“When you walk through a storm // Hold your head up high // And don’t be afraid of the dark. // At the end of the storm // There’s a golden sky // And the sweet, silver song of a lark.” heißt es in der ewigen Fußballschnulze, die von Eventtouristen für ein allgemeines Fußballlied gehalten wird, aber dem FC Liverpool ganz allein gehört. Aber den Text dürften diverse F95-Fan auf dem Heimweg aus dem Paul-Janes-Stadion im Kopf gehabt haben, denn ein mächtiges Gewitter zog gegen 18:00 über die Stadt. Vorher gab’s Gemischtes: Mal sching die Sonn, mal kam Schauer. Aber das veränderte den erneuten Sommerkick wenig. Jedenfalls gewann die glorreiche Fortuna verdient gegen die B-Elf des skandalumwitterten Zweitligisten TuS Koblenz.
Wie ernst der Verein aus dem verlorenen Städtchen an der Moselmündung die Sache nahm, ließ sich an zwei Dingen ablesen: Trainer Uwe “Prost” Rapolder war zur zweiten Hälfte schon nicht mehr da, und Co-Trainer Mario “Lungenzug” Basler, ja, DER Basler, wechselte sich kurz nach Wiederanpfiff selbst ein. Immerhin gaben rund zehn Prozent der mitgereisten 100 Tussen aus Kolbenz zwanzig Minuten lang die besten Hits der Fanszene zum Besten, bevor sie sich dem Altbiergenuss hingaben. Der Abstiegskandidat der zweiten Liga hatte im ganzen Spiel zwei Torchancen. Die Fortuna dagegen gefühlte zwanzig. Die Herren da vorne vergaben serienweise und slapstick-like die dollsten Dinger. So landete ein Schuss von Sahin am kurzen Pfosten, sprang diesem Erwig an den Kopf, der die Pille über die Latte bugsierte.
Kombiniert wurde munter, und der Neuzugang Stefan Sieger zeigte sich wieder als unauffälliger und souveränen Regisseur. Das entlastet Lumpi Lambertz erheblich, der aber heute nicht seinen besten Tag hatte. Auffälligste Neuentdeckung: ein gewisser Johannes Walbaum, der derart selbstbewusst auftrumpfte, dass sich die Frage nach dem Rechtsverteidiger womöglich gar nicht mehr stellt. Der 21-jährige war einfach klasse.
Jedenfalls hätte es am Ende eher 4:0 heißen müssen, und dass die Stürmer die Hütten nicht machen, könnte sich in der kommenden Saison zum Problem auswachsen. Obwohl: Das Team hat in den sechs letzten Testspielen nur einen Treffer zugelassen und 46(!!!) geschossen. Das Gegentor war übrigens ein versenkter Elfer beim 25:1 gegen einen Kreisligisten. Weder der designierte Erstligaabsteiger Äff-Zeh, noch der gefühlte Zweitligaabsteiger Koblenz oder der vielversprechende Oberligist Rossbach konnten einen der beiden sehr guten F95-Torhüter überwinden.
Das alles macht Hoffnung und belegt, wie gut das Trainerteam unter Norbert “Kopfstoss” Meier wohl gearbeitet hat. Die dezente Einkaufspolitik des Wolf Werner hat ein Ürbiges getan.
Ach, und, ja, der Elbers war auch da. In einer schlechtsitzenden Kombination aus blauem Jackett und dunkelgrauer Hose samt Fortunaschal wirkt der aus der Nähe ausgesprochen unbeholfen. Groß ist er ja, und wie viele große Menschen kann er mit seinen Gliedmaßen anscheinend wenig anzufangen. Ja, der Mann hat einen Hang zur Farblosigkeit. Aber das nur am Rande…

