Fortuna hat gewählt. Und das gleich zweimal in der vergangenen Woche. Gestern hat die Mannschaft für sich entschieden, zu gewinnen. Das taten die Akteure durch ständigen Kampf um den Ball und durch das – wie sagen die Statistikvorleser, die sich “Spochtrepochter” nennen? – Abrufen ihres spielerischen Potenzials. Natürlich hat sich Lumpi wieder durchgehend den Arsch aufgerissen, aber auch Spieler, die von den eigenen Fans nach den Blamagen von Duisburg, Lübeck und Ahlen als “Püppchen” und “Söldner” diffamiert worden waren, gingen dahin, wo’s den anderen weh tut. Natürlich kam der Sieg eigentlich nur zustande, weil der junge Herr Lampertz, der seine Rolle als wahrer Fortune wirklich gut darstellt, bereits in der ersten Spielminute eine Hütte machte. Wäre die erste Halbzeit torlos geblieben, steht zu vermuten, dass das Team ab Minute 60 abgebaut und vielleicht sogar verloren hätte. So realistisch muss man das auch mal sehen. So aber stand eine Defensivreihe aus lauter B-Profis überraschend sicher vor dem nicht überzeugenden Torhüter Ratajczak, und die nominellen Stürmer halfen vor dem Strafraum tatkräftig mit. Da die Doofmunder Kinder (unter ihnen auch eine Spross der Rummenigge-Dynastie) eifrig mitspielten, machten sie den Weg frei für das, was die Tuna-Elf diese Saison schon immer schön machte: Kontern.
Da blitzte dann teilweise schon sowas wie richtiges Fußballspiel auf, wenn wechselnde Darsteller auf Außen bis zur Grundlinie dribbelten und dann schöne Flanken schlugen. Davon profitierte vor allem der stark unterschätzte Vollblutstürmer Bekim Kastrati, der nicht nur einmal traf, sondern zweimal entscheidend vorbereitete. Da sich sogar der Palikuca zu seiner besten Saisonleistung aufschwang und die Herren Costa und Langeneke die Konzentration halten konnten, brannte in der Abwehr nichts an. Das Ende des Spielflusses kam – und das überrascht nicht – mit der Einwechslung des lustlosen Markus Anfang, der inzwischen überhaupt mit jeder Bewegung zeigt, dass er keinen Bock mehr hat. Die Bocklosigkeit sollte er nun in die Tat umsetzen und auf die weitere Beteiligung verzichten.
Erfreulich zeigte sich der Anhang, der im Kreise von knapp 9.000 Ähnlichgesinnten rund um die Spieluhr für Support sorgte. Der Funke sprang schon nach dem zweiten Treffer von den unermüdlichen Ultras auf den Rest der Südtribüne über. Und der Sprechchor “Warum nicht immer so?” wurde zum geflügelten Spruch, den Lumpi Lambertz beim Vorbeigehen in der Ehrenrunde mit einem Schulterzucken treffend kommentiert. Ein weiteres Highlight des schönen Abends war das Transparent, das die Ultras Mitte der zweiten Halbzeit präsentierten: “Ein Sieg heilt nicht die Wunden”. Damit brachten die Mädels und Jungs auf den Punkt, was nötig ist: Keine Euphorie aufkommen lassen. Wer zweimal in zwei Wochen – davon einmal vergebens – nach Lübeck gereist ist, dann noch nach Ahlen und dazwischen auch noch an einem Wochentag im Duisburger Stadion sehen musste, wie sich die Elf kollektiv und wehrlos ergab, der ist mit einem Sieg nicht zu besänftigen. Fragt sich nur, ob und in welchem Maße die Herren Spieler derartige Fangedanken wahrnehmen und sich damit auseinandersetzen.
Fortuna hat auch am Mittwoch gewählt. Und zwar Teil des Aufsichtsrats. OB Joachim Erwin, der nach Aussagen von Anwesenden schon fast eine altersweise Heiterkeit an den Tag legte, wurde wieder nur Nummer Vier. Unerwartet wiedergewählt wurde Marcel Kronenberg, ebenso eine/r von uns wie Dr. Dagmar Starke (bisweilen auch einfach “Doktor Ische” genannt…), die als Vorsitzende des SCD (Supoorters Club Düsseldorf) die Faninteressen einbringen wird. Die meisten Stimmen sammelt ein Anwalt namens Dr. Reinhard Ernst, der sich in Düsseldorfs Juristenszene eines sehr guten Rufs erfreut und seine Kompetenz besonders in Sachen Sportwelt-Kredite einbringen will. Zur Freude aller langjährigen Beobachter wurde Michael Hahn, der unter diversen Nicknames sein intrigantes Unwesen im alten und neuen Fortuna-Fan-Forum getrieben hat, nicht wiedergewählt.
Wenn nun noch der notorische Mastadarmakrobat Pröpper, der mit Fußball soviel zu tun hat wie ein Oliver Kahn mit dem Ballet, aus dem Aufsichtsrat verschwindet, dann kann man endlich von einem paritätisch besetzten Gremium reden, das die Geschicke des Vereins unabhängig von politischen und individuellen Interessen lenkt. Natürlich müsste dazu auch der Vorstand komplett neu besetzt werden. Der verdiente Ex-Fortuna nahm an der Jahresmitgliderversammlung nicht einmal mehr teil, was erst beim Durchzählen der Figuren auf der Bühne auffiel. Der Präsi des erfolgsarmen SV Straelen, Heinrich Tecklenburg (meist “Deoroller” genannt), hat in dieser Institution überhaupt nichts zu suchen. Finanzvorstand Sesterhenn sollte endlich erkennen, dass ihm das Ganze weit über den schwitzenden Kopf gewachsen ist, und der Vollblutfunktionär Frymuth findet bestimmt ein anderes Pöstchen im nächstgelegenen Kegelclub.
Apropos Sportwelt: Gut möglich, dass Dr. Ernst im Verbund mit einem bekannten Düsseldorfer Wirtschaftsmanns, der eigentlich nicht zum Fortuna-Umfeld zählt, die Weichen für eine eine einvernehmliche Lösung bereits gestellt hat. Danach soll die bestehende Vereinbarung, die bislang nicht Vertragscharakter hat, verbindlich festgeschrieben werden. Danach müsste Fortuna unabhängig von der Ligenzugehörigkeit bis einschließlich 2012 jeweils 30 Prozent der TV-Einnahmen abtreten und anschließend bis 2022 jeweils 10 Prozent. Diese Zahlungen würden durch Bürgschaften eines ansässigen Kreditinstituts (nein, nicht die notorische Stadt-Sparkasse…) abgesichert. Ab 2012 würde die Fortuna dann auch wieder über alle sonstigen Vermarktungsrechte verfügen. In der Praxis würde dies das Damoklesschwert über dem Fortuna-Haupt mit schweren Ketten sichern und den Verantwortlichen endlich wieder Planungssicherheit geben. Zudem konnte eine vertragliche Regel mit der Sportwelt auch den Weg für neuen Sponsoren machen; einige Interessenten sollen dem Vernehmen nach bislang vor dem Engagement zurückgeschreckt sein, weil es ihnen weg zielführend erschien, mit ihrer Investition die Raten bei Herrn Kölmel zu bezahlen.
Wie gesagt: Gründe für die übliche fortunistische Euphorie gibt es nicht. Aber der Silberstreif am Horizont ist dieses Mal kein Vorbote der Götterdämmerung.
Doofmund ? Wo bitte ist das denn? Kenn ich gar nicht.
Aber das Ergebnis hat mich an eins von meinen zwei einzigen Besuchen in dem ehemaligen Düsseldorfer Stadion erinnert. Damals – das muss so Mitte siebzich gewesen sein – spielte Düsseldorf noch in der Liga, wo heute noch DORTMUND I kämpft. Der Herausgeber dieses Blattes hatte mich wohl animiert, mit ihm das Spiel zu besuchen. Hätt´ich´s doch besser gelassen! Wollt’ ich triumphierend zwischen den Düsseldorfern stehen, wenn mein Heimatverein…
Nun, es ging aus wie beim Spiel am Freitag. 4:0 für die Rheinländer, nur eben in ´ner anderen Klasse.
Und da spielt se noch heute, die Borussia. Tja…
Jetzt wo Sie’s sagen! Ein jederzeit angemessenes Ergebnis würd ich sagen. Demnächst mal wieder in diesem Theater.
Nebenbei: Es ist hier guter Brauch, den Namen des jeweiligen Gegners der glorreichen Fortuna nach Kräften zu verhunzen. Da bleibt in Sachen BVB wenig anderes als Doofmund.
Götterdämmerung oder Heuschreckenflug? Ist auch egal, da es bei der launischen Diva doch kaum etwas zu saugen gibt. Oder etwa doch?
Mir will nicht in den Kopf, dass dieser Dr. Ernst so einfach in den Aufsichtrat gewählt wurde. Keiner kannte ihn vor der Wahl. Es wurde kolportiert, dass er Fachmann für Gesellschaftsrecht sei und den Verein in der strittigen Sportwelt Angelegenheit unterstützt. Bei näherer Betrachtung entpuppt er sich jedoch als alter Bekannter, der seit 2004 die US Heuschrecke (Creation: Münte) “Schwarzer Stein” in Sachen Übernahme, Zerschlagung, Entlassung, Filetierung und Going Public berät und natürlich nicht wenig Geld damit macht. Gesellschaftsrecht ole’! Ein Opfer gibt’s gleich um die Ecke, nämlich die damals noch vie zu profitable Glasshütte in Gerresheim. Ach was reg’ ich mich auf, die paar Arbeitslosen!
Das passt doch alles ganz ausgezeichnet zu dem sozialen und links angehauchten Image unserer Anhängerschaft. Und jetzt alle: Wir verhökern unser Fortuna ihr klein Logo… lalala…..der Nachfolger vom Erwin, der ist da.
So, jetzt geht´s mir besser.