Ein Tag auf der Rennbahn

Wo laufen sie denn?

rennbahnAlso, ich persönlich habe Angst vor Pferden. Für mich sind das große, dumme Tiere mit grossen, gelben Zähnen, die mir nach dem Leben trachten. Das mag daran liegen, dass ich im zarten Alter von sechs erlebte, dass ein Gaul durchging und knapp zehn Zentimeter an mir vorbei raste. Ich hab’s überlebt, aber ich bin traumatisiert. Deshalb bin ich bisher im Traum nicht darauf gekommen, eine Pferdesportveranstaltung zu besuchen. Nun brachten uns Freunde darauf. Und so pilgerten wir am vergangenen Sonntag auf die Galopprennbahn Düsseldorf-Grafenberg.

Da konnte ich dann massenhaft Vorurteile abbauen. Erstens: Galopprennen sind nicht nur was für die feine Gesellschaft. Zweitens: Da laufen nicht bloß verschlagene Zocker rum. Drittens: Pferde sind ziemlich schöne Tiere. Gelände und Gebäude in Grafenberg haben was Nostalgisches. Die Tribünen (eine davon wohl ziemlich alt) sehen imposant aus, und man kann sich als Zuschauer bis direkt an den Zaun (“Rails” heißt das, habe ich gelernt…) zum Geläuf (noch so’n Fachbegriff…) frei bewegen. Alles geht sehr entspannt zu. Eigentlich wirkt die Szenerie hinter den Tribünen wie eine Mischung aus Biergarten und Kirmes. Menschen mit Kind, Kegel und Hut schlendern herum, essen, trinken und plaudern. Alle halbe Stunde bewegt sich ein Teil der Menge zu den überdachten Pulten, an denen man die Wettscheine ausfüllt. Ein gefühltes Drittel setzt bei jedem Rennen.

Vorher wird das Rennprogramm studiert oder in der “Sportwelt” geblättert, dem Leib-und-Magenblatt der Galoppszene. Das sieht dann alles aus wie im Film. An etlichen Schaltern kann man dann seine Wette platzieren und bezahlen. Den Bon hält man in der Hand und geht damit runter zur Bahn. Die windet sich über gut zweieinhalb Kilometer über die Hügel. Gestartet wird mit einer Maschine, die der Trecker übers Gelände zieht. Das Personal wirkt gelassen und routiniert.
Das gilt auch für die Pferdepfleger und -innen, die im Führring die Rösser für das nächste Rennen präsentieren. Man kann sich die Gäule angucken und nach Bauchgefühl eins raussuchen, dem man den Sieg zutraut. Dann kriegen die eine Bauchbinde mit Nummer, damit man sie identifizieren kann. Irgendwo anders steigen die Jockeys auf und reiten zum Start.

Getrübt wurde die angenehme Atmosphäre durch das kühle. regnerische Wetter. Zwischendurch pladderte es schwer, und die Leute suchten Schutz unter den Bäumen und Pavillonzelten. Gerannt wurde trotzdem. Und eh ich mich’s versah, war ich mitten in Fachdebatten verwickelt. Ob der Eddy auch die Inniesfee zum Sieg bringen würde. Ob die beiden Klepper aus England und Frankreich wirklich favorisiert seien. Wie sich das weiche Geläuf auswirken würde. Und dann startete man das Rennen irgendwo ganz hinten. Der Sprecher vom Turm kommentiert durchgehend. Die Pferde biegen in die Zielgerade ein. Die Zuschauer werden lauter. Dann poltern sie vorbei. Ein Pferd gewinnt.
In einem Rennen setzten wir im Rahmen einer Platzwette auf die Nummer 7. Platzwette heißt: Der gewählte Gaul muss unter die ersten Drei kommen. Ui, war das spannend, denn tatsächlich gab es zwischen den Plätzen 3 und 4 ein totes Rennen – das Renngericht konnte nicht feststellen, welches Pferd vorne war. Da gewannen wir dann trotzdem. Per Salso setzten wir 30 Euro ein und gewannen 23. So hat das Vergnügen insgesamt kaum zwanzig Euro gekostet – viel mehr Spaß kann man für diesen Betrag kaum haben. Wenn dann auch noch das Wetter mitspielt…


» Bericht von Rainer Bartel am 09.06.09 um 13:16 » in Kategorien: Düsseldorf » 787 x gelesen » 1 x kommentiert
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  1. Wir waren auch mal vor einigen Jahren dabei, ein “verschlagener” Zocker hatte uns mitgenommen. Und da haben wir gesehen: Hier sind noch viele, viele andere Zocker, die sich natürlich nicht als solche zeigen, warum auch? Die restlichen Besucher waren: Familien mit Kindern (so’n Pferd in echt mal rennen zu sehen, hat ja was!), Frauen mit großen Hüten (“Irgendeiner wird mich doch hier wohl bemerken!”), Männer mit kleinen Hüten (sonntags auf der Rennbahn ist immer noch spannender als im Cafe), und natürlich die, die sehen und gesehen werden wollen. Vielleicht ist’s heute ja anders! Ich fand es jedenfalls ziemlich unspannend, zumal dann, wenn man von Pferden keine Ahnung hat.

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    Kommentar von Schwester am 16.06.09 um 13:33

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