Erfolgsmanager und Machtmensch

Was macht Meister Pröpper?

iss_domeZum zweiten Mail innerhalb eines Jahres gerät Dr.-Ing. Heinrich Pröpper in den Fokus der Freunde von Fortuna Düsseldorf. Nachdem die Mitglieder im vergangenen Jahr den Anwalt Dr. Ernst in den Aufsichtsrat befördert hatten, zettelte Pröpper eine Kampfabstimmung um den Posten des Aufsichtsratsvorsitzenden an, die er verlor. Und nach den Vorfällen der JMV vom vergangenen Montag gilt vielen Mitgliedern genau dieser Dr-Ing. Pröpper geradezu als Verkörperung des Bösen. Dabei weiß kaum jemand mehr über ihn, als dass er Chef der IDR (Industrieterrains Düsseldorf-Reisholz) ist. Dabei handelt es sich um eine Immobilienentwicklungsfirma, die zu hundert Prozent im Besitz der Stadt ist und vornehmlich städtischen Grund entwickelt und bebaut. Seit Mai 2001 ist Heinrich Pröpper Vorstand und CEO der Gesellschaft; ins Amt kam er auf dem Ticket der SPD – der damalige OB Joachim Erwin hätte wohl einen anderen Kandidaten lieber gesehen.

Bis zu Pröppers Amtsantritt war die IDR den Düsseldorfer kaum bekannt. Nur wer um den Rheinturm herumschlich, dem fiel das alte Hafenmeisterhäuschen auf, in dem ein Teil der IDR residiert. Denn der Rheinturm gehört der IDR. Ansonsten verhielt sich die Traditions-Company (gegründet 1898) meist unauffällig und kümmerte sich um die Vermarktung diverser Industriebrachen. Heinrich Pröpper setzte das fort, aber mit einem wesentlich aktiveren Konzept. Bisheriges Highlight seines Tuns ist sicher die Entwicklung des Gebiets an der Theodorstraße in Rath, vor allem der Bau des ISS-Domes. Aber auch beim Baumeister ist nicht alles Gold, was glänzt. So geriet er bei einigen Projekte in die Kritik. Unter anderem geht die Tatsache auf sein Konto, dass beim Bau des Event-Doms in Rath erst nach Baubeginn über die Verlängerung der Straßenbahnlinie 701 verhandelt wurde – bis heute ohne Ergebnis. Stattdessen ließ er den Preis für ein Abendticket im dortigen Parkhaus auf 10 Euro festlegen, was nach heftigen Protesten auf fünf Euro reduziert werden musste. Nach wie vorher ist aber die Anreise zum ISS-Dome für alle Beteiligten eine Qual.
Dass er auch einen Schuss Hybris in sich trägt, bewies er durch sein Statement, die Arena in München sei eine “Arroganz-Arena”. Wenige Tage später zeigten sich die ersten Baumängel an seinem Dome; Teil der Innenverkleidung fielen herab. Zudem stellte sich nach dem ersten Spiel der DEG heraus, dass Leute auf einem Teil der Stehplätze die Eisfläche nicht sehen konnten, was nachgebessert wurde.

“Doch Pröpper hat wohl keine Wahl, wenn er auch um Exotisches gebeten wird. Und so piesacken ihn bei allen Erfolgen Zeitungsberichte über den Lüpertz-Pavillon zur Quadriennale, dem das Etikett Ladenhüter anhaftete oder die mobile Rheinoper für 1,7 Millionen, die statt einer Million im Weiterverkauf nur etwa die Hälfte brachte, weil die Auf- und Abbaukosten vom Kaufpreis abgezogen wurden.” (Quelle: DerWesten vom 22.02.2008)

Mit beiden Projekten, die für ein bisschen Exotik sorgen sollten, verhob sich der Erfolgsmanager, der u.a. beim Bau der Multifunktionsarena bei der Kostenkontrolle tätig war und nachweisbar eine der erfolgreichsten Entwicklungsgesellschaften im Bereich von Industrie- und Gewerbeflächen führt. Möglicherweise gehen aber beide Misserfolge gar nicht auf sein Konto, sondern sind nur Auswirkungen von Projekten, die der verstorbene OB Erwin auf seine unnachahmlich dringliche Weise durchgepaukt hatte. Alles in allem kann man Dr.-Ing. Heinrich Pröpper in seiner Eigenschaft als Chef der IDR nur wenig vorwerfen.

Pröpper und Fortuna
Dafür war es aber auch Erwin, der Pröpper in den Aufsichtsrat der Fortuna hievte. In der Vereinspolitik waren die beiden einer Meinung. Das Bild als Papagei, also Sprechpuppe seines Vorturners, traf Pröpper hauptsächlich dafür, dass er immer noch einen Schritt weitergehen wollte als sein Boss. So brachte er im Jahr 2004 den aberwitzigen Vorschlag ein, den nachweisbar unfähigen und damals schon gescheiterten Manager Thomas Berthold zum hauptamtlichen Fortuna-Vorstand zu machen. Ob und inwieweit sich Pröpper überhaupt für Fußball im Allgemeinen und die Fortuna im Besonderen interessiert und wie oft – wenn überhaupt – bei Heimspielen anwesen ist, bleibt unklar. Mitglied des TSV Fortuna Düsseldorf von 1895 ist er jedenfalls nicht, und bei der JMV am 27.04.09 fehlte er, ohne dass Gründe dafür bekannt wären.

Vielen aktiven Mitglieder, die jahrelang unter der Erwin’schen Demokratieallergie (“Das ist doch hier kein Kindergarten”) gelitten haben, gilt Pröpper als einer der letzten Mohikaner der Erwinista. Indizien dafür gibt es nur wenige, aber sein Widerstand gegen Dr. Ernst (den Fortuna-Obama) is seit dem Vorjahr bekannt. Ob und auf welche Weise Pröpper als Mobbingaktivist gegen Ernst gewirkt hat, ist auch nur Spekulation.
Dass er es mit der Demokratie auch nicht so hat, belegen Gespräche mit IDR-Mitarbeitern und sein Statement zu den Vorfällen auf der F95-JMV. Bei den Abstimmungen zur Entlastung von Vorstands- und Aufsichtsratsmitgliedern gab es nicht eine einzige Ja-Stimme für seine Entlastung. Seine Erklräung dazu: “Da ist eine Inszenierung gelaufen.” (Quelle: DerWesten vom 28.04.2009)
Dabei war den meisten Mitglieder klar, dass die Nichtentlastung eines Gremienmitglieds die einzige demokratische Möglichkeit ist, jemanden das Misstrauen auszusprechen. Pröpper wird dieses Misstrauensvorum also ignorieren. Gewählt wurde er ohnehin nie. Der Wahlausschuss beförderte ihn kraft Amtes in den Aufsichtsrat und – kann ihn “aus wichtigem Grund” wieder abberufen. Sich den Mitgliedern zur Wahl zu stellen, dürfte für Pröpper ein aussichtsloses Unterfangen sein; er wird es vermutlich auch nicht tun.


» Bericht von Rainer Bartel am 30.04.09 um 14:42 » in Kategorien: Düsseldorf,Fortuna » 1.333 x gelesen » noch kein Kommentar
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