Dritte Liga aktuell
Vermutlich hat der SID Recht mit der Überschrift, die auf SpON zu finden ist: “Düsseldorf erkämpft einen Punkt vor Rekordkulisse”. Denn in der ersten Hälfte sah es nach dem Tor der Kackers aus Fischschwanzhausen nicht so aus, als könnten die Fortunesen das Ding noch drehen. Dann doch noch den Ausgleich hinzukriegen, war eine Willensleistung. Schade ist das Unentschieden trotzdem, weil ein Sieg selbst den zweiten Platz in der Tabelle in Reichweite gebracht hätte. Aber, wie heißt es so schön: Hätte, Wenn und Aber, alles nur Gelaber. Genauso bescheuert ist es, jetzt Trainer Meier vorzuwerfen, er könne nicht mehr aus Truppe rausholen. Oder: Einzelne Spieler niederzumachen. Heute war Ligaalltag – vor 18.500 begeisterungswilligen Zuschauern. Das will was heißen.
Völlig überrascht war wieder einmal die Rheinbahn vom Ansturm. Konnte ja keiner ahnen, dass im Vorverkauf schon 14.000 Karten abgesetzt wurden. Manchmal schwant mir aber auch, dass die Rheinbahn gar nichts dafür kann, dass der Antransport so schlecht klappt, dass manche Fans vom Hauptbahnhof bis zur Arena 50(!) Minuten brauchten. In der Zeit schafft man es fast zu Fuß. Nein, eventuell ist der Arenabahnhof eine Fehlplanung. Ich hab zu wenig Ahnung davon, aber wenn Züge zwischen Freiligrathplatz und Arena insgesamt 10 Minuten warten müssen, weil der Bahnhof mit immerhin zwei Gleisen bei der Ankunft und Ausstiegsmöglichkeit auf beiden Seiten nicht frei wird, dann stimmt was nicht. Dass die Klüh-Lemuren bei so vielen Leuten mit der Eingangskontrolle nicht nachkommen, ist ein alter Hut.
Ein bisschen schwer verständlich war die Choreo der Ultras. Da hieß es auf einem Transparent am Oberrang “Der nächste bitte” und unten “Wann verkauft ihr unsere Seele?”. Aufgelöst wurde das später mit Hinweisen auf die Umbenennung der Arena nach dem Ende der LTU. War schon nett: Rund fünfzehn Sprechblasen mit absurdesten Vorschlägen wurden hochgehalten. Jetzt fragt sich der weniger ultrakundige Beobachter: Wogegen sind die? Im Sinne des Widerstands gegen den modernen Fußball lehnen Ultras aller Vereine die Benennung ihrer Wohnzimmer nach irgendwelchen Firmen für falsch. Ich denke, jeder aufrechte Düsseldorfer fände es besser, wenn Onkel Jochens Gedächtnistempel einfach “Rheinarena” heißen würde. Das stünde in der Tradition des Rheinstadions, seeligen Angedenkens. Dass “Esprit-Arena” natürlich auch abgelöst vom sponsorenden Modeschuppen als passend für die Fortuna verstanden werden kann, fällt da aus der Betrachtung.
Zurück zum Sport. Highlight des Tages war die Einwechslung des lange verletzten Axel Lawaree, dessen Lauf zum Warmmachstreifen wurde schon heftig bejubelt und besungen. Natürlich ruhen auf ihm die Hoffnungen derjenigen, die mit Recht die miese Chancenauswertung der aktuellen Stürmer beklagen. Es wird aber, schätze ich, noch mindestens vier Spiele brauchen, bis der Lavamat wieder voll im Saft steht. Ach, übrigens: Ich finde, Michael Melka sollte – wie in der vergangenen Saison auch – eine Pause einlegen und den Rattataschak ranlassen. Dies nicht als Strafe für schlechte Leistungen, sondern wirklich im Sinne von Ausruhen. Denn Melka ist grundsätzlich ein erstligareifer Torhüter, der nur manchmal eine merkwürdige Lethargie ausstrahlt. Heute hat er beispielsweise kaum je mit seinen Vorderleuten kommuniziert. Er wirkt dann immer, als wenn ihm das Ganze am Arsch vorbei geht.
Leider konnte ich die putzigen Sprechblasen nicht lesen. Sah von der Ecke um Block 32 bis 33b grafisch betrachtet ganz witzig aus. Nur kam eben leider keine sonstige Botschaft rüber.
Ich plädiere übrigens dafür, das Stadion aufgrund seines unveränderten Standorts einfach weiterhin Rheinstadion zu nennen. Schließlich kann man sich ja gar nicht schnell genug daran gewöhnen, wer gerade mal genug Kohle für die Namenspatronatschaft herausschmeißt. Ist ja auch eigentlich überflüssig, sich den Namen zu merken, denn irgendwann wechselt der ja doch wieder aber das Rheinstadion bliebe.
Übrigens war ich per Rheinbahn nach dem Spiel innerhalb nur 30 Minuten zuhause in Bilk. Der Abtransport funktionierte blendend. Dennoch verstehe ich nicht, warum man nicht zwei Bahnsteige für die Abreise reserviert. Dann könnten zwei Bahnen gleichzeitig gefüllt werden…
Viel ärgerlicher fand ich die Menschenballung vor den Einlaßschleusen am Südeingang. Wie funktioniert das eigentlich, wenn Leverkusen vor vollen Rängen spielt? Wird da nicht kontrolliert? Wie machen das Schalke und Dortmund? Ich meine, man sollte die Anzahl der Eingänge der zu erwartenden Zuschauerzahl anpassen und nicht, wie am Samstag geschehen, so tun, als hätte man nur 5.000 Leutschen erwartet. Dennoch mein Lob an die tätschelnden Torwächter: sie haben sich redlich bemüht!
Und zum Spiel: Für mich war es mal wieder eine gefühlte Niederlage. Erst nach dem Ausgleich spürte ich ein eingermaßen planvolles Bemühen. Es bleibt mir unbegreiflich, wie eine Mannschaft innerhalb weniger Minuten solche Klassenunterschiede aufweisen kann, wie es unsere Fortunen hinkriegen. Und das gegen jeden noch so schwachen oder starken Gegner.
Eine Frage zum Schluß: Wie ist das eigentlich mit dieser schnuckeligen Emdenaarena? Ist die nur aufgrund einer Sonderübergangsgenehmigung drittligatauglich und auf jeden Fall für die zweite Liga freigegeben? Oder spielen die Ostfriesen demnächst ihre Heimspiele bei uns?
Rainer Bartel Antwort vom 29.03.09 17:19:
Aussage einer Rheinbahn-Mitarbeiterin beim Einlass zur Rückfahrt: “Je schneller wir wieder abfahren, umso schneller kommen die Züge zurück.” Ich interpretiere das so, dass auch die zu geringe Zahl geeigneter Züge das Transportproblem ausmacht. Sowohl der Bahntransport, als auch die Einlasskontrollen sind ganz offensichtlich ein grundsätzliches logistisches Problem der Arena, denn beim Länderspiel gegen Norwegen gab es dieselben Schwierigkeiten.
Bei anderen Großveranstaltungen (Stones, Madonna, Depeche Mode, Police) ist das alles nicht so schwierig, weil sie die Anreise sehr entzerrt. Lediglich beim ersten DM-Konzert hatte die Rheinbahn erhebliche Schwierigkeiten, die Abreise ordentlich hinzukriegen, bei Police klappte das ganz gut. Habe aber nicht gesehen, ob da zwei Abreisebahnsteige in Betrieb waren.