Deutscher Meister ’33…

fortuna_33.jpg…nur damit es jeder weiß. Heute jährt sich zum 75. Mal das Endspiel um die Deutsche Fußballmeisterschaft, dass der TSV Fortuna Düsseldorf von 1895 gegen den FC Schalke 04 im Müngersdorfer Stadion von Köln gewann. Damit erreichte die Fortuna ihren ersten und einzigen Meistertitel. Dabei ging es bei der Begegnung nicht nur um die Victoria – so der Name des damaligen Meisterpokals – sondern auch um die Auseinandersetzung zwischen dem traditionellen und dem modernen Fußball. Dies nicht im Sinne von Taktik und Spielauffassung, sondern im Hinblick auf die Kommerzialisierung. Von Beginn der dreißiger Jahre an galt der Gelsenkirchener Vorortclub als erster professionell geführter Fußballverein Deutschlands. Die Spieler verdienten mehr als ihre Kollegen und wurden in jeder Hinsicht optimal betreut. In den Mannschaften von Vereinen wie Fortuna Düsseldorf spielten dagegen Männer, die ihr Geld durch echte Arbeit verdienten. Meist an sechs Tagen in der Woche, je neun Stunden lang. Auf Schalke spielte stattdessen schon damals das Geld – zum Teil illegal gezahltes Handgeld – die Hauptrolle.

Daran hat sich bis heute wenig geändert. Wer immer noch an den Mythos vom Arbeiterverein Schalke glaubt, hat keine Ahnung von der Geschichte des angeblichen “Kultvereins”, der seit seiner Sperre 1933 regelmäßig in mehr oder weniger provinzielle Finanzsskandale verwickelt war. Das Sponsoring durch die Energieerpresser aus Russland stellt da nur ein weiteres Kapitel dar.

Ganz anders die Fortuna, die immer in kleinen Kreisen agiert und bei der das ganz große Geld nie eine Rolle gespielt hat. Die Erfolge der dreißiger Jahre (unter anderem die Beteiligung am Meisterschaftsfinale 1936 und am Pokalfinale 1937, das gegen Schalke verloren ging…) und die Wiedergeburt in den Fünfzigern (DFB-Pokal 1957: 1:2 gegen Bayern München) waren durchweg und ausschließlich Resultate großer sportlicher Leistungen und enormen Engagements der Beteiligten. Große Sponsoren hatte F95 bis weit in die siebziger Jahre hinein nicht, konnte sich aber dank großartiger Spieler nicht nur in der ersten Bundesliga etablieren, sondern 1978, 1979 und 1980 dreimal in Folge das DFB-Pokalendspiel erreichen und den 79 gewonnen Pott sogar 1980 verteidigen. Den Höhepunkt dieser Ära bildet das 1979 das ungerechterweise gegen den FC Barcelona verloren gegangene Finale um den europäischen Pokal der Pokalsieger.

Fortuna ist immer Fortuna geblieben. Das große Geld hat hier nie regiert, dafür hat sich manches wohlmeinende Mitglied des Düsseldorfers Klüngels mehr oder weniger amateurhaft an der Regierung des Clubs versucht. Wo andere Kultvereine aber vorwiegend auswärtigen Fleischfabrikanten anheimfielen, da führten hier eher die Altstadtmetzger, Auto-, Licht- und Kunsthändler mit beschränktem Horizont den Club. So blieb die Fortuna immer in den Händen der Düsseldorfer – und das ist auch gut so. Das soll so bleiben, und Red Bull soll seine klebrigen Pfoten von der Tuna lassen – dem Arbeiterverein aus Flingern, der 1933 Deutscher Meister wurde.


» Erinnerung von Rainer Bartel am 11.06.08 um 12:07 » in Kategorien: Fortuna » 1.105 x gelesen » noch kein Kommentar
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