Wenn Wahl wird, hat der Werber Karneval. Denn da gibt es leicht verdientes Geld. Kreativ muss nicht, nein, bei Sozen darf es nicht mal sein. Da holt mal halt ein paar abgelutschte Sprüche aus der Schublade, lässt ein paar schlampige Fotos von den Kandidaten machen und füllt schlappe Leporellos mit sinnfreien Texten. Dafür gibt es Kohle satt, und wenn die “Kampagne” erfolglos war, dann ist eben der doofe Wähler schuld. Auf welch niedrigem Qualitätsniveau Wahlwerbung im Kommunalbereich möglich ist, zeigt der derzeit laufende Wahlkampf rund um den Oberbürgermeisterposten in der ehemaligen Hochburg der Werbe”wirtschaft” Düsseldorf. Beteiligt sind die Eggert Group für den CDU-Kandidatin Dirk Elbers und die Bonner Klitsche Agentur Kreativ Konzept für die gemeinsame Bewerberin von Sozen und Grünen, Karin Kortmann.
Der leidenschaftliche Dirk Elbers
Der Hauptclaim des Hausmeisters Elbers lautet: “Mit Leidenschaft für Düsseldorf!” – ja, mit Ausrufezeichen. Nun ist jedem Medienbeobacher klar, dass es spätestens seit der FuSSball-WM 2006 einen Leidenschaftsinflation gibt und dass sich die Adressaten von Reklame darunter eh nichts vorstellen können. Deshalb – so denken Werbefuzzis – kann man das Etikett auch beliebig verwenden. Der Erste Bürgermeister Dirk Elbers mag ein netter Kerl sein, aber eines strahlt er so überhaupt ganz und gar nicht aus: Leidenschaft. Eher im Gegenteil. Erlebt man ihn aus der Nähe, denkt man automatisch an einen zufriedenen Beamten aus den siebziger, achtziger Jahre. Das ist ja auch nichts Schlimmes. Man fragt sich nur, wie die Eggheads von Eggert darauf gekommen sind, dass so ein OB mit Leidenschaft für seine Stadt arbeiten können sollen muss. Warum nicht einfach mit … Sorgfalt, Freude, Überzeugung. Irgendwas Normales eben.
Der Wirkung des Claims “Mit Kampfgeist und Fairplay” steht das absolut bescheuerte Plakatmotiv entgegen. Beobachter vermelden Bürger, die vor diesem Plakat stehen bleiben und dann laut lachen. Schade eigentlich, denn nach allem, was über den politischen Stil des Dirk Elbers weiß, stehen Respekt und Fairness gegenüber dem politischen Gegner bei ihm im Zentrum. Und das ist genau, was diese Stadt nach der Erwin-Ära braucht. Kampfgeist ist wiederum ein Begriff, dem man dem Schlaks mit den unbeholfenen Bewegungen nicht wirklich zuordnen möchte. Zumal er sich in seiner politischen Karriere eigentlich eher im Kohl’schen Aussitzen geübt hat und nicht durch forcierte Auseinandersetzung dahin gekommen ist, wo er jetzt steht.
Eine absolute Lachnummer ist die Website des CDU-Kandidaten. Verantwortlich nennt sich ein Laden mit dem blöden Namen “Sharkness Media“, der sich als “CDU FullService Agentur” (nur Orginal in dieser bekloppten Schreibweise…) und “CDU Spezialist” (nur echt mit Deppenleerzeichen…) bezeichnet. Dahinter steht der Münsteraner Jörn Rhinow, der Mann, der der CDU das Internet brachte. Der Jungunionist hat sich seit 2004 in seine Heimatpartei gewühlt und bietet Orts-, Bezirks- und Kreisverbänden 08/15-Websites mit Flatrate-Tarif an. So sehen die dann auch aus.
Vermutlich kann der gute Rhinow aber nichts für den flachen Content der Elbers’schen Website. Wer auch immer die Inhalte verantwortet, ist mit dem Raster anscheinend überfordert. Der News-Ticker wird kaum gepflegt, und manche Menüpunkte sind annähernd verwaist. Mitten im ultrakurzen Wahlkampf finden sich die aktuellsten Nachrichten im Abstand von zehn Tagen. Was da an Texten in der Rubrik “Themen” veröffentlicht wird, ist ein Sammelsurium aus Beschreibungen und Meinungen ohne jeden Bezug zum Kandidaten. Das ist ganz schwach.
Freu dich, Düsseldorf
Ebenfalls aus Münster kommt das Internet-Pendant der Spezialdemokraten: Oliver Zeisberger, Geschäftsführer der “baracuda digitale agentur” (Originalschreibweise), der in seiner Selbstbeschreibung alle Phrasen aus dem Web-2.0-Baukasten absondert (Weblog, Community etc) und für sich in Anspruch nimmt, “partei-politischen Weblogs” in Deutschland zum Durchbruch verholfen zu haben (bru-har-har).
Immerhin geht der/die/das NRWSPD.net auf sein Konto, die “Rundum-Sorglos-Plattform” für Sozenvereine aller Ebene – also das Gegenstück zum Sharkness-Dingsbums. Die gibt technisch und strukturell deutlich mehr her als das CDU-Maschinchen. Entsprechend professionell sieht die Kortmann’sche Website aus. Auch in Sachen Content sammelt die SPD-Wahlmapf-Site deutlich Punkte: Meldungen mit einigermaßen bedeutungsvollem Inhalt erscheinen wenigstens alle zwei Tage; diese ersetzen aber auch die gesamte Programmatik. Peinlich ist die auf Sevenload abgelegte Diashow zur Kandidatin.
Die Programmpunkte haben die Jungs und Mädels von Eggert in eine Reihe mehr oder weniger kryptischer Claims gerinnen lassen. Das Bauprinzip geht so:
- Düsseldorf, freu dich! (Dauer-Claim 1)
- Du wirst nicht mehr verkauft (Anti-Erwin-Spruch)
- Deins bleibt Deins (Verstärkung)
- Kortmann kommt! (Dauer-Claim 2)
So werden die Standardthemen (Bürgerbeteiligung, Klima, Kinder und Wohnraum) routiniert abgehandelt. Leider sehen die Plakatfotos der wirklichen Karin Kortmann, einem schnuckeligen, bisschen schmallippigen Eifelmädchen nicht sehr ähnlich. Zwei Reklamesprüche stechen heraus, weil es nicht ganz einfach ist, diese zu verstehen.
“Du spielst bald überall 1.Liga” – Was meinen die Kortmann-Werber? Datt datt Karin persönlisch dafür sorcht, datt die Tuna bald wieder in der ersten Bundesliga spielt? Wohl kaum, denn der lokale Fußball zählt eindeutig nicht zu den Kernkompetenzen der Kandidatin. Oder dass Düsseldorf in noch mehr merkwürdigen Rankings in der Spitzengruppe steht? Nein, der zweite Claim erklärt’s: “Düsseldorfs Stärke zum Aufstieg für alle machen” – das ist klassische Sozenlyrik. Also: Das Düsseldorf (dank Erwin?) ein so doller Wirtschaftsstandort ist, muss allen Düsseldorfern zu Gute kommen. Schön wär’s. Wie das vonstatten gehen soll, erfährt man in der Propaganda nicht.
“Dur wirst ein toller Nachbar” – Hä? Und: Wen interessiert’s? Die Auflösung ist einfach und zählt zum Anti-Erwin-Repertoire. Dem wurde ja nicht zu Unrecht eine besondere Arroganz gegenüber den benachbarten Gemeinden nachgesagt. Das soll sich also unter Kortmann ändern. Na ja…
Fazit
Vielleicht spielt die Werbung bei diesem kaum sechswöchigen Wahlkampf nur eine untergeordnete Rolle. Darauf lassen auch die relativ geringen Etats beider Kandidaten schließen. Tatsächlich handelt es sich aufgrund der Ausgangsbedingungen um einen reinen Personenwahlkampf, und es ist ganz eindeutig das Ziel der Bewerber, möglichst vielen Wählern persönlich zu begegnen bzw. über die Medien vorgestellt zu werden.
In dieser Hinsicht hatte und hat Dirk Elbers natürlich die Nase um mehrere Längen vorn. Als Vertreter Joachim Erwins hat er es in den vergangenen Jahren – zumindest dem Namen nach – zu einem guten Bekanntheitsgrad gebracht. Die SPD-Kandidatin Kortmann war dagegen eigentlich nur den Sozen selbst bekannt – ob sich diejenigen, die ihr bei der Bundestagswahl ihre Stimme gegeben haben, an datt Karin erinnern, ist fraglich. Nun hat es sich die parlamentarische Staatssekretärin aber auch unnötig schwer gemacht, ist sie doch gleich zu Beginn des Wahlkampfs in Urlaub gefahren. Natürlich hat die Frau ein Recht auf Familienferien – aber doch nicht in dieser Situation. Nein, das wird sie einfach nicht mehr aufholen.
Um Positionen geht es ganz offensichtlich nicht. Dafür sind beide Bewerber viel zu abhängig von ihren Parteien – Karin Kortmann zudem von den sie unterstützenden Grünen. Beide haben versucht, sich mit ungewöhnlichen Ideen zu profilieren. Bei beiden ist das voll in die Hose gegangen. Elbers Vorschlag, den Kunstpalast louvre-mäßig unter der Erde zu erweitern, hat kaum eine Diskussion ausgelöst. Und Kortmanns Anregungen, im Köbogen ein Museum zu bauen, kann man nur ihrer Unkenntnis der Düsseldorfer Gegebenheiten zuschreiben.
So sind beide irgendwie für Kinder und fürs Klima und wollen, dass es Düsseldorf gut geht. Mehr ist da nicht.
Was wählen?
Wer glaubt, eine OBin Kortmann könne linke, soziale und grüne Positionen durchsetzen, der mag sie wählen, sollte sich aber darüber im Klaren sein, dass die Dame außerhalb ihrer Partei mit nichts und niemandem in der Stadt vernetzt ist.
Wer eine gewisse Kontinuität möchte, aber mit mehr Ruhe und Gelassenheit, und wer zudem will, dass die Düsseldorfer Großmannssucht endlich ein Ende findet, der kann den Onkel Dirk wählen. Er sollte sich dann aber auf ganz, ganz wenige Veränderungen in den nächsten Jahren einrichten.
Wer weiß, dass es ohnehin nur Kortmann oder Elbers schaffen kann, aber den Großen eins auswischen will, der kann seine Stimme eher dem Kandidat der Linken, Helmut Born, geben als der Wahl fernzubleiben.


[...] Katholenvereinen. Vielleicht wäre sie wählbarer geworden, hätten ihr diese dusselige Werbeagentur nicht eine derartig bescheuerte Kampagne angehängt. Da sind Sprüche im Repertoire, die [...]