Einzigartig und unvergleichlich: der Industriebrunnen am Fürstenplatz

[Upd.] Von Fürstenplätzen und Giftmeilen

Folge 16 von 22 in Schöne Plätze

industriebrunnen_2011Update: Hier gibt’s Infos (als PDF) zur Cornelius-Begrünung (via duesseldorfbilk auf Facebook). Der Fürstenplatz in Düsseldorf-Friedrichstadt, dem komischen Viertel zwischen der Innenstadt und Bilk, ist ein Ort meiner Kindheit. Denn ich habe die ersten zehn Jahre meines Lebens an der Corneliusstraße gewohnt. Da verließ man das Haus und wandte sich nach rechts. Ging bis zur Kreuzung mit der Oberbilker Allee, überquerte diese, wenn der Schutzmann in der Mitte das Zeichen gab, und bog in die Morsestraße ein. Am Ende traf man dann auf die Straße, die einmal rundum den Fürstenplatz führte. Da stand ein großes, backsteinernes Trafohäuschen. Es gab einen kleinen Spielplatz und am Nordende den Industriebrunnen. Das große Steinbecken hat an den Seiten zwei Podeste, auf denen riesige Bronzefiguren nackter Arbeiter stehen, und einen Sockel in der Mitte, wo der Schmied Vulkan auf seinem Amboss sitzt. Aus diesem Sockel strömt an drei Stellen das Wasser in ein halbrundes Becken, von da aus in ein weiteres halbrundes Becken, das sich wiederum in das rechteckige Becken ergießt, dass das Erdgeschoss markiert. Als wir klein waren, galt es als Mutprobe, diese Sockel zu erklettern, zumal dies mit halbrunden Gittern mit gefährlichen Spitzen verhindert werden sollte. Und die ganz Wilden, die sprangen von den Seiten aus über einem Meter Höhe runter! Ich war mehr ein Fan davon, im Sommer ins Wasser zu steigen und dort herumzuplanschen.

Wenn man sich das Bild vom Brunnen auf Googel Maps anschaut, sieht es so aus, als gäbe es keine Figuren. Tatsächlich muss das Foto im Jahr 2008 aufgenommen worden sein, denn damals waren die Statuen (wenn ich mich nicht ganz täusche) gerade zu Restaurationszwecken abgebaut. Und im vergangenen Herbst hatte man begonnen, das große Becken anzudichten. Vermutlich sickerte dort Wasser in den Untergrund. was möglicherweise Wasserschäden an der unterm Platz gebauten Quartiersgarage hätte auslösen können. Vor ein paar Tagen hatten Arbeiter diese Dichtereien final abgeschlossen. Und heute strömte zum ersten Mal wieder das Wasser und wenn es das tut, dann weiß der Fürstenplätzler: Ett iss Frühling!

Ansonsten ist der Fürstenplatz schon immer einer der lebendigsten und quirligsten Orte im ganzen Süden der Stadt. Vor Jahren hat man ihn massivst umgebaut. Geblieben sind die Straßebahnschienen, die aus der Morsestraße kommen. Die Haltstelle befindet sich an der Südseite, und von da aus gehen die Gleise rechts herum um den Platz, um dann in die Helmholtzstraße und weiter zum Hauptbahnhof zu führen. Früher fuhr hier die 4. Sie kam von der Uniklinik, querte den Karolingerplatz, fuhr durch die Heresbachstraße, um dann durch die Unterführung in die Corneliusstraße einzubiegen. Wir fuhren als Kinder oft mit dieser Linie zu Tante und Onkel, die auf der Jordanstraße beim Vinzenzkrankenhaus wohnten. Heute nimmt die 704 einen anderen Weg, dafür halten jetzt die 708 und 709 am Fürstenplatz.
Der erste Schritt des Umbaus fand schon Ende der achtziger Jahre statt. Damals wurde die Fahrbahn, die von der Straße an der Westseite im Bogen auf die Straße an der Südseite führte, gesperrt. In dem so entstandenen Eck wurde ein Wochenmarkt eingerichtet, den es immer noch gibt. Später hat man dann den Platz komplett umgebaut, sodass ein mehrteiliger Spielplatz jetzt den größten Raum einnimmt. Ein großer Bolzkäfig kam dazu. Außerdem wurde eine unterirdische Quartiergarage gebaut, die ein bisschen dazu beitrug, die chronische Parkplatznot im Viertel zu lindern.

An sonnigen Tagen ist der Platz knallvoll. Da spielen manchmal Hunderte Kinder, während die Eltern auf den Bänken sitzen und schwatzen. Im Bolzkäfig spielen Dutzende Jugendliche Fuß- und Basketball, und auf den ruhigeren Bänken an der Westseite sitzen die Älteren, schauen zu, quatschen ein bisschen. Schon in den Sechzigern war das Trafohäuschen einem Büdchen gewichen, das aber auch schon längst wieder abgerissen ist. Trotzdem treffen sich hier immer noch die Freunde des frühen Biers. An der Stelle, wo das Büdchen stand, gibt es jetzt eine Filiale des Eiscafés Belluno, dessen Stammhaus unweit an der Helmholtzstraße liegt. Die machen das Eis meiner Kindheit, denn Belluno gab es schon immer. Heute stehen auf dem Platz davor nette Tischchen, und man kann hier seinen Espresso nehmen.

Und was hat es mit der Giftmeile auf sich? Die Corneliusstraße ist bis auf den heutigen Tag stummer Zeuge des Autowahns, den der Ex-Nazi-Architekt Tamms in Stadtplanung übersetzt hat. In den Fünfzigern war die Corneliusstraße halb so breit wie heute, die Unterführung war bloß ein Loch im Bahndamm, durch das gerade mal ein Tramgleis führte. Kam die Bahn, konnte kein Auto mehr durch. Die komplette Westseite bestand aus Trümmergrundstücken. Von etwa 1957 bis 1960 wirkten die Tamms’schen Schergen und verbreiteten die einstmals stille Corneliusstraße auf vier Fahrspuren, Parkstreifen und separaten Gleiskörper. So wurde diese Straße zu einem Teil der autogerechten Süd-Nord-Verbindung quer durch Düsseldorf. Um die hinzukriegen, ließ Tamms die Berliner Allee durch ein ehemals durch kleine Sträßchen gegliedertes Viertel zwischen Bahnhof und Kö schlagen.
Das hat die Corneliusstraße schon vor gut 50 Jahren zu einer meistbefahrenen Straßen gemacht. In der Folge wurde sie durch die massive Belastung durch Abgase und Feinstaub zur legendären Giftmeile. Sichtbares Zeichen ist die Messtation auf dem Parkstreifen vor der ebenfalls legendären Eisdiele Profeta. Nun hat man die Corneliusstraße zum Teil der so genannten “Umweltzone” gemacht, was uns Anwohnern wenigstens den Dreck und Krach der Lkw erspart. Außerdem hat der Rat schon vor Längerem Mittel für die Begrünung bereitgestellt. Seit ein paar Tagen – und vielen Anfragen und Mahnungen aktiver Leute hier – wird mit der erweiterten Begrünung begonnen. Zwischen der Kirchfeldstraße und dem Fürstenwall werden zusätzliche Beete angelegt, die in der Folge mit rund einen Meter hohen Hecken bestückt werden sollen. Einige Ladenbesitzer finden das blöd und argumentieren, man könne dann ja ihre Schaufenster nicht mehr aus dem fahrenden Auto sehen, und Fahrradständer ließen sich auch nicht mehr aufstellen. Als ob je ein Pkw-Fahrer hier anhalten würde, weil er was Tolles in einer Auslage gesehen hat…

Fest steht jetzt auch, dass spätestens 2014 der Gleiskörper der Straßenbahn begrünt und von den Fahrspuren abgetrennt wird. Außerdem steht im Raum, eine Fahrspur komplett wegzunehmen und in Parkbuchten und Lieferzonen umzuwandeln. Die Realisierung dieser Maßnahmen hängt eng mit dem Ende des U-Bahn-Baus sowie der Fertigstellung des K-Bogens und der folgenden Neureglung der Verkehrsströme zusammen. Wenn dann noch vermehrt Hausbesitzer die Fördermittel für die Fassadenbegrünung abrufen, kann es nochmal was werden mit der ollen Giftmeile.


» Bericht von Rainer Bartel am 13.04.11 um 14:40 » in Kategorien: Düsseldorf » 914 x gelesen » 6 x kommentiert
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  1. Die olle Giftmeile, die ich, das gebe ich zu, auch täglich benutze, wird tatsächlich “bearbeitet”. Wobei mich der grüne Metallzaun, der da jetzt aufgestellt wurde, irgendwie nicht an eine Hecke erinnert..

    [Antwort]

    Rainer Bartel Antwort vom 09.04.11 10:48:

    Die Hecken kommen in das Bett hinter dem Zaun…

    [Antwort]

     
    Kommentar von Michael am 09.04.11 um 10:14
  2. Der Fürstenplatz ist ein angenehmes Eckchen. Auch drumherum in Richtung Oberbilker Allee und der Gleise hat es paar nette Straßenzüge mit recht viel Altbaubestand, erinnert mich bisschen an mein Mannheimer Multikultiviertel.

    [Antwort]

     
    Kommentar von mark793 am 09.04.11 um 21:53
  3. Meine Hood! :-)

    Aber am Fürstnplatz hält die 707 und nicht die 709.

    Aber so ein wenig macht sich auch rund um den Fürstenplatz eine Art Gentrifizierung breit. Wie oft hängen an den Laternenmasten Zettel wie “Beamtenpaar sucht…” oder “Junge Familie (Akademiker) sucht…”. Oder wenn man am Samstag über den kleinen Markt schlendert, man sieht immer mehr junge (naja, so ab 30) Familien. Ist aber zum Glück noch nicht so schlimm wie in Flingern!

    [Antwort]

    Rainer Bartel Antwort vom 11.04.11 11:57:

    Ui, ein Doppeltippfehler: Muss natürlich “707 und 708″ heißen. Die liegen aber auch alle so eng nebeneinander auf der Tastatur.
    Eine Gentrifizierung sehe ich auch sich anschleichen: Besonders wenn ich mir anschaue, was für Bürger da gern vor dem Schnöselcafé Appartement sitzen ;–))

    [Antwort]

     
    Kommentar von Weed am 11.04.11 um 11:48
  4. Heimat – alte Heimat
    Geb. 1955 auf der Herzogstr zwischen Conni und Jahnstr.

    hab dann irgendwann anfang/mitte der 60er Cornelius 64 gewohnt
    -war ein elendiger gestank durch den Straßenverkehr, weshalb meine Mutter auch schnell was neues suchte.

    – und der Brunnen warauch ein teil meiner Kindheit, wobei ich den Park rings um den schwanenspiel und den alten Landtag vorzog

    [Antwort]

     
    Kommentar von Dieter Velten am 17.05.12 um 02:59

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