Dritte Liga: 9. Spieltag
Fischbrötchen Emden vs F95 1:0
An dieser Stelle möchte ihr sehr ergebener Berichterstatter (ISEB) folgendes Geständnis ablegen: Er war noch nie nich in Emden. Das hat seinen guten Grund, und der heißt “Fisch”. Will man den Auswärtsfahrern in das Kaff in Busennähe glauben, dann sind die Fischbuden im und um das dortige Stadion herum die einzigen Highlights dieses verlorenen Ortes. Leider leidet ISEB unter einer unerfreulichen Fischallergie, die ihm den Zugang zu kulinarischen Sensationen wie Fisch- oder Krabbenbrötchen durchgängig vermiest. Dass die Heimat von Otto Waalkes und Henri Nannen auch noch ein vom Letzteren erschaffenes Museum besitzt, dürfte dem gemeinen F95-Fan eher unbekannt sein. Und mancher ist der Ansicht, es wäre besser, auch der ansässige Fußballclub solle schleunigst wieder dem Vergessen anheim fallen. Das liegt einerseits an dem Rübenacker im Gemäuer des so genannten “Emdena-Stadions“, von dem manche glauben, es heiße Arena, andererseits an der weltberühmten Raubatzigkeit der Emder Kicker, die offensichtlich Knochenbruchprämien kassieren, wenn sie dem Gegner wehtun.
Nun gut. ISEB war also nicht da. Verfolgte also das Geschehen auf den Live-Tickern von Fortuna und von RP-Online, sowie anhand der Berichte des wie gewohnt göttlichen Olli Bendt auf Antenne Düsseldorf. Spiele bei den Kackers kann man gewinnen (hat die Tuna ja in den letzten Jahren bewiesen), muss man aber nicht. Heimkehrer berichten vorwiegend von einem schlechten Fußballspiel, in dem unse Jungs irgendwie nicht die Kampfkurve gekriegt haben. Das ist doppelt schade, denn ein Sieg hätte einen Platz ander Drittligasonne mit sich gebracht. So kann der Fortunafreund nur den Schwamm drüber ziehen und auf die folgenden Partien hoffen.
Apropos Hoffen: Das Verfolgen der Spiele des hochsubventionierten Clubs aus der Kurpfalz macht Spaß. Ja, die TSG ist eine echte Bereicherung der ersten Liga. Wäre da nicht dieser Herr Hopp, der vielleicht vom Software-Tuten und -Blasen Ahnung hat, aber keinen Bescheid über das Verhalten der Fans in der Bundesliga weiß. Das hat er vor wenigen Stunden durch mehr als unglückliche Äußerungen in der DSF-Deiskussionsrunde “Doppelpass” unter Beweis gestellt. Man möchte dem armen Dietmar so gern einen fähigen Kommunikationsberater an die Seite stelle, ihm ein Medientraining verpassen und sagen “Hömma, Didi, musst du alles nicht so eng sehen”.
Aber der ehemalige SAP-Vorturner ist ein humorarmer Mensch, der sich moralisch berufen fühlt. Tatsächlich schafft es die Dietmar-Hoff-Stiftung nicht bloß, einen Dorfverein ganz nach oben zu bringen, sondern Hunderte junger Menschen beiderlei Geschlechts zum Fußballspielen, was die Youngster bekanntlich von harten Drogen und kriminellen Tun abhält. Zudem entstehen im Zuge der Hopp’schen Maßnahmen feine Ausbildungsplätze in der Region. Dagegen ist so wenig zu sagen wie gegen das Projekt “1899 Hoffenheim” insgesamt, das ja beispielhaft werden könnte für die vielen Traditionsvereine, die so gern darüber jammern, dass die TSG an ihrer Stelle oberklassig kickt. Hey, ihr Traditionsfans, dann werdet doch Mitglied im Verein eures Herzens und sorgt durch demokratische Einflussnahme dafür, dass nicht mehr die unfähigen Profilneurotiker die Geschicke lenken, sondern vernünftige Profis auf ihrem Gebiet! Rummaulen gilt nicht.
Wobei andernorts ja derzeit auf sehr merkwürdige Weise gemault wird. Jeder der ein bisschen was vom Fußball versteht, erkennt doch wohl, dass Jürgen “Tonnentreter” Klinsmann als Vereinstrainer ein Volllusche (mit 3 “L”!) ist. Wer einen derartigen Kader und einen derartigen Trainer- und Betreuerstab zur Verfügung hat und es dann nicht schafft, die Milliardentruppe zum Sieg zu bringen, der kann’s nicht. Punkt. ISEB meint, dass das Erfolgsgeheimnis des Jürgen K., mit dem er – auch dank der Mystifizierung durch den Sönke-Wortmann-Film – rund um die WM 2006 war, dass die Sache ein definiertes Ende hatte und er nicht tagaus, tagein über Wochen und Monate Männer motivieren musste, denen es weniger um die Krone der Fußballschöpfung geht als vielmehr um ihr persönliches Fortkommen im Geschäft. Was wäre die Folge, würde Klinis in der Kabine vor einem Spiel gegen den S04 brüllen: “Die hauen wir weg! Die schießen wir durch die Wand. Gerade die Schalker”? Nichts. Eben. Nun mault es im Hollywood an der Isar, aber noch sehr untergründig. Mal angenommen, der FCB verliert das nächste Auswärtsspiel in Karlsruhe und fabriziert im folgenden Heimspiel gegen VW-Burg ein Unentschieden – da kann man aber locker seinen Arsch drauf verwetten, dass Kalifornia-Klinsi die längste Zeit Trainer des achtundneunzig-maligen Meisters gewesen ist.
Kommen wir zum Äff-Zeh, der mit bisschen Glück die Ostholländer besiegt hat. Es fällt ISEB schwer es zuzugeben, aber stellenweise sieht das, was der Däumling da in seine zweitklassige Truppe geprügelt hat, nach Fußball aus. Die Prognose daher: Leider wird Äff-Zeh am Ende der Saison wohl nicht absteigen, und die Zweitliga-Derbys gegen die wunderbare Fortuna aus Düsseldorf fallen flach. Dafür dürfen die F95-Kicker dann im kommenden Jahr die Gurken aus dem Dorf bei Viersen abfieseln. Hat doch was.