Dritte Liga - letzter Spieltag

Ende der traurigen 10 Jahre?

f95_maerchenAm Donnerstag, dem 17.06.1999, verabschiedete sich die glorreiche Fortuna Düsseldorf mit einem belanglosen 3:1-Auswärtssieg in Oberhausen aus der zweiten Fußballbundesliga. Dort war zu jener Zeit ausgerechnet Alexsandar Ristic Trainer – der Bosnier, der zweimal mit den Rot-Weißen aus der NRW-Landeshauptstadt in die erste Liga aufgestiegen war. Zwischen 1993 und 1995 gelang ihm dann der direkte Durchmarsch aus der Oberliga zurück in die erste Bundesliga. An dieses Ereignis erinnerte das legendäre “Mythos-Spiel” am Vatertag (29.05.) des Jahres 2003. Damals trat die Mannschaft von 1993 gegen das aktuelle Team an, das in der viertklassigen Oberliga kickte. Bei strahlendstem Sonnenschein feierten rund 6.000 Fans, hatten Spaß und genossen den Tag. Vermutlich ist dieser Tag der Auslöser für den langsamen, unaufhaltsamen Auf… – dieses Wort wird hier nicht erscheinen, das brächte Unglück.

Aber bis zum morgigen Endspiel der Drittligasaison 2008/09 hatte die Fortuna noch einiges durchzustehen. Nachdem sich der 2008 verstorbene OB Erwin eingemischt hatte, wurde hinterrücks ein Manager engagiert – ausgerechnet der als arrogant geltende Thomas Berthold, der zwar 1990 Weltmeister wurde, aber von den Aufgaben eines sportlichen Leiters keine Ahnung hatte. Dazu spendierte man mit Massimo Morales als Trainer den ehemaligen Dolmetscher von Giovanni Trapattoni. Der Graben zwischen Fans und diesem Gespann war tief und wurde immer tiefer. Obwohl Morales mit der Mannschaft 2004 den Aufstieg in die drittklassige Regionalliga schaffte, war seine Beliebtheit äußert begrenzt. Und Berthold machte sich vor allem einen Namen damit, obskure Südamerikaner nach Ansicht eines Amateruvideos einzukaufen und seiner Gattin einen Job beim Einkaufsfernsehen zu verschaffen.
Damals fanden die Ligaspiele noch im altehrwürdigen Paul-Janes-Stadion am Flinger Broich statt, und die Gegner hießen Yurdumspor Köln, Union Solingen und SV Adler Osterfeld. Dann stand die Multifunktionsarena in Stockum, und die Fortuna musste eines der ersten Spiele nach dem Aufstieg auf Befehl von Joachim Erwin in der halbfertigen Schuhschachtel absolvieren – der Stadtfürst hatte das angeordnet, um den Schwung zu seiner Wiederwahl mitzunehmen.

Entgegen aller Versprechungen von Erwin, Berthold und der so genannten “Erwinista” (so nannte man die Gefolgschaft des OB, der sich gern “Fortuna-Retter” nennen ließ, was ihm den Beinamen GröFRaZ eintrug – “Größter Fortuna-Retter aller Zeiten”) gelang der Aufstieg weder in der Saison 2004/05, noch im folgenden und dem übernächsten Jahr. Berthold und Morales wurden geschasst, Trainer wurde der ehemalige Übungsleiter der Zwoten, Uwe Weidemann. Der schaffte 2005/06 nicht nur den Klassenerhalt, sondern bugsierte die Truppe sogar auf Platz 5. Im nächsten Jahr wurde man nur Zehnter, und Weidemann wurde im November 2007 durch Norbert Meier ersetzt.
Der brachte die Tuna ganz weit nach oben. Ja, die Jungs hätten aufsteigen müssen – aber im Winter, der betagte Manager Wolf Werner hatte den Interimstrainer gemimt, folgte eine bittere Niederlage der nächste. Und doch: Im Mai 2008 stand Fortuna Düsseldorf mit zwei Punkten Rückstand auf den Tabellenzweiten Oberhausen auf dem dritten Rang. Das Endspiel fand in Erfurt statt, und gut 9.000 Düsseldorfer reisten mit Bus, Bahn, Auto und Flugzeug an, um ihre Helden zu unterstützen. Aber das 4:0 gegen den dortigen RWE reichte nicht, weil sich Union Berlin zuhause in der alten Försterei von den Oberhosen 3:0 schlachten ließ. Das Maimärchen 2008 fand nicht statt.

Und nun soll es werden. Morgen wird Fortuna vor ausverkauftem Haus, also rund 51.000 Düsseldorfer, gegen die zweite Mannschaft des SV Werder Bremen antreten. Die Tuna ist Zweiter, Paderborn mit einem Punkt Rückstand Dritter, Unterhaching folgt mit einem weiteren Punkt weniger. Der zweite Platz bringt morgen gegen 15:15 den direkten Aufstieg in die zweite Liga; der dritte Platz berechtigt zu zwei Relegationsspilen gegen den Drittletzten der zweiten Liga.
Eigentlich ist die Konstellation ganz einfach: Gewinnt F95, ist die Truppe aufgestiegen. Endet die Partie unentschieden, kommt es auf die Ergebnisse der Kontrahenten an: Gewinnen beide, bleibt Fortuna nur der deprimierende vierte Platz. Schleichen unse Jungs als Verlierer vom Platz, kann nur noch ein Wunder (einer der beiden Verfolger verliert auch…) den Aufstieg retten.

Wie auch immer: Der 23.05.09 wird als fußballhistorischer Tag in die Düsseldorfer Lokal- und Sportgeschichte eingehen. Das steht fest. Alles andere ist offen.


» Beitrag von Rainer Bartel am 22.05.09 um 21:58 » in Kategorien: Fortuna » 775 x gelesen » 6 x kommentiert
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  1. Ähh – nicht, dass ich es beschreien möchte: aber wieso sollte Fortuna bei einem Unentschieden und einem Sieg von Paderborn und Unterhaching nur der 4. Platz bleiben? Zumindest der Rechner von kicker online sieht das anders – mal ein 0:0 für Fortuna und ein 1:0 für Paderborn und Unterhaching unterstellt. Und das Unterhaching 11:0 gewinnt, glaube ich auch im schlimmsten Fall nicht…

    Und selbst wenn Fortuna verlieren sollte, reicht ein Unentschieden von Unterhaching immer noch für den 3. Platz…

    [Antwort]

    Rainer Bartel Antwort vom 23.05.09 07:16:

    Stümmt. Ich hätte das Wort “schlümmenstenfalls” einfügen sollen.

    [Antwort]

     
    Kommentar von Tommy_99 am 22.05.09 um 23:43
  2. Rechnerei hin oder her – dat klappt schon!
    Viel Spass heute im Stadion – ich werde am Radio kleben…

    [Antwort]

    Tommy_99 Antwort vom 23.05.09 11:55:

    Jau, die Jungs haben es in der Hand – oder besser gesagt auf dem Fuß…

    Ich hoffe auch, dass es ohne Rechnerei klappt. Sieg, sauberer zweiter Platz und weiter geht’s…

    [Antwort]

     
    Kommentar von Armin am 23.05.09 um 09:30
  3. Yeeeaaaaaaaaaaaah! Ich hab’s ja gesagt!!!

    [Antwort]

    Tommy_99 Antwort vom 23.05.09 17:44:

    Ja, jaaa, jaaaaaaaaaaaaaa!

    [Antwort]

     
    Kommentar von Armin am 23.05.09 um 15:19

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