Dritte Bundesliga - achter Spieltag
Na, das war ja mal eine solide Leistung, die unsere Jungs da abgeliefert haben. Als Fünfter schlugen sie den Sechsten mit drei niedlichen Toren. Die erste Hütte war ein echter Knaller: Rani Jovanovic – wie sagen moderne Spochrepochter – stoch den Ball durch auf Zidane-Ronaldo-Ahmed Cebe, der umkurvte den ansonsten ziemlich dusseligen Erfurzer Keeper und schob den Ball rein. Beim zweiten Tor sah der Herr Orlishausen auch nicht so dolle aus. Denn ein Christ’scher Freistoß schwebte quer durch den Strafraum und landete kaum berührt in der Kiste. Schließlich verursachte der Loser im Erfurzer Kasten auch noch den Elfer, denn der heute grandiose Herr Langeneke im zweiten Versuch versenkte.
So weit also alles in bester Butter. Fortuna ist nun Tabellendritter und kann in den nächsten Spitzenspieler auch das übrige Pack wegputzen. Komischerweise sind es die Fortunesen, denen in dieser Saison öfters der Dusel lächelt; wenn das mal nicht ein tolles Omen ist, der/die/das sich am Ende als Aufstieg entpuppt.
Auch die Atmosphäre im 41er war vom Feinsten. Hier wurden nicht nur die Choräle des unermüdlichen Kapos Nico aufgegriffen, sondern die älteren Herrschaften auffem Balkon übernahmen ein ums andere Mal die Initiative, während die Touristen auf den Haupttribünen ihren Ohren kaum trauten ob der Lautstärke und Vielfalt dessen, was ja trotz aller Aversionen gegen den modernen Fußball von den Beteiligten gern “Support” genannt wird.
Apropos “Moderner Fußball”: Der Mäzen der kurpfälzischen Milliardentruppe, Dietmar Hopp, hat es sich dank seiner Überempfindlichkeit ganz offensichtlich final mit den wahren Fans quer durch die Ligen verschissen. So war kurzzeitig ein fieses Porträt des Geldsacks über dem Ultra-Banner zu sehen, und Mitte der zweiten Halbzeit wurde ein Spruchband gehißt, das zwar nicht alle verstanden, dessen Botschaft aber vielen ein breites Schmunzeln schenkte: “Dass dich keiner leiden kann, stand wohl nicht im Business-Plan” – besser kann man das Verhalten des SAP-Profiteurs kaum beschreiben. Anschließend kam es aber leider, leider, leider zu brutalst möglichen Schmähgesängen gegen den Herrn, die zu zitieren die Chronistenpflicht gebietet: “Dietmar Hopp ist ein Haufen Scheiße” hieß es, und ich möchte ausdrücklichst meinen Abscheu gegen derartige Aussagen klar stellen. Nein, ich habe nicht mitgerufen und würde alle, alle anzeigen, die das getan haben, wüsste ich deren Namen (Hallo, DFB, hab ich das jetzt so richtig gemacht? Hab ich nichts zu befürchten? Kein lebenslanges, bundesweites Stadionverbot? Oder irgendwelchen Klagen? Puh, grad nochmal gut gegangen…).
Es steht zu vermuten, dass der Pressesprecher des TSV Fortuna Düsseldorf von 1895 (der jetzt mal mit seinem Namen genannt werden soll: Tom Koster) im Falle dieser Ausschreitung gern eingegriffen hätte, hätte er die Mittel dazu gehabt. So aber musste er mit ansehen, wie gewalttätige Hooligans den guten Namen des Vereins durch ihr ungeheuerliches Verhalten beschmutzten. Sicher wäre er gern vorher über die Aktion informiert gewesen, damit er sie hätte verbieten können. Denn der Herr Koster erweist sich als Zensor, der vereinseigenen Autoren in deren Schreiberei reinredet, der das Fan-Magazin “Schlosstum” zensiert und dem fan-betriebenen Forum die Unterstützung gekündigt hat, weil die Foristen ihn kritisiert haben. Letzteres nahm er auf Druck der Masse allerdings zurück.
Übrigens: Dass die Anti-Hopp-Aktion Bestandteil einer bundesweiten, wohl koordinierten Kampagne ist, also in gleicher oder ähnlicher Form in vielen Stadien stattfinden wird, kann weder bestätigt, noch dementiert werden. Der brave Fußball konsumierende Sesselfurzer wird es nicht erfahren, denn die Berichterstatter der Medien sind schärfstens angehalten, entsprechende Banner und/oder Gesänge sorgfältigst aus dem gesendeten Gut herauszuhalten. Das ist moderner Fußball.
Deine pauschale Medienschelte, insbesondere der lokalen Sportreporter, erinnert mittlerweile an Verschwörungstheorien. Die erste Sportseite des Express von heute entzieht dem letzten Absatz Deines Beitrags jedenfalls die Grundlage.
Stichwort “moderner Fußball”: Die “Fußball konsumierenden Sesselfurzer” (das waren am Samstag laut Deiner Definition wohl ca. 9000 von 11000 Anwesenden) richten den Grad ihrer Begeisterung übrigens auch weiterhin nach dem Geschehen auf dem Platz aus, und nicht nach dem, was junger Mann mit Megaphon ihnen mit Rücken zum Spiel diktiert.
Ist ja auch gut, dass die Kollegen noch einen Fürsprecher haben, ehrlich… Der letzte Absatz bezog sich weniger auf die lokalen Spochtrepochter als vielmehr auf die bundesweite Berichterstattung – das ist zu beobachten, ob die anderen Aktionen bei Spielen in der dritten und den vierten Liga zu Herrn Hopp durchgängig Erwähnung fanden.
Im Übrigen bin ich dem “Projekt Hoffenheim” gegenüber eher neugierig als negativ eingestellt. Und das Einzige, was ich Dietmar Hopp momentan vorwerfen würde, ist seine mimosenhafte Reaktion auf die Schmähungen – da sollte er sich mal ein Beispiel an olle Uli Hoeness nehmen.
Übrigens: Ich schreibe von den sesselfurzenden TV-Glotzern, nicht von den Zuschauern in der Arena. Aber sowas kann man ja im Überschwang schon mal überlesen.
Na ja, nun gut: Da habe ich wohl die “Sesselfurzer” mit den “Touristen” auf den Haupttribünen gleichgesetzt (zu denen ich übrigens nicht gehöre).
Ansonsten: Von mir aus kann ganz Fußball-Deutschland Anti-Hopp-Plakate malen, auch wenn sich mir die Logik nicht erschließt. Passender wäre es doch, die Herren zu schmähen, die dafür verantwortlich sind, dass wir überhaupt in der dritten Liga spielen.
Die These mag gewagt sein: Aber wenn diverse Traditionsvereine in der glorreichen Vergangenheit einigermaßen umsichtig und zielgerichtet gewirtschaftet hätten, wäre Hoffenheim nicht so schnell nach oben gekommen…
Da sind wir völlig einer Meinung: Hopp ist nicht derjenige, der die Traditionsvereine kaputt macht, das haben die Profilneurotiker und Nichtskönner in diesen Clubs schon selbst erledigt.
Hätte Dietmar Hopp die Schmähgesänge und -banner mit einem süß-sauren Lächeln genommen, wäre der Anti-Hopp-Spuk schnell vorbei gewesen. So hat er sich aber alle engagierten Fans zu Feinden gemacht. Oder: Hätte er witzig, kreativ, spontan reagiert (Was er ja meint, dass es die von ihm bezahlten Hoffenheim-Fans seien…), wäre er möglicherweise sogar beliebt geworden – wer weiß…
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