Wo gibt's das sonst in Deutschlands Großstädten: Ein Sandstrand mit Blick auf die City?
Ist mir schon fast peinlich: Heute früh war ich zum ersten Mal in meinem Leben als Düsseldorfer am Hafenstrand. Keine Ahnung, was mich deutlich über fünfzig Jahre daran gehindert hat. Der Blick von dort auf den Strom und die Stadt trieben mir kleine Tränchen in die Augen, so schön war das. Um bei Ortsfremden keine Illusionen zu wecken: An sommerlichen Abend ist es da so voll wie an jedem beliebigen Ostseestrand in Badeortnähe. Beim Jungvolk ist dieser rund 300 Meter lange Sandstreifen unterhalb des Hafendeichs als Partyzone äußerst beliebt, auch wenn es dort – wie sagt man? – chillig zugeht als ballermannmäßig. Also: Morgens um neun an einem Sonntag trifft man dort kaum eine Menschenseele. Die Frühaufsteher toben oben mit ihren Renn- oder Mountainrädern sportlich umher und kollidieren gelegentlich mit hageren Jogger und -innen. Nur die paar Hundehalter, die sich auskennen, trifft man unten am Sand. Steht man dann in einer der drei Buchten und wendet den Blick nach Nordosten, hat man das volle Altstadtpanorama, nur verstellt durch die Kniebrücke, vor sich. Und das ist ein Anblick, den sonst keine andere Stadt in Deutschland von einem Strand aus zu bieten hat.
Am ehesten kommt dieser Situation noch der Elbdeich oberhalb Hamburgs nahe, der allerdings sehr viel weiter von der City entfernt ist. In Düsseldorf sind es nur ein paar Schritte vom Landtag bis zum Sandstrand. Hinter dem Rheinturm spannt sich eine Fußgängerbrücke über das Hafenbecken bis zur Bremer Straße. Dort beginnt der kombinierte Geh- und Radweg, der Richtung Süden zur Lausward mit Kraftwerk und Golfplatz führt und weiter nach Hamm sowie an Volmerswerth vorbei bis nach Flehe.
Nun gibt es ja noch mehr schöne Strände am Rhein bei Düsseldorf. Über die sanften Buchten auf der Löricker Seite war hier schon die Rede. Auch am Ufer unter dem Deich zwischen Lohausen und Kaiserswerth gibt’s ein bisschen Strand. Auch Hamm hat seine eigene Copacabana. Aber nirgends sind die Strände so abgeschirmt vom Verkehr, von der Hektik wie hier. Offensichtlich wird diese Ecke insgesamt so wenig frequentiert, dass sich bisher kaum mehr als Trampelpfade vom Weg runter finden lassen. Und obwohl dort eben auch Partys abgehalten werden, ist es recht sauber – sauberer jedenfalls als an den Ballermannecken auf der Oberkasseler Seite.
Man befindet sich praktisch auf der Außenseite des Hafens, der sich ans Rheinknie schmiegt. Vorne findet sich der Medienhafen für die Schnösel, dann das Becken mit den alten Futtermittelfabriken und dem Hauptquartier der Tote-Hosen-Plattenfirmen. Auf dem Weg zum Hafenstrand bekommt man auch neue Blickwinkel auf die Gehry-Bauten und diese erwinistische Gewaltarchitektur des Hyatt-Hotels, dem mit Monkey’s Island vor einigen Jahren eine der ersten innerstädtischen Strandbars mit superentspanntem Flair zum Opfer fiel. Und wer ganz genau hinsieht, entdeckt im Dschungel am Ende der Fußgängerbrücke ein verwunschenes Haus, in dem einst mein Zivildienstkollege Werner Schwerter wohnte – aber das ist auch schon gut 30 Jahre her…
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Erstmal danke für Deinen Beitrag. Ich werd noch etwas ausführlicher drauf eingehen.
Herzschmerz mein Vorgarten ;-) Freu mich immer wieder,wenn ich nach Hause komme.Wohne zwar leider nicht in dem verwunschenes Haus,aber es ist nicht weit
Bischen Sorge macht mir gerade die Riesenbaustelle an der Lausward
Schoene Ecke – unten in Himmelgeist am alten Faehranleger gibt’s auch noch mal so ein maessig gut erreichbares Stueck.
Apropos – ist ‘Absurdistan am Rhein’ noch da? Ich war zwar in den letzten Jahren immer mal wieder am Hafen, aber ueber die Bruecke habe ich’s lange nicht geschafft.
Nicht mehr da
Himmelgeist ist ein Traum.Leider bischen teuer wohl.
Aber am Hafen würde ich für meine Miete aus prä snob Zeiten jetzt auch nix mehr finden ;-)
Mal ein paar Infos aus dem Nähkästchen eines Anwohners und regelmäßigen Joggers/Läufers/Rennradfahrers:
In den letzten 2 bis 3 Jahren hat sich diese Ecke so entwickelt. Vorher war das so eine Art Geheimtipp, aber das ist vorbei. An lauen Sommerabenden sind dort locker an die 10.000 Leute. Die “Location” zieht sich etwa 1,5 km lang bis zu Beginn des Golfplatzes. Durch diese starke Zunahme der Frequentierung war das in den letzten beiden Sommern eine ziemliche Müllkippe, also von den Besuchern und den Hinterlassenschaften her.
In diesem Jahr, etwa seit den ersten wärmeren Tagen im April, zieht die Stadt dort einen ganz radikalen Kurs mit Ordnungsamt und Polizei durch, anders ging es wohl nicht mehr. Rund um die Uhr wird dort Paroullliert, z.T. in Vierertrupps, und wer sich nicht benimmt oder seinen Müll kliegen lässt bekommt eine ordentliche Rechnung von der Awista plus Ordnungsgeld.
Dies scheint zu wirken. Seit etwa Mai/Juni bringen die Leute ihren Abfall zu den dort aufgestellten Containern und es liegen nicht mehr so viel zerdepperte Flaschen auf dem Weg herum. Sicher, das Wetter ist diesen Sommer nicht so dolle (kann ja noch werden), aber ich habe den Eindruck, das sich doch so langsam etwas tut. Dazu wurden auch Schilder aufgestellt mit dem Motto: “Es ist Euer Ufer und Eure Verantwortung”.
Ein Problem ist allerdings noch nicht behoben: Es fehlen Toiletten. Das liesse sich aber durch das Vorhandensein von Ver- und Entsorgungsleitungen an den Strassen im nächsten Jahr beheben.
Mein Fazit:
Wenn die Leute weiter mit Zuckerbrot und Peitsche erzogen werden und sich dann an die Regeln halten, könnte das in ein oder Zwei Jahren die absolute Knallerpartyzone von Konstanz bis Rotterdam werden !
Danke für die Informationen und Einschätzungen!
Kann ich nur unterschreiben. Meine Omma zahlte für ihre Wohnung, auf der Wupperstraße(klein aber fein – knapp 30qm – “Neubau” von 1957), wie sie mitte der 90er verstarb, ne Kaltmite von 163 D-Mark. Möchte nicht wissen, was die Hütte heute so kostet.
Wer morgens nicht früh raus muss oder wenig schläft:
Hier ist es sehr schön nach Mitternacht bei klarem Himmel und Mondschein.Wenn nicht gerade ein Zug über die Hammer Brücke rollt,hört man den Rhein plätschern,Grillen zirpen und sonst nicht viel.Kleiner Kurzurlaub.