Das ständige Hinterherhecheln des kölschen Abzesses

Sensationen! Horror! Deutsche Sprache…

Folge 18 von 26 in Presseschau

Das Erfolgsprinzip der übelriechenden Boulevardblättchen besteht darin, die dumpfesten Ressentiments und Ängste der Spießer herzunehmen, diese zu verstärken und sich als Retter zu gerieren. Das gilt nicht nur für die Vorbilder aus den USA und Großbritannien oder das hiesige SCHEISSblatt, sondern auch für das Zeitungssurrogat aus dem hässlichen Kapellenstädtchen, das einfach nicht aufgeben will, auch Düsseldorf in Gülle zu ersäufen. Dass das nicht annähernd etwas mit Journalismus zu tun hat, dürfte jedem vernunftbegabten Wesen klar sein. Dass man aber als Schreibfink des kölschen Abzesses nicht einmal der deutschen Sprache mächtig zu sein braucht, erschreckt doch ein wenig. Nun ist der gute Dimitri Soibel ja ein Migrant, der den Gau von Tschernobyl als Fünfjähriger überlebt hat. Dafür kann er nichts, und vermutlich hat er die hiesige Schulen besucht, sodass seine mangelhafte Grammatik eher dem deutschen Schulwesen seit der Ära Kohl anzukreiden ist als der Tatsache, dass er nur in Köln wohnt, aber zu seinem Glück dort nicht geboren werden musste. Dies als Vorrede. Sein “Artikel” vom 13.07.12 ist überschrieben mit dem reißerischen Satzfragment “Gangster-Alarm in der Nobel-Tiefgarage”.

Was würdest du denken, läsest du das? Genau: Dass da eine Tiefgarage voller Nobelkarossen ist, in der eine oder mehrere Gangsterbanden ihr Unwesen treiben. Tatsächlich ist der Betroffene aber ein – dem Foto nach zu urteilen – unsympathischer Reichwutzschnösel, dem man den antiken Porsche geklaut und das BMW-Kabrio zweimal aufgeschlitzt hat. Angeblich kommentiert der dieses Schicksal mit den Worten “Dies ist eine schöne Gegend. Aber ruhig leben können wir hier nicht mehr…”. Ob er mit “Wir” eigentlich “Ich und meine Autos” meint, ist nicht überliefert. Mein persönliches Mitleid hält sich allerdings in extrem engen Grenzen. Wir haben es also mit einer klassischen So-what-Story zu tun, die der “Autor” auf Druck von Wemauchimmer (vielleicht einem mit dem Opfer befreundeten Redakteuer? Soll ja vorkommen – “Klar, Alex, das bring ich in die Zeitung…”) verzapft hat. Und weil der Nährwert der Sache auf dem Niveau eines lappigen Toastbrots liegt, hat der gute Dimitri versucht, im BLIND-Stil zu dramatisieren, und zwar nach Strich und Faden. Kostproben gefällig?

Traumhaft sieht das neue Stadtquartier auf dem ehemaligen Güterbahnhof Derendorf aus. Die Einwohner leben in den neuen gemütlichen, noblen Wohnungen.Viele Straßen tragen französische Namen, verleihen dem Viertel einen südländischen Flair. Doch richtig genießen können die Bewohner zurzeit ihr Leben nicht.

Die Wohnungen sind gemütlich und nobel. Muss sich um so eine Art teurer Gelsenkirchener Barock handeln. Tja, und dass sich Frankreich vom Mittelmeer bis an die Nordsee erstreckt, das muss der Dimitri ignorieren, damit das mit dem Südländischen hinhaut. Nur heißt es DAS Flair, nicht DER Flair… Okay, weil ein Porsche geklaut und ein BMW zweimal geschlutzt wurde, können die Bewohner zurzeit ihr Leben nicht mehr genießen. Was bedeutet, dass sie das südländisch-gemütlich-noble Hause nur genießen können, wenn ihre Autos heile bleiben. Sind die alle geistesgestört?

Denn hier ist bereits seit Wochen eine Diebesbande unterwegs. Sie haben es in den Tiefgaragen auf Luxusautos abgesehen. Das hätte Alexander Fischer (Name verändert) sich nicht vorstellen können, als er vor drei Jahren in das neue Stadtquartier zog. Allein er wurde innerhalb von wenigen Wochen bereits dreimal zum Opfer einer unglaublichen Diebstahlserie in der Tiefgarage auf der Schinkelstraße.

Die wohl erfolgloseste Diebesbande aller Zeiten (wenn es überhaupt immer diesselbe war) hat also in Wochen einen ollen Porsche und zwei BMW-Airbags geklaut. Und wovon leben die? Aber es geht ja nicht um die Verbrecher, sondern den armen Alexander Fischer, der vor drei Jahren dachte, er habe endlich, endlich einen sicheren Hafen für sich und seine Autos erreicht. Unglaublich an der Serie (Serien beginnen als bei mehr als zweimal…) ist nur, dass der EXZESS darüber so ein Bohei veranstaltet.

Zuerst wurde ihm dort am 27 April aus einer eigentlich gesicherten Tiefgarage sein geliebter Porsche (Baujahr 1973) gestohlen. „Um 19.30 Uhr kam ich nach Hause und ging kurze Zeit später joggen“, erinnert sich der 39-Jährige. „Als ich dann gegen 22 Uhr wieder in die Garage kam, war mein Wagen weg“. Nur paar Wochen später, in der Nacht vom 4. auf den 5. Juni, brachen die Diebe mit brachialer Gewalt in sein BMW Cabriolet ein, nahmen die Airbags mit und beschädigten sein Fahrzeug schwer. Es stand ein Schaden von über 10.000 Euro.

Die Tiefgarage ist also eigentlich gesichert. Und uneigentlich? Der 39-Jährige ist offensichtlich ein Perverser, dessen Fetisch Autos sind, die er liebt. Jetzt wird’s investigativ: Fischer kommt nach Hause, geht joggen, kehrt zurück, zack, Porsche futsch. Das sind Fakten, aus denen knallharte Reportagen geschnitzt sind, das hat rein. Dann noch die brachiale Gewalt, mit der die Diebe das Stoffdach des BMW ritzten (da reicht ein handelsübliches Taschenmesser…).
Jetzt kommt’s. Vermutlich sind die 10.000 Euro der Grund für diesen länglichen Artikel. Die möchte Fischer in der Zeitung sehen, damit er seine Versicherung genau um diesen Betrag abzocken kann. So viel Aufwand für so wenig Kohle…

„Als ich den aufgebrochenen Wagen sah, da fiel mir die Tasche aus der Hand“, so Fischer. „Ich war völlig geschockt. Das kann doch nicht sein, dass ich schon wieder in meiner Tiergarage bestohlen wurde“.

Vielleicht sollte der Alex mal mit dem Dmitri sprechen. Wer möchte schon als weicheieriger Autofetischist dastehen? Der völlig geschockt ist, wenn er sein geliebtes Kabrio aufgeschnitten vorfindet. Dürfte für eine Anzeige wegen Rufschädigung reichen.

Tja, und dann haut der Dimitri noch einen Klops raus: “Die Diebe haben es besonders auf die Airbags und eingebaute Navis von den BMWs abgesehen.” – “VON DEN”… Das soll wohl ein Genitiv sein, was? Der geht im Deutschen auch im Plural ohne “VON” und beigestelltem Dativ… Aber das verzeihen wir dem GAU-Überlebenden jetzt einfach mal. Sonst heißt es noch, der Verfasser dieses Beitrags wäre ein Klugscheißer.

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» Besprechung von Chefred am 15.07.12 um 14:52 » in Kategorien: Düsseldorf » 656 x gelesen » 2 x kommentiert
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  1. klugscheisser! *frins*

    in diesem quartier am derendorfer bahnhof will doch keiner der alle zusammen hat auch nur tot über den zaun hängen!

    ich hab da mal in der erstbezugs-, und endbauphase ne küche in die dritte etage hochgeschleppt (aufzug war für handwerker und sonstiges gesocks kaputt).

    ich war sofort begeistert von der aussicht. vorne raus die gleise und dahinter die rethel – schön mit grünem hügelchen, deichähnlich verdeckt, hinten raus die ollen hinterhäuser der schirmer und düsselthaler.

    ich sach ma ruhige traumlage! man lebt ja in/an der – ACHTUNG! – toulouser allee. *ichhaumichweg*

     
    Kommentar von yallamann am 15.07.12 um 21:54
  2. Seeehr interessant – ich muß mir dieses neue Viertel doch mal anschauen, vieleicht zieh ich dann ja wieder nach Düsseldorf und genau da hin. Ist ja möglich, dass ich sämtliche kleinen Schäden an meiner alten Blechbüchse mit Stern von der Versicherung gelöhnt bekomme. …..ich hau mich weg – gröööööhl

     
    Kommentar von mostertpoettchen am 15.07.12 um 22:34

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