Dritte Liga aktuell
Ja, ich war beim Spiel. Allerdings nicht im Stadion an der Hamburger Straße, sondern im lieben alten Paul-Janes-Stadion am Flinger Broich zu Düsseldorf. Dort trat die Zwote der glorreichen Fortuna gegen einen Club namens Gütersloh 2000 an. Mit dieser ominösen Zahl hat man vor der Jahrtausendwende vorwiegend Spielhallen und Waschsalons versehen, jetzt also auch einen Fußballverein. Na ja… Ich lief zeitig ein, weil ich im Kreise der Zwote-Fans die Übertragung von der Begegnung der Fortuna in Braunschweig mit der dortigen Eintracht verfolgen wurde. Keiner ahnte, welcher Krimi sich ergeben würde.
Jedenfalls: Als ich mein Fahrrad (Stevie the Bike) am Zaun anschnallte, roch ich den frischen Rasen des Fußballplatzes, und mir wurde wunderlich ums Herz. Dann ging ich rüber ins Vereinsheim, das jetzt Bar95 heißt und nicht nur mit der sonnigen Terrasse einen prima Treffpunkt für poseteff bekloppte Fortunesen abgibt. Natürlich hatte einer schon den Knopf im Ohr, um mit dem Handy radiohörend das Spiel in Braunschweig zu verfolgen. Kaum hatte die Uhr zwei geschlagen, hieß es: 1:0 für die Eintracht. Mit dem typisch fortunistischem Optimismus wurde damit der Aufstieg für abgehakt erklärt. Dann der Schrei: “Ausgleich! Elfmeter für uns!” Da waren gerade mal zehn Minuten absolviert, und im Paul-Janes-Stadion lief sich noch niemand warm. Plötzlich: “2:1!” – “Für wen?” – “Für uns!” Man jubelte am Tisch auf der Terrasse, und dann kamen auch schon zwei Damen aus der Bar mit dem Auftrag uns zu informieren. Wir wussten aber schon.
Man bewegte sich in Richtung Haupttribüne. “Elfmeter für Braunschweig”, rief jemand. “Melka hat gehalten”, der nächste. Unruhe rund um Bier- und Bratwurststand. Die Uhr meinte, es müsste gleich Halbzeit sein. Ich nahm ein Beruhigungsbier, obwohl ich sonst nachmittags und bei strahlender Sonne keinen Alkohol trinke. “Wieder Elfer für die anderen!” – “Melka hat wieder gehalten.” Da stand es also zur Halbzeit 2:1 für die Tuna und der bekannt elferfreudige Schiri Siebert hatte schon dreimal auf den Punkt gezeigt.
Die Gemeinde versammelt sich auf der Haupttribüne. Alle drei Meter hat einer einen Knopf im Ohr. Um 15 Uhr pfeift der Schiedsrichterdarsteller die Partie der Zwoten an. Dann ein Stöhnen: Noch ein Strafstoß für Braunschweig, und dieses Mal ist er drin. Also Ausgleich. Kaum hat sich das Stöhnen verzogen, hallt ein Torschrei durchs (Achtung: Spochtrepochtersprech!) weite Rund. Und dass obwohl unsere Zwote noch an der Gütersloher Abwehr herumhantiert. Lumpi hat zur erneuten Führung eingenetzt. Das war, so lese ich im Kicker-Spielbericht, die 51. Minute. Man hängt in kleinen Trauben rund um die Handyinhaber, deren Geräte auch Llaut können (siehe Foto). Tor für Braunschweig. Ausgleich in der 52. Minute. Die Witze verstummen, die Sache wird ernst. Aufschrei! 4:3 für Fortuna durch Costa in Minute Nummer 54!
Da hatte Behlau für die Zwote schon das 1:0 gegen die 2000er gemacht. Man hatte sich gefreut, aber kaum einer konnte sich so recht konzentrieren. Selbst die völlig bescheuerten Entscheidungen des Mannes mit der Pfeife lösten wenig Emotionen aus. Denn gegen 15:18 war den Branuschweinchen schon wieder der Ausgleich gelungen. Die Nerven lagen blank. Überhaupt war Nervosität das Thema der Stunde. “Ja,” sagte einer, “die Fortuna ist wieder nervös.” – “Die anderen auch”, gab jemand zurück. – “Klar, aber Fortuna ist chronisch nervös, die anderen nur akut.”
Dann gab’s nichts Neues aus Braunschweig. Die Zwote-Jungs versemmelten Chancen gegen die verwirrten Güterslohis, und eigentlich wünschten alle das Ende der Partie in Braunschweig herbei, um sich endlich am realen Spiel am Flinger Broich erfreuen zu können. Da waren auf dem anderen Platz nur noch wenige Minute zu spielen. Kollektiver Jubel: Christ hatte in der 85. mit einem direkt verwandelten Freistoß die erneute Führung besorgt. Was sollte da noch schiefgehen? Und dann kam es zum Bayern-ManU-Effekt. Die allerletzte Gelegenheit für die Eintracht. Ecke – Tor. Ausgleich. Ende. Fortuna hatte einen Punkt geholt und zwei im Kampf um den Abstieg verloren. 5:5 stand es. Zehn Tore waren gefallen, vier Elfmeter gepfiffen worden. Das wirkte nach.
Goran hatte die Jungs in der Kabine ob ihrer (Fahr)Lässigkeit laut zusammengefaltet. Aber die Spieler verstanden das falsch und gaben den Ostwestfalen mehr Raum. Irgendwann stieß einer von denen die Fußspitze in den Rasen, hob ab, und der Komiker mit dem blauen Hemd pfiff Strafstoß für den FCG. Leider haute einer von den das Ding auch rein. Es war aber nicht der Spieler mit der grauen Bürstenfrisur, der aussah wie ein Schauspieler (Nein, nicht wie George Clooney, auch nicht wie Richard Gere). Da hatte sich herumgesprochen, dass der Bonner SC gerade dabei war, die Zweite von Alemannia abzufieseln, denn da stand es bereits 0:4. Man rechnete: Ein Sieg unserer Zwoten könnte dann schon fast den Aufstieg bedeuten, denn die Aachener wären dann mit großem Abstand auf Platz 3. Andererseits würde man die Saison gern als Meister abschließen, und Bonn ist der einzige Konkurrent.
Ob die Spieler auch rechneten, ist nicht überliefert. Jedenfalls vergeigten sie auch in der zweiten Hälfte diese und jene Möglichkeit. Bis dann der Blindfisch bei einem harmlosen Rempler Elfer für die Zwote pfiff. Abelski versenkte, und die Zwote hatte das Ziel erreicht. Nicht aber der Schiedsrichter, der kurz vor Ende ein böses Foul nicht sah und den protestierenden Kapitän mit Rot vom Platz schickte. Warum man inzwischen bei Spielen der fünften Liga Siebtliga-Referees einsetzt, wäre zu klären.
So endete ein denkwürdiger Fußballsonntag, an den alle aktiv und passiv Beteiligten noch lange denken werden. Warum man überhaupt zur Zwoten geht? Lodger hat es auf den Punkt gebracht: Wenn man immer nur die A-Seite einer Schallplatte hört, weiß man gar nichts, was man bei der B-Seite verpasst. Das ist wohl wahr.
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War schön, Dich mal wieder auf einem “echten” Fußballplatz zu sehen!
Bezüglich der Knöpfe in diversen Ohren: Ich bekenne mich hiermit Schuldig, den Akteuren auf dem Platz nicht die ihnen gebührene und verdiente Aufmerksamkeit geschenkt zu haben. Mea Culpa! Es wird nicht mehr vorkommen! Versprochen!
Die Rote für Ben gab es übrigens nach der xten falschen Abseits-Entscheidung für einen von Ben geäußerten, die Situation beschreibenden Satz, bei dem das Wort “Vollidiot” eine Rolle spielte…
Der Vergleich mit der Single ist übrigens klasse, erinnert er doch an ein “Machwerk” der Beatles, veröffenlicht am 5. August 1966…
A-Seite: Eleanor Rigby
auch A-Seite: Yellow Submarine
Die sind ja auch beide ‘was geworden…
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VaterAbraham Antwort vom 12.05.09 22:35:
Ich meine aus zuverlässiger Quelle gehört zu haben, das Ben den Schiri als “Vollhorst” bezeichnet hat… sehr gut! Ich hätte dem Kerl auch gerne noch ein paar weitere “Spitznamen” ins Gesicht gehaucht. Dummerweise scheint der DFB gerade solche Blindschleichen bevorzugt in höhere Ligen zu befördern.
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