in weiten Teilen eine ökologische Wüste, die sich bis zum Weltuntergang nicht mehr erholen wird? Weil die bepissten Investmentärsche Manager wie den BP-Hayward zu abenteuerlichen Maßnahmen zwingen, bei denen die Sicherheit von Mensch und Umwelt keine Rolle spielt. Apropos Sicherheit: Was war es denn, dass den Schaller (der samt Lamborghini dereinst in der Hölle schmoren möge) dazu gebracht hat, Sicherheitsbedenken beiseite zu wischen? Gier. Weshalb schwemmen in Pakistan gerade Hundertausende Häuser weg? Weil sich die Menschen den Bau haltbarer Heime nicht leisten können angesichts der extrem ungerechten Verteilung von Besitz in diesem islamischen Land. Erdrutsche in China? Direkte Folgen der Klimaveränderungen. Nur für den Ausbruch des isländischen Vulkans E-16 (amidoof für “Eyjafjallajökull”), dafür muss kein Mensch die Verantwortung tragen. Das hat jenes höhere Wesen, das wir verehren, einfach so aus Spaß gemacht – vielleicht ja auch, um das Verbrennen von Kerosin in der Atmosphäre ein bisschen zu reduzieren. Und so wird es weitergehen. Tornados in deutschen Landen. Hochwasser in Sachsen. Radiokativer Staub, ein Übebleibsel der Atomkatastrophe von Tschernobyl, wird jetzt nach 24 Jahren durch die Bräden aufgewirbelt und wird wohl für Tausende Krebstode sorgen.
Was tun?
Es gibt für den Erdenbürger als Indviduum ungefähr zwei Möglichkeiten, mit der Endzeit umzugehen. Die eine wurde bereits in einem Karnevalsschlager der fünfziger Jahre angesicht des drohenden Atomkriegs vorgedacht: “Am 30. Mai ist der Weltuntergang // Wir leben nicht mehr lang //Doch keiner weiß in welchem Jahr // und das ist wunderbar. // Wir sind vielleicht noch lange hier // und darauf trinken wir.” Diese Haltung fatalistisch zu nennen, ist zynisch. Denn wer angesichts der Endzeitsignale so hantiert, der nimmt das Leid und den Tod vieler Hunderttausender Menschen noch vor dem Weltuntergang billigend in Kauf und hat sich somit aus der menschlichen Solidargemeinschaft verabschiedet. Typisch für diese Position sind die westlichen Schnösel, die sich dem dürren Glauben hingeben, das Internet werde es schon richten. Von ähnlichem Kaliber sind die Spießer, die sich vor den Folgen ihres eigenen Tuns schützen und die Desaster lieber woanders haben würden. Hierhin gehören diejenigen, die glauben, man können ja die Erde aufgeben und auf den Mars übersiedeln.
Moralisch sauber, wenn auch nicht erfolgversprechend ist es, das persönliche Handeln so auszurichten, als könne des die Endzeit aufhalten und den Untergang verhindern. Filosofisch betrachtet ist das Existenzialismus; eine ganz individualistische Denkschule, die besagt, dass es ohnehin keinen übergeordneten Sinn gibt. Dass es für jeden einzelnen darum geht, während der Lebenszeit das zu tun, was möglich ist – trotz aller Niederlagen. Leitbild ist hier der Sisyphos wie ihn der große französische Denker und Schriftsteller Camus verstanden hat. Dieser einziger Held der Menschheit rollt den Stein beharrlich den Berg hoch, obwohl er weiß, dass der Brocken wieder talwärts rollen wird. Er ist so frei, dieses Schicksal anzunehmen und versucht nicht, sich zu drücken. Amen & Mahlzeit allerseits.
“Die Natur wehrt sich”. Nun gibt es genauso wenig eine Natur, die sich wehren könnte, wie eine Weltregierung oder die Iluminaten. Mutter Erde ist blind, taub und hat kein Gehirn. Also schreibt’s euch hinter eure umweltfreundlich gewaschenen Ohren: Das alles ist menschengemacht.
Danke für diese klaren Worte:-) Dieser Blödspruch kommt immer von Leuten, die zwar alle “ganz doll öko sind”, aber zwischen sich und Natur total unterscheiden. Außer bei den Medizin-Ökos und -Esoterikern (ich bleib jetzt mal in der schwarzerisch inkorrekten Männlichkeitsform!), bei denen jede Krankheit (Kräääbs janz weit oben auf der Beliebtheitsskala!!) ein “Tritt in die Fresse von der Natur” ist. Aber selbst die wollen “die Natur” immer mit irgnedwelchen Psycho- oder Esotricks überwinden und vergessen dann ebenfalls, dass sie nicht andertes als Natur sind (einschließlich Dekompostierung vulgo Begräbnis/Einäscherung).