Mit großen Versprechungen war Joachim Erwin 1999 angetreten: Düsseldorf wolle er zur Sportstadt machen. Die Bilanz ist ernüchternd. In seine Verantwortung fallen eine kläglich gescheiterte Olympiabewerbung, nicht stattgefunden habende Fußball-WM-Spiele 2006, sowie Abstiege der Düsseldorfer Spitzenmannschaften in den populären Sportarten. Lediglich der ewige Sieger Borussia Düsseldorf (Tischtennis), die DEG, der TuS Nord (Rollhockey) und der Boston-Club (Jazztanz) sind noch in den jeweils höchsten Ligen vertreten. Deutsche Meisterschaften konnten in den vergangenen zehn Jahren lediglich die Tischtennisherren feiern. Trotz massiven Eingreifens des Oberbürgermeisters konnten die Fußballer 2002 einen Abstieg in die Oberliga nicht verhindern und sind über die neue dritte Liga nicht hinausgekommen. Die Profi-Basketballer der Magics wurden von Erwins Büroleiterin Christina Begale systematisch aus der Stadt gemobbt, während die Handballer der HSG unter den unzulänglichen Bedingungen in der Stadt zu leiden haben und erneut nicht in die erste Bundesliga aufstiegen. Speziell daran, dass der DFB Düsseldorf als Austragungsort für die Fußball-WM ignorierte, hatte der OB mit seiner unnachahmlich arroganten Art entscheidenden Anteil.
Schlechter ging es der Stadt sportlich noch nie. Als das Ausmaß des Desasters nach der Bewerbung für die Olympischen Spiele 2012 sichtbar wurde, erklärten Erwin und Begale kurzerhand, nun sei die Förderung des Breitensports angesagt. So erwähnte der Ob in seiner Rede zum Etat 2003 ein Sportstättenförderprogramm. Die Ergebnisse des Programm erscheinen angesichts des Rechenschaftsberichts des Sportamts für 2007 etwa mager. So wurden 2007 zwar rund 12 Millionen Euro in den “Masterplan Sport” investiert, knapp die Hälfte davon fiel aber auf den Neubau einer umstrittenen Vierfach-Sporthalle in Gerresheim. Weitere 3,6 Millionen Euro wurden in Kunstrasen angelegt. Dabei muss man wissen, dass der mit großem PR-Aufwand vom OB persönlich als Manager der Fortuna geholte und nach kaum anderthalb Jahren (Abfindung: mindestens 300.000 Euro) geholte Fußballpromi Thomas Berthold lange Zeit Lobbyist eines Kunstrasensherstellers war. Das mag Zufall sein…
In die Ära Erwin fielen drei wichtige Bauvorhaben rund um den Sport: Die Mehrzweckarena (LTU-Arena) am Platz des ehemaligen Rheinstadions, der Dome in Rath (ISS Dome) und die Mehrzwckhalle Reisholz (Burg-Wächter Castello). Keines der Projekte kam in der Planungs-, Finanzierungs-, Bau- und Betriebsphase ohne skandalträchtige Verwicklungen aus. Über die Arena und die Reisholzer Halle wird in Joachim Erwins Bilanz noch zu reden sein. Tatsächlich erwiesen sich Arena und Dome als – vorsichtig ausgedrückt – riskant finanziert und überdimensioniert. Während Drittligist Fortuna die LTU-Arena bei Spitzenspielen mit bis zu 27.000 Zuschauern füllen kann, verlieren sich im ISS Dome bei Partien der DEG meist weniger als 6.000 Menschen. Lediglich das Burg-Wächter Castello (Kapazität: rund 3.600 Zuschauer) war bei den Spielen der HSG und der Magics oft gut gefüllt.
Wo der Stadt unter Erwin der Spitzensport teilweise verloren ging und der Breitensport keinen Boom erlebte, da setzten der OB und seine Leute ganz auf sportähnliche Veranstaltung als Touristen anlockende Events. Seit 2002 finden jedes Jahr zwischen Ende Oktober und Mitte Dezember ein Weltcuprennen im Skilanglauf statt. Dafür werden jeweils Tausende Tonnen mit höchstem Energieaufwand erzeugten Kunstschnees aus der Skihalle Neuss nach Düsseldorf verfrachtet und am Rheinufer zu einer Loipe aufgeschichtet, die auch schonmal im Dauerregen zerfließt. Angeblich lockt dieses Ereignis jeweils um die 300.000 Zuschauer – gezählt hat aber noch niemand. Noch absurder zeigt sich ein weiteres Event: Im März 2006 ließen die Piloten der Deutschen Tourenwagenmeisterschaft (DTM) zum ersten Mal unter großem Lärm und erheblichem Gestank sowie sinnloser Verbrennung von Treibstoff die Motoren auf der Kö an, um dem angereisten Provinzvolk Renn-Feeling vorzuspielen. Das reizte die Phantasie von Erwin und Begale so an, dass sie gar ein Gutachten in Auftrag gaben, das die Möglichkeit eines regulären DTM-Laufs in der Stadt zu prüfen hat. Dass auch dergleichen in der Stadt unter das Thema “Sport” fällt, sagt einiges über das Scheitern des Konzepts “Sportstadt Düsseldorf” aus.
Ob die Bestrebungen des OB Joachim Erwin in Sachen Sport überhaupt etwas gebracht haben, ist schwer zu beurteilen. Zum Ende des Jahres waren immerhin über 111 Tausend Düsseldorfer Mitglied in einem der 370 Sportvereine der Stadt. Das hört sich gut an. Vergleicht man diesen Wert aber mit einer ähnlich großen Stadt wie Dortmund (rund 140.000 Mitglieder in 600 Vereinen), dann schneidet Düsseldorf nicht gut ab. Trotzdem vergaßen wenige Trauerredner die Bemühungen von Joachim Erwin um den Sport in der Stadt zu erwähnen.
[...] persönlichen Christina Begale. Denn der Herrscher der Stadt wollte Düsseldorf ja zu einer Supersportstadt machen, weil er dann a) als Macher der Sportstadt in die Geschichte eingehen würde, b) er als [...]