Das Ende des Dirk Bach

sonja_dirk.jpgAnlass dieses Beitrag ist das gestrige Desaster, dass der Privatfernsehversender RTL willigen Zuschauern in Form der “Sonja & Dirk Showzugemutet hat. Dass nur 1,16 Millionen hirnschwacher Konsumenten diesen Ultramüll angetan hat, lässt für die Zukunft der Deutschen hoffen. Es soll von diesem zynischen Dumpfspektakel auch gar nicht die Rede sein, sondern von der Frage: Wie konnte Dirk Bach so tief fallen?

Denn auch über Sonja Zietlow, deren nachweisbare Intelligenz vermutlich die ihrer Zuschauer um das Dreifache übertrifft, muss man nichts mehr sagen – sie ist halt eine typische Privatfernsehnutte, die für Kohle alles versendet.

Bei Dirk Bach liegt der Fall komplizierter, zumal die genannte Show das Ende des ehemaligen Schauspielers als Fernsehstar bedeuten könnte. Fällt SDS der Quotenguillotine zum Opfer, dann wäre das der zweite Durchfall (nach dem unsäglichen Power of 10) innerhalb eines Jahres; und das hat noch keiner überlebt – kein Karl Dall und keine Schreinemakers. Es wäre ihm zu wünschen, dass Dirk Bach so erlöst würde und sich wieder dem widmen könnte, womit er angefangen hat – dem Improvisationstheater.
Dass Dirk Bach der seit Jahrzehnten sehr lebendigen und kreativen Schwulen- und Lesbenszene Kölns enstammt, dürfte bekannt sein. So wundert es auch nicht, dass der einschlägige Alfred Biolek ihn Mitte der achtziger Jahre entdeckte. Nachdem Bach zusammen mit der Schauspielerin Billy Zöckler (bekannt vor allem als Sekretärin von Baby Schimmerlos in “Kir Royal”) in der kruden Komödie “Im Himmel ist die Hölle los” aus dem Klaus-Lemke-Umfeld spielte (Mitmacher waren unter anderem die Lemke-Muse Cleo Kretschmar und die Köln-Ikone Ralph Morgenstern) mitspielte, brachte Biolek das Kabarettprogramm von Bach und Zöckler ins Fernsehen. Etwa zur selben Zeit spielte Bach auch im legendären Theater Springmaus in Bonn – wo auch die Kabarettistin Anja Zink begann.

Dass Dirk Bach als ernst zu nehmender Schauspieler in jenen Jahren nicht nur Ensemblemitglied des Kölner Schauspielhauses und Träger des Max-Ophöls-Preises war, wird bisweilen vergessen. Statt dessen ist er in den Hirnen der TV-Glotzer fest als kleiner, dicker Kugelblitz verankert, der für jeden Scheiß zu haben ist.

Vielleicht und hoffentlich braucht er das viele Geld, das er den Volksverblödern von RTL, SAT1 und Pro7 abknöpft, zur Finanzierung seiner diversen politischen und sozialen Engagements (u.a. Amnesty Internationa, PETA, Aids-Hilfe). Denn dass der Bach eine klare Sicht auf diese Welt hat, hat er in diversen Interviews und Talkshow-Auftritten hinlänglich unter Beweis gestellt. Hoffen wir also, dass er jetzt bald beim Drecks-TV unten durch ist und sich nicht mehr zum Arsch machen muss. Wer weiß, vielleicht erleben wir Dirk Bach ja doch wieder als ernsthaften Schauspieler oder wenigstens als begnadeten Improvisator.


» Kommentar von Rainer Bartel am 30.08.08 um 14:07 » in Kategorien: Essen » 1.452 x gelesen » 2 x kommentiert
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  1. > Sonja Zietlow, deren nachweisbare Intelligenz vermutlich
    > die ihrer Zuschauer um das Dreifache übertrifft

    Das hab ich auch immer gedacht, aber:
    “1989 begann sie eine Ausbildung zur Pilotin und arbeitete bei der Lufthansa (sie flog eine Boeing 737)” (Wikipedia)

    Was ist da passiert?
    Gehirnzellenmassensuizid?
    Unheilbare Privatfernsehnsinits?
    Auf jeden Fall ein beeindruckender Abstieg…

     
    Kommentar von OecherJupp am 31.08.08 um 08:30
  2. [...] denn anscheinend ist der Zuschauer nicht mehr so doof, wie es die miesen Medienmacher glauben. Wie hier angekündigt hat RTL jetzt die Show mit Dirk Bach und Sonja Zietlow abgesetzt. Zu wenig Fernsehkonsumenten [...]

     
    Pingback von Rainer’sche Post » Zuschauer doch nicht doof am 19.09.08 um 11:33

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