Dritte Liga aktuell

F95 vs Karlheinz Jena 1:0

f95_karlheinzIch mag die Jenenser. Wer seinen Fußballklub Karlheinz nennt, kann so schlecht nicht sein. Dass die Mannschaft aus Thüringen möglicherweise in die vierte Liga durchrutscht, ist schade. Aber: Opfer müssen gebracht werden, und wenn es dem Aufstieg der glorreichen Fortuna nützt, dann hat auch die Niederlage des FC CZ Jena einen tieferen Sinn. So weit ist es noch nicht, denn die Tuna steht nach dem Sieg von gestern erstmal nur auf dem Relegationsplatz. Und das nach einer Partie, die nicht nur die Spieler an den Rand der Erschöpfung gebracht hat. Nach dem Schlusspfiff mischten sich in den Gesichtern der Südkurvensteher Euphorie, Entzückung, aber auch Spuren einer kaum zu ertragenden nervlichen Anspannung. Aber betrachten wir die Sache der Reihe nach.

12:30: Ich fühle mich unruhig. Auf die Arbeit kann ich mich kaum konzentrieren.
14:30: Ob ich schon mal aufbrechen soll?
16:45: Ich mach mich auf die Socken. Zu Fuß in die Altstadt zur Frietbox; Vorbeugung gegen den miesen Aramak-Fraß. Horden in Rot-weiß marodieren durch die Bolkerstraße, man nimmt das letzte Alt im Schlüssel oder Goldenen Kessel.
17:45: Angespannte Erwartung in der U-Bahn, vereinzelte Fan-Gesänge.
18:30: Noch ne halbe Stunde, aber schon drei Kippen in der Arena geraucht.
19:00: Anpfiff. Niko zappelt und hält eine Ansprache: “Ich bin nervös…” sagt er. Hinter mir sagt eine Kollege dauernd “Jetzt das 1:0. Jetzt das 1:0.”
19:15: Immer mehr Mitsänger in der Südkurve. Wir stehen in der Mannschaft. Die Jungs kämpfen um jeden Ball. Chancen gibt’s, aber kein Tor.
19:47: Zur Halbzeit steht’s 0:0; erste Zweifel werden laut. Ich bin jetzt schon fertig.
20:05: Die Tunisti kommen mit noch mehr Kampfeswillen aus der Kabine. Der Support wird immer lauter, Nikos Stimme überschlägt sich; Leute grölen mit, die sonst nie die Klappe aufmachen, die Süd ist eine Wand aus reinstem Support.
53. Minute: Marco Christ, ja, Marco Christ! Geht mit dem Ball an die Strafraumkante, guckt, täuscht links an, macht noch einen Sidestep und hämmert dann den Ball unten rechts in den Kasten von Nulle. Torhysterie! Irgendwer quetscht mich an seine Brust. Ich glaube, manche weinen vor Glück.
Ab ca. 20:15: Die Nerven liegen blank. Karlheinz hat Chancen, aber Melka kriegt alles unter Kontrolle. Schwertfeger macht in der Innenverteidigung ein tolles Spiel. Heidinger wie ein Barca-Spieler. Kampf, Kampf, aber auch tolle Spielzüge, die leider nie ganz aufgehen. Bitte nicht den Ausgleich. Die Leute um mich herum sind außer sich. Und dann minutenlang und megalaut: “Die Fortuna ist mein Verein. Mein Herz das schlägt für Düsseldorf am Rhein. Da kannst du jeden in Deutschland fragen: F95 ist einfach nicht zu schlagen!” Meine Güte, ist das schön, Fan dieses Vereins zu sein.
20:48: Schlusspfiff! Ende. Gewonnen. Aber der Gesang hört nicht auf.
22:00: Komme zuhause an und bin fix und fertig.


» Spielbericht von Rainer Bartel am 14.05.09 um 13:38 » in Kategorien: Fortuna » 1,609 x gelesen » 1 x kommentiert
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  1. Das könnte glatt eins meiner Lieblingslieder werden! Mit den 4 Zeilen ist eigentlich alles gesagt!

    [Antwort]

     
    Kommentar von Weed am 15.05.09 um 09:18

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