Ungewöhnliche Küche ganz einfach
Lange Jahre war Korsika unser bevorzugtes Urlaubsziel. Zum ersten Mal, damals noch kinderlos, waren wir im Sommer 1979 dort. Unsere Ferienwohnung lag jenseits der Zitadelle von Calvi, und um an den Strand der Bucht zu kommen, musste wir einen gehörigen Fußmarsch absolvieren. Damals war Calvi noch nicht der mondäne und überfüllte Touristenort, der er heute ist. In den wenigen Restaurants, Bars und Cafés waren die Fremdlegionäre noch in der Mehrheit. Das Essen war gut, reichlich und preiswert. Am besten schmeckte es uns aber in dem Strandrestaurant, in dessen Umgebung wir die Tage verbrachten. “U Pinu” hieß es. Damals bestand der Laden noch aus einem Wohnwagen mit Verkaufsklappe und ein paar Gartenstühlen im Sand. Davor gab es Liegen zum Mieten und auch ein paar Tretboote. Das alles unter dem Dach einer gewaltigen Pinie, die dem Etablissement seinen korsischen namen gab: “Die Pinie”. Der Ptaron war ein Korse wie er korsischer nicht sein könnte. Ein kleiner Mann mit wilden schwarzen Haaren, listigen Augen und kräftigen Händen. Das Essen bereitete aber seine Frau zu, die man deshalb kaum je zu Gesicht bekam. Mittags nahmen wir immer entweder einen Salat oder aber ein Omelette. Dazu ein paar 0,25-Fläschchen Kronenburg-Bier.
Wir kamen ein paar Mal wieder. Nur wohnten wir nie wieder in Calvi. Statt dessen nahmen wir Quartier in L’Île Rousse oder Algajola. Aber wenn wir dann auf der Insel waren, fuhren wir mindestens einmal mit dem feurigen Elias, der wild wackelnden Küstenbahn, nach Calvi, um unsere Leute vom U Pinu zu besuchen. Wir sahen Jean-Pierre heranwachsen vom kleinen Hosenscheißer zum Jungmann, der den alten Vater als Patron ablöste. Der war inzwischen als korsischer Volkssänger bekannt geworden; eine Kassette mit seinen Liedern habe ich immer noch. Man hatte den alten Wohnwagen durch einen größeren Kasten ersetzt. Denn dann auf ein Betonfundament gesetzt und mit allerlei Anbauten versehen. Später gab es dann eine große Terrasse mit sich fünfzehn Tischen im Schatten der Pinie. Aber immer noch donnerte der Zug direkt hinter dem Strandrestaurant am Strand entlang.
Natürlich lernten wir mit den Jahren (unsere Korsika-Ära dauerte von 1979 bis 1992) vielmehr über die korsische Küche und ihre Grundprodukte kennen. Aber zwei Dinge werden mir immer in Erinnerung bleiben: korsische Wurst und korsischer Schinken (Coppa und Lonzu) sowie das berühmte korsische Omelette. Das wird mit Brocciu gefüllt und mit frischer gehackter Minze. Brocciu ist eine Art Schafs- oder Ziegenquark am Rande zum Frischkäse, den es so nur auf Korsika gibt. Nun habe ich dieser Tage entdeckt, dass man den Brocciu im Omelette ganz gut durch Schafskäse aus dem türkischen Lebensmittelladen ersetzen kann. Und Minze wächst bei uns natürlich auffem Balkon.
Korsisches Omelette
Nimm pro Person drei mittelgroße frische Eier von extrem glücklichen Hühnern. Zerbrösele pro Person gut 150 Gramm möglichst aromatischen Schafskäse aus Schafs(!)milch – nicht das Zeuch, das es im Supermarkt gibt und sich “Feta” nennt… Hack pro Person eine kleine Hand voll frisch gezupfter Minzblätter sehr klein. Schlag die Eier bis zur Gleichförmigkeit. Lass eine Nuss Butter in der Pfanne (bei 3 Eiern sollte das eine 26er oder maximal 28er sein) schmelzen. Wenn sie anfängt zu britzeln, gieß das geschlagene Ei in die Pfanne und schwenke die so, dass die Masse den ganzen Boden bedeckt. Würze mit frisch gemahlenem scharzen Pfeffer aus der Mühle und ein bisschen Salz. Leg die Schafskäsebröckchen auf eine Seite der Eimasse. Streu die Minze drüber. Wenn keine nassen Stellen mehr zu sehen sind, schlag die eine Hälfte mit dem Pfannenwender über die andere. Drück die Ränder ein bisschen an. Warte noch ein kleines Minütchen. Dann wende das Omelette mit dem Wender. Die andere Seite wird dann zum Erbräunen auch noch mal so anderthalb bis maximal zwei Minuten brauchen. Fertig. Ab damit auf den Teller. Ein bisschen selbstgebackenes Bauernbrot gehört dazu. Bei Bedarf noch eine in Scheiben aufgeschnitte Tomate. So wird das eine vollwertige Mahlzeit.
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