Radikaler Neuanfang für Fortuna

Der große Schnitt

fortuna_schnittDass ich seit über 50 Jahren zur Fortuna gehe, diesen Verein liebe, weil er ein Stück Heimat ist, muss ich an dieser Stelle nicht betonen. Seit März 2002 in einer der schlimmsten Phase des Vereins bin ich Mitglied geworden und habe begonnen, mich für die Verhältnisse zu interessieren und mich im Rahmen der demokratischen Willensbildung zu beteiligen. Um es einmal ganz schonungslos auszudrücken: Es hat sich nichts verändert. Zwar ist die Fortuna 2004 aus der Oberliga Niederrhein in die Regionalliga Nord aufgestiegen und hat 2008 den Aufstieg in Liga Zwo knapp verpasst, dafür aber die Qualifikation für die neue Dritte Liga geschafft, aber die wirtschaftlichen Grundlagen sind genauso miserable wie im Jahr 2002. Ganz offensichtlich haben daran weder das durch den ehemaligen OB Erwin erzwungene Sponsoring durch die Stadtwerke und die Stadt-Sparkasse etwas geändert, noch der ebenfalls erzwungene Umzug in die Mehrzweckarena. Immer wieder doktern Profilneurotiker und Kompetentallergiker am Verein herum, ohne dass sich die Situation entscheidend ändert. Deshalb plädiere ich hier und heute nach langem Überlegen für den großen Schnitt: Fortuna Düsseldorf sollte zur Saison 2009/10 freiwillig in die NRW-Liga absteigen, den gesamten Kader der derzeitigen Mannschaft entlassen und mit der aktuellen Zwoten neu beginnen.

Um dabei gleichzeitig finanziell Tabula Rasa zu begehen, sollte der Verein endlich die Insolvenz anmelden, die de facto schon seit Jahren besteht. Dass dies nicht zwingend das Ende des Fußballclubs Fortuna Düsseldorf bedeuten muss, lässt sich am Beispiel anderer Vereine (Paderborn, Uerdingen etc pp) ablesen. Der Verein selbst würde natürlich nicht aufgelöst, aber sämtliche Funktionsträger müssten von ihren Ämtern zurücktreten und würden per Mitgliederabstimmung aus der Haftung entlassen. Ein Insolvenzverwalter würde die Abwicklung übernehmen und die Geschäfte vorübergehend übernehmen. Würde all dies sauber und Rahmen der Gesetze abgewickelt, stünde am Ende eine neue Fortuna dar, die auf der alten Tradtion aufbauend unbelastet neu anfangen könnte. Ist dies – was ebenfalls passieren kann – so nicht möglich, sollte der Verein aufgelöst und einer neuer Nachfolgeverein gegründet werden. Der könnte entweder in der untersten Liga den Spielbetrieb aufnehmen und qua Fusion mit einem der Düsseldorfer Vereine auf Landesliga-Ebene dort starten. Übernommen würde der komplette Kader der derzeitigen Zwoten, der sicher durch Kleinsponsoren finanzierbar wäre, sowie einige der aktuellen Spieler der ersten Mannschaft, die bereit und willens sind, mit bezahlbaren Gehältern auszukommen.

Warum ich das vorschlage? Weil das dauernd Jonglieren mit Verbindlichkeiten, Darlehen und Bürgschaften erwiesenermaßen keinen Fortschritt bringt. In diesen Tage musste der Finanzvorstand Werner Sesterhenn eine Lücke von 800.000 Euro eingestehen. Der Mann ist hochgradig nervös und neigt dazu, betreibswirtschaftliche Dinge heftig durcheinanderzubringen. So war er lange nicht in der Lage, den Mitglieder zu erklären, bei welcher Zuschauerzahl in der Arena der Break-Even-Punkt erreicht ist. Offensichtlich wusste er das nicht nur nicht, sondern baute sein Saisonbudget auf unrealistischen Zahlen auf. Derselbe Sesterhenn gab dieser Tage bekannt, Fortuna habe ein Liquditätsproblem – und wurde vom Geschäftsführer Paul Jäger korrigiert, der sagte, es handele sich um eine Deckungslücke. Mit einem Finanzvorstand wie Werner Sesterhenn ist keine positive Entwicklung denkbar.

Über die beiden Vorstände Tecklenburg und Allofs muss nicht geredet werden, denn die tun nix. Der Vorsitzende Peter Frymuth ist dagegen mittlerweile als Klüngel- und Mobbingzentrale des Vereins enttarnt. Er hat für diesen Club nichts Zählbares geleistet, sondern versucht, die Aktivitäten des aktuellen Aufsichtsratsvorsitzenden Dr. Ernst so umzudeuten, dass der Verdienst ihm zufällt. Der aktuelle Vorstand ist unfähig. Der aktuelle Aufsichtsrat ist weitgehend gelähmt durch interne Machtspiele, die nach Kindergarten riechen. Ehemalige Proteges des OB Erwin arbeiten als U-Boote, und auch die beiden Vertreter der Fans können da wenig ausrichten.
In einer neuen Fortuna, die dieselbe Satzung haben sollte wie der aktuelle Verein, sollte der Aufsichtsrat paritätisch aus Fan-Vertretern und Vertretern der lokalen Wirtschaft gebildet werden. Es sollte einen Vorstand geben, der so aus drei Personen zusammengesetzt ist, dass die Kompetenzen Finanzen, Marketing und Sport repräsentiert wären. Im sportlichen Bereich gäbe es neben dem Trainer der ersten Mannschaft nur noch einen Co-Trainer – Scouting, Verpflichtungen etc würden vom sportlichen Vorstand übernommen. Dasselbe gilt im Bereich Marketing: Der Marketing-Vorstand wäre Pressesprecher und Kontaktperson für Sponsoren in Personalunion.

So könnte der Verein so durch viel ehrenamtliche Kompetenz kostendeckend arbeiten. Für den Spielbetrieb in Liga Vier wären pro Saison grob geschätzt 1,2 Mio. Euro zu veranschlagen. Vorausgesetzt, man forme einen Kader aus jungen Spielern, die sich in einem vernünftigen gehaltsgefüge wohlfühlen. Damit hätte die neue erste Mannschaft gut 30 Prozent mehr Budget zur Verfügung als die jetzige Zwote.

Natürlich würde eine solche Fortuna in der NRW-Liga die LTU-Arena nicht annähernd füllen. Deshalb ist eine Rückkehr ins Paul-Janes-Stadion als Heimspielort unabdingbar. Sollte sich zeigen, dass auch nach einem Neuanfang Zuschauerzahlen oberhalb von 10.000 erreicht werden, können zunächst einzelne Spiele in der Arena angesetzt werden. Dann allerdings zu Konditionen, die dem Etat der neuen Fortuna angemessen sind.

Die Ideallösung für die Finanzierung, die ohne Fremdmittel nicht zu stellen ist, wäre ein drastisch ausgebautes Kleinsponsoring. Die beherrschbaren Beträge, die von lokalen Unternehmen, Handwerksbetrieben, Dienstleistern und Freiberuflern gegeben werden, müssten die vollständige Deckung des Saison-Budget ergeben. Angenommen, die bisherigen städtischen Sponsoren würden den Spielbetrieb mit deutlich geringeren Beträgen fördern und etwa 50 Prozent derzeitigen Einnahmen aus dem Kleinsponsoring (ca. 500.000 pro Saison) könnten halbwegs gehalten werden, ergäbe sich eine Lücke von maximal 400.000, die aus weiterem Sponsoring, Eintrittsgeldern und Merchandising gedeckt werden müssten.
Die zweitbeste Lösung wäre ein Mäzen, der bereit ist, aus seiner persönlichen Schatulle heraus Geld zu geben, um seinen Verein langfristig wieder nach oben zu bringen. Es ist denkbar, dass sich für eine neue, saubere Fortuna ein lokaler Mäzen finden ließe, der vielleicht auch nur a la Hopp Anfangsinvestititonen leistet, um so zu erreichen, dass der Verein mittelfristig wieder auf eigenen Beinen stehen kann.

Dieser große Schnitt brächte endlich die Möglichkeit, dass die Fortuna finanziell sauber und sportlich engagiert den Weg durch die Ligen antritt.


» Ein Plädoyer von Rainer Bartel am 20.02.09 um 13:28 » in Kategorien: Fortuna » 850 x gelesen » 7 x kommentiert
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  1. Nix da. Erst kommt der Aufstieg und dann kommen in jedem Spiel 40000. :-)

    Ernsthaft. Wenn der OB keine Unterstützung signalisiert, ist das nur der erste Verhandllungsschritt – wie auf einem orientalischen Basar. Sein Angebot lautet 0, Die Fortuna will 5 Mio und irgendwo dazwischen trifft man sich.

    [Antwort]

     
    Kommentar von BornInD am 20.02.09 um 14:02
  2. Der OB HAT heute Unterstützung zugesagt. Aber die Stadt Düsseldorf ist in ihren Möglichkeit sehr beschränkt durchs Kommunalrecht. Heißt: Was von der Stadt kommt, ist ein Pissstrahl auf die glühende Herdplatte. Das reicht gerade zum Weiterwurschteln. Nun haben ja Frymuth und Konsorten die Parole ausgegeben, in Liga Zwo wird dank TV-Kohle alles besser. Das ist eine dumme Lüge. 1. kriegt Kölmel davon 20% (oder gar mehr, mer weisset nit…) und 2. würde dann die horrende Arena-Miete immer fällig. Im Klartext: F95 hätte ohne neuen Großsponsor (Woher nehmen in Zeiten der Krise?) einen der kleinsten, wenn nicht DEN kleinsten Etat der zweiten Liga. Abstieg vorprogrammiert.
    Außerdem: Jede Zuwendung der Stadt lässt Hoffnungsschimmer leuchten und verschleiert den wahren Zustand des Vereins. Zudem wird durch solche Schiebereien – wie wir seit der Taten des GröFRaZ kennen – nur dieser vollständig unfähige Vorstand stabilisert.

    Nein, ich denke, es ist an der Zeit den großen Schnitt zu wagen.

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    Kommentar von Rainer Bartel am 20.02.09 um 14:56
  3. “Vorstand raus” ist natürlich leichter gebrüllt als ein kompetenter gefunden.

    Und wer sagt denn, daß Liga 2 nicht einen Sponsor lockt? So einfach ausschließen würde ich das nicht.

    FSV Frankfurt liegt mit einem Etat von 4,8 Mio nicht auf einem Abstiegsplatz und Fürth spielt mit 7,2 oben mit. Gerade beim Retortenverein Kräuter-Fürthz, die mit einem Zuschauerschnitt von 7000 und ohne Kohle dauernd oben mit dabei sind, kann man nicht davon sprechen, daß man zwangsläufig abstiege. Okay, die arbeiten professioneller, ruhiger und haben ein exellentes Scouting …. ;)

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    Kommentar von BornInD am 20.02.09 um 15:54
  4. Es gibt im Umfeld (also, eher aus den Kreisen engagierter Fans…) eine ganze Reihe Personen, die sich im Fall der Bereinigung für einen ehrenamtlichen Posten zur Verfügung stellen würde – ich könnte da auf Anhieb fünf, sechs Fortunisti nennen…

    Wann kapieren es die Fans endlich, dass es aus und vorbei ist mit dem Sponsoring wie wir es kennen? Da kommt nichts mehr. Schon gar nicht für einen Zweitligaclub. Die dort gezahlten Sponsorgelder sind gering. Wenn’s mehr ist, dann kommt’s von Mäzenen, die ihre Zuwendungen gar nicht als Sponsoring verstehen (Wehen, FSV etc pp).

    4,9 Mio Saisonetat? Unsere grandioser Vorstand hat erklärt, dass in der zweiten Liga nach heutigem Stand ein geringeres Budget angesetzt würde. Vor Beginn dieser Saison waren (glaube ich) 3,2 Mio angesetzt; wie man sieht werden wohl eher 4,0 bis 4,4 Mio ausgegeben. Eine Reduzierung um 30% steht im Raum. Dann wären wir bei bestenfalls 3,0 Mio. Die könnte man wahrscheinlich decken durch leicht erhöhtes Sponsoring von SSD und SWD, bisschen mehr Kleinsponsoring und TV-Einnahmen. Vielleicht bekäme man mit viel Glück und Geschick (Hä? Wer von den Vorturner hat so was?) einen Etat von wieder 4,5 Mio hin. Dann wäre man nach heutigem Stand der Club mit dem dritt- oder viertniedrigsten Budget.
    Man erinnere sich an RWE. Die haben seinerzeit ebenfalls mit einem geringen Budget in Liga Zwo mitspielen wollen. Und? Wo sind sie jetzt? Gegenbeispiel ist der FC St.Pauli, wo ein enorm geschickter Vorstand richtig Quellen angezapft hat, sodass man etatmäßig im mittleren Bereich liegt (ich glaube, so um die 8 Mio.) und sportlich sogar in der oberen Hälfte.

    Nebenbei: Greuther Fürth ist nicht wirklich ein Retortenverein. Zwar war die eine Hälfte der Fusion, der TSV Vestenbergsreuth ein reines Mäzenatenprodukt ohne Tradition, aber die SpVgg Fürth ist einer der ganz großen Traditionsvereine im deutschen Fußball (Meister 1914, 1926 und 1929). 1996 ist der TSV geschlossen der SpVgg beigetreten; die Fürther sind also nicht “übernommen” worden. Das Kleeblattwappen von 1903 ist immer noch in Gebrauch.

    [Antwort]

     
    Kommentar von Rainer Bartel am 20.02.09 um 16:14
  5. Ich gehe absolut mit Deiner Meinung konform, dass der von Erwin seelich angeordnete Umzug der größt mögliche Mumpitz war. Hätte man damals die Fortuna im heimischen Paul-Janes-Stadion spielen lassen, hätte man ein ähnliches Phänomen erreichen können, wie es seinerzeit zu Beginn der Neunziger bei der DEG war – Man hätte Begehrlichkeiten geweckt. War es da nicht damals so, dass man auf der Arbeit in der Pause damit geprotzt hat:“ Ääätsch, ich habe ne Karte und Du nicht?!“ Die begrenzte Zuschauerzahl hat bei den Unternehmen in Düsseldorf die Schatulle eher geöffnet, denn geschlossen. Eben weil die Leute ihre Nächte mit Gaskocher vor’m Sültenfuss verbracht haben. Der Exzess und die Blöd waren mit so genannten Repochtern vor Ort und der WDR berichtete live und in Farbe….

    Mit Verbleib in Flingern wäre die Zuschauerzahl natürlich begrenzt, aber sieht man sich die Zuschauerzahlen in der Villa Kunterbunt an, kann man sich kaum vorstellen, dass nicht jedes Spiel am Broich ausverkauft wäre. Damit wäre eben genau diese Begehrlichkeit geschaffen, die einen Verein wiederum für die Wirtschaft interessant macht. Schlangen vor den Kassen sind, wenn der Fan weiß, dass er möglicherweise nicht ins Stadion kommt, einfach spannender als Schlangen vor Kassen, wo Karten für alle verfügbaren Blöcke auch noch kurz vor dem Spiel gekauft werden können.

    So, Herr Bartel! Jetz’ gibbet aber für Dich noch enne auf’m Sack!
    Lass mir meine Zwote in Ruh’!! Deine Konstellation würde ja implizieren, dass der Erfolg von Goran Vucic in der NRW-Liga, durch Rückzug der „Ersten“ völlig unerheblich wäre. Frechheit!

    Im Übrigen darf ich Dich zitieren:
    gesachtes vom 13.08.2007 : „Gestern war nicht alle Tage, ich komm wieder, keine Frage.“

    Zwote vs. VFB Hüls

    Sonntag, 22.02.2009, 15:00 Uhr

    Wir sehen uns.

    [Antwort]

     
    Kommentar von lasher am 21.02.09 um 01:56
  6. Fürth: Wie man auch immer das benamsen will – so richtig zusammengefunden haben sich beide noch nicht. Frag mal die SpVgger Altfans…

    [Antwort]

     
    Kommentar von BornInD am 21.02.09 um 15:50
  7. [...] Auch wenn es seit Jahren rund um die Fortuna brennt, werden in diesem Jahr die Weichen für die Zukunft gestellt, denn der Verein – ob die Mannschaft nun die zweite Bundesliga aufsteigt oder nicht – lebt [...]

     
    Pingback von Fortuna muss sich entscheiden | Rainer'sche Post am 26.04.09 um 15:16

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