Polizei verhindert Fußballfest
Es hätte ein so schöner Sonntagnachmittag im St.Erwin-Tempel werden können. Die Hütte war voll, die Sonne schien und mit 3 Punkten hätte sich die Fortuna wieder den dritten Platz erobern können. Aber es war nicht unsere Mannschaft, die das Fest verhinderte, sondern die Polizei, die willkürlich und ohne Grund unsere Ultras einkesselte. So blieb der Block 42 zunächst halbleer. Als die Nachricht vom Bullenkessel sich verbreitet, zog der Rest aus dem Stadion aus. Die Stimmung war angeheizt, allerdings nicht in Sachen Fußball. Offensichtlich versuchten sowohl Tuna-Anhänger als auch Union-Asis gleich im Stadion ein Match zu veranstalten, was nur durch ein massives Polizeiaufgebot verhindert werden konnte. Korrektur: Der Auszug von Düsseldorfer Ultras und Union-Fans stand in keinem Zusammenhang. Die Berliner kamen Kollegen zur Hilfe, die am Nordost-Eingang von der Polizei eingekesselt worden waren. So schuf sich die völlig unfähige Polizeiführung ihr Problem selbst. F95-Geschäftsführer Paul Jäger mischte sich in die Verhandlungen ein, sodass die polizeiliche Willkürmaßnahme mehr als eine Viertelstunde nach dem Anpfif beendet wurde zumindest ein Teil der Festgehaltenen aus dem Kessel kam. Da fällt einem nur ein: A.C.A.B. – siehe Hillsborough.
Nach dem Spiel wurde unser Fanbeauftragter Pejo, immerhin Angestellter des Vereins, gewaltsam verhaftet und erst zur Pressekonferenz wieder freigelassen. Die Polizei verbreitet in ihrer Pressemitteilung einen unerträglichen Brei aus Vermutungen, Behauptungen und Lügen. Immer wieder missachten die so genannten “Ordnungshüter” die Rechte engagierter Fußballfans und versuchen, diese zu kriminalisieren. Dies sicher auch als Teil der Strategie, die den modernen Kommerzfußball weiträumig umsetzen soll. Tatsächlich reagierte Otto Normal-F95-Fan auf die Nachricht vom Kessel mit Empörung; Anekdoten aus alten Zeiten, in denen Herren, die jetzt Mitte Fuffzich sind, selbst unter Polizeiwillkür zu leiden hatten, machten die Runde. Da blieb das Spiel zunächst Nebensache.
Und das obwohl unse Jungs anfangs mächtig Gas gaben und drückend überlegen waren. In Halbzeit Eins gab’s um die sechs gute Chancen, aber die Berliner Hütte blieb sauber. Tatsächlich machte der sichere Zweitliga-Aufsteiger auch nicht viel und kam zu keinem gefährlichen Torschuss. Auffällig war leider wieder die dauernde Schlamperei der Fortunesen, ablesbar an völlig bescheurten Fehlpässen und schweren Fehlern bei der Ballannahme. Bis zum Sechzehner stimmte aber sowohl die kämperische, als auch die spielerische Linie. Warum sich die Herren mit den rot-weißen Kringeln aber dauernd bemühten, den Ball ins Tor zu spielen statt zu schießen, blieb deren Geheimnis.
Das änderte sich auch nach Wiederanpfif nicht. Im Gegenteil: Nun ging mehr über die Flügel, aber in der Mitte waren Jovanovic und Kastrati zu selten in guter Position. Denn in den zweiten 45 Minuten hatte Fortuna mindestens sieben oder acht erhebliche Chancen, endlich einzunetzen. Wie sagen die dummfaulen Spochtrepochter an dieser Stelle? Richtig: Es kam wie es kommen musste. Ein durchschlagender Angriff der Unioner endete mit einer Flanke und einem leichten Tor in der 75. Minute. Aber auch da ließen unse Jungs nicht nach, wurden noch nicht einmal hektisch. Da half auch die Einwechslung von Axel Lawaree, der wirbelte wie wild. Nutzte alles nichts, denn auch nach gefühlten zehn Nachspielminuten blieb es beim Ergebnis.
Das Schönste am ganzen Spieltag war der überragende Erfolg der Aktion 25.000+, einer Initiative von Teilnehmer am Fortuna-Fan-Forum, bei der Dutzende Helfer Tausende Flugzettel und Plakate verteilten. Tatsächlich wurden es sage-und-schreibe 27.375 Zuschauer, eine absolut erstligareife Kulisse. Und weil auch Leute mit anfeuerten, von denen man das nicht erwarten musste, war die Stümmung trotz der widerrechtlichen Einkesselung der Ultras einigermaßen gut.
Eisern Union dürfte damit durch sein. Fortuna bleibt zwei Punkten Rückstand auf Unterhaching Vierter und muss um den direkten oder indirekten Aufstieg bangen.
Traurig, traurig.
[...] ist es nur ein Nebenkriegsschauplatz dieser unglaublichen Vorfälle vom Sonntag rund um die Kastanie, aber es lohnt sich anhand der Berichterstattung der hiesigen [...]
Aus der Distanz ist schwer zu sagen, was die Polizei bewogen hat, so zu agieren, wie sie agiert hat. Mir kommt es so vor, als wollte sie für ihr kommendes Agieren im Rahmen des Heimspiels WSV – F95 bereits jetzt eine Legitimation schaffen. Das Agieren vom Sonntag, so es nicht noch bis Freitag am kochen gehalten wird, lässt für Freitag eine Reihe willkürlicher, sinnloser, aber auch provokativer und sogar klar die Vorgaben für ein rechtsstatliches Handeln der Polizei überschreitendes Einsatzkonzept erwarten.
Das, was da passiert ist, kann man schon lange bei vielen Demonstrationen beobachten. Aus fadenscheinigen Gründen wird alles an Material und Personal mobilisiert, um den Harten raushängen zu lassen und zu zeigen, wie wichtig man ist. Dass damit die Polizei bei den Betroffenen direkt, und bei vielen Interessierten genau das Gegenteil erreicht, scheint bei Teilen der Polizei (dem größten?) anscheinend nicht anzukommen. Es stört diese auch nicht, wie man anhand der ständigen Erweiterung der polizeilichen Kompetenzen und der “Materialertüchtigung” sehen kann.
Aus meiner Sicht müssen soviele Leute wie möglich aus dem Kessel Anzeige wegen Freiheitsberaubung erstatten. Offensichtlich gab es keinerlei tatsächlichen Gründe, die eine Einkesselung rechtfertigen, geschweige denn für eine vorläufige Ingewahrsamnahme, wenn man auf das Wort der Polizei vertrauend unter Vorzeigen der Papiere den Kessel verlassen wollte. Und das muss passieren! Sollte es einen richterlichen Beschluss geben, auf den Tisch damit! Und selbst diesen kann man noch gerichtlich anfechten lassen. Es gibt genügend Beispiele, bei denen dies geschene ist (auch wenn es Jahre danach passiert ist – aber immer noch ein Grund, Schadensersatz einzufordern, der auch gewährt wird [zwar minimal, aber es kostet die Polizei]) Ansonsten kommt man den Einsatzleitern und ihren Vorgesetzten nie bei! Das ist ferner wichtig, um die Polizei selber zu einer Korrektur ihrer Stellungnahme zu bringen. Ansonsten wird jedem Ultra/begeistertem Fan demnächst diese Aktion der Polizei zur Rechtfertigung weitergehender Aktionen unter die Nase gerieben.
Ich kann nur hoffen, dass von Seiten der Fortuna-Fans, trotz und gerade wegen dieses Vorfalls am Freitag alle besonnen bleiben. Selbst das wird die Polizei dann wahrscheinlich als Erfolg ihres Einsatzes am Sonntag vermelden.
Inwiefern dieser Einsatz als Puzzleteil “der Startegie [zu sehen ist], die den modernen Kommerzfußball weiträumig umsetzen soll” kann ich nicht beurteilen, ist wahrscheinlich auch pure Spekulation. Ich denke eher, dass in der Polizei Leute wie dieser Hr. Rodax auf Einsatzführungsebene die Gelegenheit gesehen haben, sich wieder wichtig zu machen. Vielleicht liegt ja auch ein neues Strategiepapier der Polizei in der Schublade im NRW-Innenmisnisterium, welches noch mit ein paar handfesten, “objektiven” Ereignissen unterfüttert werden musste, bevor es an die Öffentlichkeit kommt?
[...] soeben wiederbelebten Plattform Fortuna-Videos wurde ein knapp zehnminütiges Video rund um die poilzeiliche Willkürmaßnahme am 19.04.2009 an der “Kastanie” in Stockum veröffentlicht, dass den Polizeikessel [...]