Dritte Liga aktuell

F95 vs Dümänno 1:0

f95_demoSagma, sagte neulich ein Leser, warum schreibst du so wenig über den Fußball und so viel über den Verein? Ganz einfach, antwortete ich: Von Fußball verstehe ich wenig, von den Machtspielchen, den Intrigen und dem Mobbing innerhalb von Organisationen verstehe ich dagegen dank rund 20 Jahren Berufserfahrung in der Kommunikationsberatung ne Menge. Und da ich Fortuna-Fan bin und nichts dagegen machen kann, befasse ich mich eben so intensiv dies auf der ehrenamtlichen Seite meines Berufs möglich ist, mit der TSV Fortuna Düsseldorf von 1895. Dazu später mehr. Der wunderbar sonnige Tag gestern begann mit einem besonderen Ereignis. Der Supporters Club Düsseldorf (SCD) hatte nach den Ereignissen vom 19.04. zu einer Demonstration gegen Polizeiwillkür und für eine freie Fankultur aufgerufen. Rund 400 bis 500 Fans trafen sich dazu auf dem Vorplatz des Aquazoos.

Die Stimmung war locker, wenn auch einige Teilnehmer ein gewisses unwohles Bauchgefühl nicht ganz abstellen konnten. Perfekt organisiert war die Veranstaltung, auch von Seiten der Polizei. Vor Ort waren ausschließlich Düsseldorfer Beamte, einige outeten sich im Gespräch als Fortuna-Fans. So zogen die engagierten Fans unter der heißen Sonne Richtung Kastanie, um dann in die Stockumer Kirchstraße einbiegen zu müssen. Damit war die Demo eigentlich schon zu Ende, denn auf der restlichen Strecke rund um das südwestliche Ende des Messegeländes war keine Öffentlichkeit mehr da, die von dem Zug hätte Notiz nehmen können. So war die Ankunft der Demo an der Arena das letzte sichtbare Zeichen des Widerstands gegen den modernen Fußball. Treppenwitz am Rande: Genau in dem Augenblick als die Fans ankamen, traten die F95-Spieler vor die Tür und sahen die Demo mit Interesse, aber auch ein bisschen Verwunderung. Ende gut, alles gut. Schließlich waren dank mangelnder Kesselung die Ultras wieder vollzählig im Block 42, was wieder für Stümmung sorgte – ein Element, dass dank der Inkompetenz des Einsatzleiters Norbert Topka von vor zwei Wochen fehlte und so aus dem möglichen Fußballfest vor fast 28.000 Zuschauern eine eher deprimierende Veranstaltung machte.
Als Signal war diese Demo auch in der friedlichen, geregelten Form absolut notwendig. Zumal sich überall in Fußballdeutschland unter den Fans der anderen Vereinen deutliche Solidarität mit den Eingekesselten zeigte. Aber einem alterfahrenen Teilnehmer der Demonstrationen der siebziger und achtziger Jahre fehlte ein Hauch Wut. So sah der Zug der 500 ein bisschen aus wie der Marsch durch die Institutionen. Was ja zum drastisch wachsenden Engagement der eher jungen Fans aus dem SCD- und UD-Umfeld bei der JMV passt – eine Entwicklung, die absolut begrüßenswert ist und den Verein in den nächsten Jahren deutlich verändern wird.

So kam es also zum Stümmungsduell mit den Schwarzgelben aus der Elbestadt, die rund 3.000 Leute stark angereist waren und gerade vor dem Spiel und in den Anfangsminuten alles gaben, um die Lärmhoheit zu übernehmen. Zwischendurch gab’s ein bisschen Fahnenklau und der dümmliche Versuch einiger Denkallergiker aus Doppel-D ausgerechnet den Fortuna-Familienblock zu erobern. Die Förster waren wohl so auf Deeskalation getrimmt, dass die Klüh-Ordner mit ihrem wahrhaft beherzten Einsatz die Invasion verhindern mussten.

Wie gesagt: Ich verstehe wenig vom Fußballspiel und zähle mich ganz sicher nicht zu den gefühlten 10.000 Trainer in der Arena. Mir kam die Dünamo-Mannschaft ziemlich schwach vor. Ich sag erhebliche Probleme bei der Ballannahme, konfuses Stellungsspiel und eine allgemeine Schlampigkeit. Dass sich diese Untergangstruppe trotzdem zwei glasklare Chancen (und zwei oder drei weitere Halbgelegenheiten) erspielte, fällt negativ auf die Düsseldorfer Defensive zurück. In der muss aber erneut das wirkungsvolle Tun des jungen Kai Schwertfeger herausgehoben werden, der kompromisslos weghaute, was wegzuhauen war. Der Herr Herrgesell war dagegen ein ständiger Quell von Unsicherheit und Neben-der-Spur-Laufen.
Jedenfalls waren die Fortunesen den Dresdner weit überlegen, agierten aber viel zu komplizier. Im Strafraum wurde noch hin und her gepasst, als wäre da genug Platz. Trotzdem gab es einige Möglichkeiten, die Hütte zu machen. Das tat dann Lumpi in der 40. Minuten aus dem Gewühl heraus. Dieses magere 1:0 schleppte die Tuna dann durch Halbzeit Zwo, sehr zum Unwillen der anwesenden Nervenkostüme, denn wieder kamen die DDler gegen jede Wahrscheinlichkeit zu Chancen. Während auf der anderen Seite die Herren Lawaree und Jovanovic jeweils eine hundertprozentige Chance vergeigten.
Ansonsten war Vieles wie es immer war. Lumpi gab das nimmermüde Kampfschwein; seine typische Technik, mit der den Gegner um den Ball bringt, hat er inzwischen in höchstem Maße perfektioniert und kann froh sein, dass ihm die Kontrahenten nicht permanent auf die Knochen hauen. Natürlich war Langenecke wieder eine Bank. Christ hatte gute Momente, wirkt aber immer mal wieder völlig abwesend. Viel versprechend trat Deniz Kadah auf, der vielleicht schon in der nächsten Saison ein wichtiger Stammspieler werden könnte. Apropos “nächste Saison”: Dass bei einem Verbleib in Liga 3 am Spielbetriebsetat gespart werden muss, ist seit der JMV klar, dass aber auch in der zweiten Liga mit einem eher kleinen Etat von rund 5,5 Mio Euro hantiert werden muss, lässt nichts Gutes hoffen. So wie es aussieht, werden sieben Spieler bleiben und bis zu sieben Spieler aus der jetzigen Zwoten in den Kader der ersten Mannschaft geraten. Das riecht ebenso nach Neuanfang wie die Ereignisse der JMV es versprechen.

In diese Situation platzt das sonntägliche Klopapier mit einem Artikel des notorischen Dirk Krümpelmann. Der lässt verlauten, der Frankfurter Geschäftemacher Daniel Jammer sei daran interessiert, in die Fortuna zu investieren. Jammer hat selbiges in Israel bei Maccabi Netanya getan. Gegenüber der Jüdischen Allgemeinen ließ Jammer verlauten: ‘Mit dem vielen Geld, sagt der 42-Jährige ganz offen, ‘spiele ich mein persönliches Managerspiel.’” Nun war ein gewisser Lothar Matthäus Trainer dieses Vorortvereins und hat seinen Vertrag gerade in gegenseitigem Einvernehmen aufgelöst. Grund: Maccabi Netanya hat nicht mehr genug Geld, denn Jammer hat sein Engagement zurückgefahren. Dass der Frankfurter, der nicht nur selbst Geschäfte macht, sondern auch noch in eine russische Oligarchenfamilie eingeheiratet hat, schon seit Längerem über eine Traditionsmannschaft in den deutschen Fußball einsteigen will, ist kein Geheimnis. Der BILD-Schreibfink dichtet aus diesem Zusammenhang, Jammer könnte Matthäus als Trainer zur Fortuna lotsen.
Dass das Krieg geben würde, gegen den der Fanaufstand der Nürnberger gegen Laber-Loddar ein Lüftchen war, dürften sich Kenner der hieisgen Fanszene leicht ausmalen. Deshalb soll Krümpelmanns kranke Fantasie zunächst als Ente betrachtet werden. Die mögliche Aktivität des Daniel Jammer liegt da schon näher. Schließlich soll es eine geschäftliche Beziehung zur Düsseldorfer Familie des verstorbenen Paul Spiegel geben. Dem ehemaligen Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland hatte man zu Lebzeiten ein gewisses Interesse an der Fortuna nachgesagt, das sich aber nie in ein sichtbares Engagement verwandelt hatte. Aber auch diese Kombination muss momentan noch als Ergebnis reiner Spekulation gesehen werden.


» Spielbericht von Rainer Bartel am 03.05.09 um 13:14 » in Kategorien: Fortuna » 787 x gelesen » noch kein Kommentar
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