Dritte Liga aktuell
Vereine wie den VfR Aalen muss es nicht geben. Auch Orte wie das ost-baden-württembergische Aalen muss es nicht geben. Und wenn eine Mannschaft aus einem solch sinnlosen Städtchen kommt, dann ist es zwangsweise unscheinbar. Ja, der VfR Aalen ist die graue Maus, ach was: die tarnfarbige Maus der dritten Liga. Da helfen auch keine glühend-orangenen Trikots, mit denen die Truppe der Namenlose in der usseligen Arena auflief. Passend zum Immitsch wird das Team von Pätrick Sander trainiert, dem überschätzten Ossi, der einst dafür sorgte, dass der FC Energie Kotzbus in glühend-orangenen Trikots auflief. Und der kam zu seinem Amt nur, weil der (neben Jens Nowottny) überschätzteste Nationalspieler der letzten zwanzig Jahre, ein gewisser Jürgen Kohler, aus Angst vor dem Herzkasper den Trainerstuhl räumte. Das ist der Stoff, aus dem man in Aalen Legenden baut. Immerhin zog die unsichtbare Mannschaft über 9.000 Zuschauer in die Turnhalle – und die sahen die allergrottigstes Halbzeit, die unsere Jungs in dieser Saison je ablieferte.l
Der junge Walbaum auf der rechten Außenverteidigerposition machte das Spiel seines Lebens, denn schlechter wird der Mann, der sich dem Vernehmen nach zu fein für die Zwote ist, in seiner Restkarriere nicht mehr kicken. Er verlor buchstäblich jeden Zweikampf, selbst wenn er gar nicht vom Gegner angegangen wurde, und fehlpasste nach Belieben. Man hätte ihn zu seinem eigenen Schutz nach 15 Minuten auswechseln müssen. Geradezu tragisch-komisch der Auftritt des Herrn Lumpi, der irgendwie immer versuchte, in Ballnähe zu kommen, dann seine übliche Halbgrätsche ansetzte, daneben lag und am Spiel nicht teilnahm. Es steht zu vermuten, dass Andreas Lambertz am Rande seiner fußballerischen Möglichkeiten angekommen ist. Und da alle so scheiße drauf waren, machten die Herrn Langeneke und Cakir – normalerweise sicher wie Tresortüren – auch mal den einen oder anderen Fehler. Lediglich der neongelbe Herr Melka im Tor tat ungefähr, was er immer tut: sicher halten. Wie sagen Spochtrepochter so gerne? “Es kam wie es kommen musste”. In der 46. oder 47. Minute verfiel die Abwehr der Tunen in einen Sekundenschlaf und ließ drei Aale nach einem Einwurf auswürfeln, wer das Ding machen durfte. Die Zuschauermassen verabschiedeten Rot-Weiß mit berechtigten Pfiffen.
Natürlich kamen die Unsrigen nach der Pause ganz anders aus der Kabine, vor allem ohne den Herrn Walbaum, der jetzt vielleicht mal ein bisschen über sich nachdenken sollte. Der Monsieur nahm dessen Platz ein, ebenso der fröhliche Cebe, der Marco Christ ablöste. Da kam Stimmung aufs Feld, denn die Fortunen wollten jetzt Ausgleich und Sieg. Die Chancen häuften sich, wobei der unbekannte Aalener Torhüter diverse glänzende Paraden vollführte. Mehr Ideen waren nicht, aber mehr Durchsetzungswollen. Der Monsieur Caillas spielte nach wie vor seinen immergleichen Trick (rechts antäuschen, links vorbei), die Flanken kamen irgendwie, und unser Rani hielt Rübe und Knochen hin, was das Zeug hielt. Eine Viertelstund vor Schluss kam dann der ewig unglückliche Bekim, dem doch alles Fußballglück der Erde wünscht und gab den Zwilling von Rani – ja, die beiden ähneln sich körperlich doch verblüffend. So sahen dann doch einige Zuschauer Herrn Kastrati als Torschützen, obwohl es der besagte Jovanovic war, der versenkte. Danach gaben unsere Jungs Gas, sogar bis in die vierte oder fünfte Nachspielminute, aber es wurde nichts mit dem Siegtreffer.
Schade, denn die anderen drei potenziellen Aufsteiger (Paderwas?, Kackers Ebend und Drecksunion) patzten auch, und die glorreiche Fortuna hätte mit einem Dreier ordentlich Boden gutmachen können. Bestätigt hat sich trotzdem, dass wohl keine andere Mannschaft noch ernsthaft in den Aufstiegskampf eingreifen wird – es sei denn, irgendwer (Braunschwein? Erfurz? Offebach?) baut in der Rückrunde ne ordentliche Serie…
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