3. Liga: Fortuna Düsseldorf
In Wirklichkeit steht der TSV Fortuna Düsseldorf von 1895 vor einer Karriere als Mietnomade. Denn seit geraumer Zeit zahlt der Verein seine Miete für die Nutzung der momentan noch so genannten LTU-Arena nicht und hat Rückstände jenseits der Eine-Million-Grenze angehäuft. Jeder normale Vermieter würde derlei Pack rausschmeißen und versuchen, die Mietrückstände einzutreiben – zur Not mit der kleinen russischen Inkassotruppe. Nicht so die Arena-Betriebsgesellschaft, die der Stadt Düsseldorf gehört. Denn würde man die Fortuna durch Zwangsbetreibung der Außenstände killen, gäbe es a) einen Volksaufstand (nicht so schlimm…) und b) würde offensichtlich, dass die Arena beinahe pleite ist. So werden die gewählten Volksvertreter einen Schuldenerlass verabschieden und die Subventionen (derzeit um die 11 Millionen Euro pro Jahr) eventuell erhöhen.
Zurück zum Spiel: Die Fortunesen auf dem Rasen siegten in einem grottigen Spiel gegen hilflose Regensburger mit 3:1. Die Partei war geprägt von fast durchgehender Schlamperei der Kicker, von denen keiner genau weiß, wer denen am Monatsende das Gehalt bezahlt. Erfreulich war immerhin, dass olle Lawaree den einzigen schönen Treffer des Tages machte.
Jungspund Wallbaum hatte einen gemischten Tag: Hinten seriös, nach vorne unterirdisch. Der neue Stürmer Jovanovic ist nicht nur ziemlich ungelenk, sondern bei den Kollegen noch nicht so richtig im Fokus als möglicher Passempfänger. Solide wie immer die Herren Langeneke, Cakir und Sieger, wobei letzter wegen erwiesener Dummheit gegen Ende mit einer berechtigten zweiten gelben Karte zurecht vom Platz flog. Ansonsten passte sich der Schiri dem Niveau fugenlos an und verhaute sich bei jeder dritten Aktion. Das aber wenigstens gleichmäßig.
Weniger gleichmäßig verläuft dagegen einiges andere bei der Fortuna, denn ausgerechnet im Bereich “Unternehmenskommunikation” öffnet sich gerade eine neue Baugrube. Insider wissen zu berichten, dass die Verantwortlichen für die fortunistische Außendarstellung momentan auf dem Chinatrip sind und stellenweise zur Zensur greifen. So wurde ein Interview des Fan-Magazins “Schloßturm” mit dem netten Herrn Caillas in einem entscheidenden Punkt zwangsgeändert. Der temperamentvolle Belgier hatte unter anderem gesagt, dass er Pyro – also bengalische Leuchtfackeln Im Fanblock – eigentlich ziemlich cool fände, derartige Freudenausbrüche aber leider, leider in Deutschland verboten seien. Außerdem hatte Caillas wohl die Meinung geäußert, ein bisschen Rudelbildung um den Schiedsrichter sei manchmal gar nicht verkehrt. Die Ansicht der vereinsinternen Zensoren war nun, man müsse den Spieler Caillas vor sich selbst schützen, wenn er derartig aufrührerisches Zeuch äußere. Na ja… Ähnlich besorgt wurden auch je ein Beitrag im Stadionheft “Fortuna Aktuell” und auf der eigenen Homepage beäugt. Dazu demnächst mehr.
Es ist ja aus der Geschichte bekannt, dass solch vorauseilender Gehorsam immer aus Angst entsteht. Da muss aber jemand im Verein tierisch die Hosen voll haben, dass jemand beim DFB dergleichen liest und daraus den Rückschluss zieht, Caillas wäre eigentlich ein Hooligan. In der Welt der freien Wirtschaft werden Leute, die derart schissig um das Image besorgt sind, meist nicht alt. Fortuna ist aber keine Firma, weder eine freie, noch eine wirtschaftliche.
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