Meinungsfreiheit im deutschen Fußball

[Upd.2] EXPRESS schützt Hopp

f95_hopp.jpgEs soll ja Menschen in der Landeshauptstadt Düsseldorf geben, die allmorgendlich ihr Geld für ein kölsches Käseblatt [Klick aufs Bild macht groß] aus dem Fenster werfen. Selbst dann wenn die Insassen der Lokalredaktion bewusst der Stadt schaden – oder zumindest dem ansässigen Fußballclub. Heute war wieder so ein Tag. Die Vorgeschichte: Während des Drittligaspiels der Düsseldorfer Fortuna gegen RW Erfurt präsentierten die Ultras Düsseldorf (UD) eine Serie von Bannern, die sich mit dem Mäzen der TSG Hoffenheim kritisch auseinandersetzten. Eines der Spruchbänder lautete: “Unsere Liebe ist stärker als deine Anwälte” Das nahm das Kölner Boulevardblatt zum Anlass darüber zu mutmaßen, ob die Aktion negative Konsequenzen für den Verein haben könnte und fragte auch gleich beim DFB nach.

Hintergrund ist die Tatsache, dass Dietmar Hopp in bundesdeutschen Stadien seit Beginn der Saison von den Fans anderer Club mit allerlei Transparenten und Sprechchören als wahrer Held des modernen Fußballs gefeiert wird. Ein 19-jähriger BVB-Anhänger präsentierte beispielsweise einen Doppelhalter, auf dem eine Zeichnung des millardenschweren Mäzens mit einem Fadenkreuz und dem Spruch “Hasta la vista” versehen war. Den hat die Mimose aus der Kurpfalz nun verklagen lassen.

Und der DFB in Gestalt des wahren Zwanzigers war schnell dabei, sich a) zu entrüsten und b) Vereinen, deren Fans ähnliche Aktionen durchführen, zu bedrohen. Nun muss man dazu wissen, dass der Herr Zwanziger guten Grund hat, dem Hopp den Rücken zu stärken, denn die TSG Hoffenheim ist Brötchengeber vom Sohnemann Ralf. Dort muss der Typ, der einst Vorturner der WM-Volunteers war, nun den Manager der Frauenfußball-Abteilung mimen, um nicht weiter auf der Straße zu liegen. Dazu muss man weiter wissen, dass sich der zukünftige Spielort der TSG, die Autobahngemeinde Sinsheim, als Austragungsort für die Frauenfußball WM 2011 bewirbt. Natürlich unterstützt Papa Zwanziger diese Bewerbung, damit Sohn Ralf auch mittelfristig in Arbeit bleibt. Und Dietmar Hopp, der lässt in Sinsheim ein Stadion bauen, das von vornherein auf die Austragung von UEFA- und FIFA-gerechten Wettbewerben ausgerichtet ist. Nun wäscht ja bekanntlich eine Hand die andere, deshalb muss DFB-Boss Zwanziger den Hopp natürlich schützen.

Jetzt mutmaßt irgend so ein EXPRESS-Hansel lauthals darüber, ob der Fortuna Ungemach von Seiten des DFB droht. Mal abgesehen davon, dass der oben zitierte Spruch, aber auch die Aussage des zweiten Banners (“Dass dich keiner leiden kann, stand wohl nicht im Business-Plan”), wohl nur bei versautester Phantasie als Beleidigung gewertet werden kann, hat das Blättchen nichts besseres zu tun, als beim Zwanziger-Verband petzen zu gehen. Das ist so dummdreist, dass es einem Düsseldorfer die Sprache verschlagen könnte.

Herrn Hopp wäre zu empfehlen, sich das noch einmal zu überlegen mit dem Fördern eines Fußballvereins. Offensichtlich ist er mit der hiesigen Fußballkultur nicht vertraut, zu der deftige Schmähungen und auch mal offener Hass zählen. Oder er sieht sich tatsächlich kraft seiner Milliarden als die Instanz, die den deutschen Fußball endlich modernisiert, Zähmung der Fans und Umerziehung zu braven Event-Besuchern inklusive. Wenn Letzteres stimmt, dann sind alle Anti-Hopp-Äußerungen in den Stadien der ersten, zweiten und dritten Liga mehr als berechtigt.

Update
: Neue Info zur bundesweiten Zensur in Sachen “Hopp” – “Chosen Few Hamburg

Update 2: Und jetzt boykottiert die TSG auch noch den Tagesspiegel – es wird Zeit, den Kommunikationsverantwortlichen in Hoffenheim mal Nachhilfeunterricht zu geben. Unfassbar!


» Bericht von Rainer Bartel am 03.09.08 um 12:30 » in Kategorien: Fortuna » 3.252 x gelesen » noch kein Kommentar
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