Arroganz, Ignoranz, Inkompetenz

Fortuna Düsseldorf vor der Pleite

fortuna_pleite“Obwohl die Dritte Liga-Fußballer erfolgreich auf dem dritten Platz stehen und den angestrebten Zuschauerschnitt von 12.000 nur knapp verfehlen, ist die Kasse leer: ‘Ja, wir haben ein Liquiditätsproblem, derzeit fehlen rund 800 000 Euro’, gibt Finanz-Vorstand Werner Sesterhenn zu.” (Quelle: WZ newsline vom 16.02.09)

So weit die nackte Nachricht. Im Klartext: Der Vorstand des TSV Fortuna Düsseldorf von 1895 hat im Laufe der Saison 2008/09 jetzt schon eine Unterdeckung von rund 2,4 Millionen Euro erwirtschaftet. Und das bei einem Budget von rund 3,4 Mio. Das riecht wie Bankenkrise, wo Verluste in Höhe der Umsätze ja schon fast normal sind. Es bedeutet aber auch, dass der aufgestellte Saisonetat von vornherein unrealistisch war. Angefallen sind die neuen Verbindlichkeiten hauptsächlich durch die Miete für die LTU-Arena. Tatsächlich hat der Verein seit spätestens Dezember 2007 jegliche Mietzahlung eingestellt und kam so auf über 1 Mio Schulden bei der Arena-Betriebsgesellschaft, die sich bekanntlich zu 100 Prozent im Besitz der Stadt Düsseldorf befindet. Diese Schulden wurden im vergangenen November per Vereinbarung auf Null gestellt. Das heißt: Der Düsseldorfer Steuerzahler hat der Fortuna für mindestens ein Jahr die Stadionmiete spendiert.

Jetzt stellen sich dieselben Funktionäre, allen voran der Finanzvorstand Sesterhenn, hin und beichten, dass sie schon wieder 800.000 Euro mehr ausgegeben haben, als sie hatten bzw. als der Kreditrahmen reichte. Und wie es momentan Usus ist, werden die öffentlichen Instutionen (Stadt, Land, Bund) angebettelt mit dem Wunsch, die mögen jetzt aber bitte mal für die Misswirtschaft der Funktionäre, Manager und Offiziellen aufkommen. Das hat der Düsseldorfer OB Dirk Elbers sofort und zu Recht abgelehnt. Denn speziell mit dem Team, das zur Zeit die Geschicke des Vereins lenkt, ist ein mittelfristige Sanierung nicht vorstellen.

Ausgangspunkt des seit über zehn Jahren schwelenden Überlebenskampfs der Fortuna waren die Taten der Fortuna-Präsidenten ab Anfang der achtziger Jahre: Förster, Hauswald, Achenbach. Mehr Profilneurose und Inkompetenz war nie. In die Ära des Fleischermeisters Peter Förster, der heute noch gelegentlich im leicht angetrunkenen Zustand auf Jahresmitgliederversammlungen auftaucht, fallen die Verkäufe der beiden Gerresheimer Jungs Klaus und Thomas Allofs in den Jahren 1981 und 1982. Sie sorgten für sportlichen Misserfolg und sinkende Zuschauerzahlen. Unter dem Präsidenten Hauswald nahm die sportliche Talfahrt rasant an Geschwindigkeit zu, und durch Panikkäufe von Spielern wie Darko Pancev, den man öfter im Wolfspelz auf der Kö sah als auf dem Trainingsplatz, dafür aber ein stronomisches Gehalt bekam, erwirtschaftete der Autohändler, der seinen eigenen Laden mitten im Autoboom vor die Wand fuhr, Millionenschulden. Die suchte der fußballfremde Kunsthändler Achenbach durch einen Deal mit der Kölmel’schen Sportwelt aufzufangen, führte die Fortuna dadurch aber in die totale finanzielle Unbeweglichkeit, aus der sie bis heute nicht herausgekommen ist. Zudem verpulverten Achenbach und seine Vorstandmannschaft die Kölmel-Millionen innerhalb kürzester Zeit, sodass am Ende dieselben Schulden, aber eine Existenz in den Ligen Drei und Vier stand.
Guten Willens war der folgende Präsident, ein Telekom-Angestellter namens Steffes-holländer, der auf seriöses Wirtschaften und Fan-Beteiligung an den Vereinsentscheidungen setzte, aber vom Klüngel – allen voran die Graue Eminenz, ein Lichthändler namens Hessling, kurz “Lampen-Heinz” genannt – in kürzester Zeit hingerichtet wurde. So stand die Fortuna im Jahr 2002 am gähnenden Abgrund. Man spielte in der viertklassigen Oberliga Nordrhein im Paul-Janes-Stadion vor 3.000 Zuschauern gegen Vereine wie Ratingen 08/15 oder Germania Freialdenhoven, und das Ende war nah.
Eine willkommene Gelegenheit für den damaligen OB Joachim Erwin, sich des Vereins zu bemächtigen. Der hatte, unterstützt von einer ehemaligen Praktikantin, einen Masterplan erstellt, der die Profilierung Düsseldorfs als Sportstadt zum Ziel hatte. Im Zuge dieses Plans kam es zu der peinlichen Olympia-Bewerbung der Stadt und zur ebenfalls kläglich gescheiterten Bewerbung als Spielort für die Fußball-WM 2006. Ähnlich wie die Pharonen neigte Erwin dazu, seine Pläne in Beton zu giessen und irgendwas bauen zu lassen. Wichtigstes Projekt war die Mehrzweckarena an Stelle des gesprengten Rheinstadions. Damit der für sagenhafte 230 Millionen Euro (und damit z.B. um mehr als das Doppelte teurer als das neue Stadion von Borussia Mönchengladbach!) erbaute Tempel nicht nur für die zu Zeiten der Planung noch mögliche Olympiade bzw. Fußball-WM zu errichten, sollte es a) als Mehrzweckbau mit Großveranstaltungen aus dem Entertainment-Bereich und b) Zuschauern der Fortuna gefüllt werden. Um letzteres zu erreichen, übernahm OB Erwin die Macht im Verein, ließ sich als Größter Fortuna-Retter aller Zeiten (GröFRaZ) feiern und heuerten den Ex-Fußballspieler Thomas Berthold als Manager an. Dieser war frei von jeglicher Erfahrung und Kompetenz und kaufte Spieler bisweilen nach Ansicht eines Amateurvideos ein. Sein unfreiwillger Abgang kostete den Verein rund 300.00 Euro, von den massiven Transferverlusten ganz zu schweigen.

Natürlich setzte Erwin als Aufsichtsratsvorsitzender auch einen ihm genehmen Vorstand ein, der allerdings nichts entscheiden durfte, ohne dass der GröFRaZ dies absegnete. In diese Zeit fallen erhebliche Geldschiebereien zwischen dem Verein und der Arena. So wurde die Verteilung der Einnahmen aus einem Freundschaftsspiel gegen Bayern München im Januar 2005 mehrfach auf mündlichen Befehl des OB geändert. Saison-Budgets wurden von ihm vorgegeben, und die armen Vorständler mussten damit leben. Als sich der beliebte Düsseldorfer Fußballfunktionär Charly Meyer, der zu der Zeit Vorstandssprecher war, wehrte, wurde er aus dem Amt gegrault und durch einen Erwin-Anhänger namens Peter Frymuth ersetzt. Der ist heute noch am Ruder, und mit ihm Werner Sesterhenn, der alle Finanzstürme überstand, obwohl seine Kompetenz seit Jahren auch von seriösen und gutwilligen Fortuna-Freunden angezweifelt wird.

Das ist also die Situation: Die Fortuna spielt in der Dritten Bundesliga und hat derzeit einen Zuschauerschnitt von knapp 11.000 vorzuweisen. Wohlgemerkt: In einem Stadion, das bis zu 55.000 Leute fasst. Zu Beginn der Saison 2008/09 wurde ein Etat aufgestellt, der um gut 30 Prozent niedriger lag als im Vorjahr. Damit verfügt die Vertragsspielerabteilung um etwas mehr als die Hälfte dessen, was Club wie Paderborn und Braunschweig im Etat haben. Da diese Mittel für einen erfolgsträchtigen Kader nicht reichen würden, wurden Spieler verpflichtet, deren Gehälter von einzelnen, anonymen Sponsoren übernommen wurden. Trotzdem war klar, dass die Fortuna entweder den Spielbetrieb würde bezahlen können oder die Arenamiete. Die Herren Frymuth und Sesterhenn ließ es mit Deckung durch den Aufsichtsrat, in dem auch nach Erwins Tod noch dessen Anhänger Gewicht haben, darauf ankommen und zahlte weiterhin keine Miete. Trotzdem sind jetzt, kurz nach der Hälfte der Saison schon wieder 800.000 Euro neue Verbindlichkeiten aufgelaufen. Wer so wirtschaftet, braucht keine Feinde, der richtet sich slebst zugrunde.

Wenn Sesterhenn jetzt von Liquiditätsproblemen spricht, dann heißt das im Klartext: Die Fortuna kann momentan ihre Rechnungen nicht bezahlen. Und das mit der Stadt-Sparkasse als einem der Hauptsponsoren. Denn diese Illiquidität bedeutet, dass der Sponsor nicht mehr bereit ist, den Kreditrahmen auszuweiten. Die SSD würde dies nur tun, wenn die Stadt bürgt. Die wird aber laut OB Elbers den Teufel tun und schon wieder für den Verein mit seiner inkompetenten Führung geradestehen. Was aber, wenn die Stadt nicht bürgt und die Bank den Rahmen nicht ausweitet? Dann wird der Verein noch im Laufe dieser Saison irgendwann zahlungsunfähig sein. Dann werden die Spieler ihre Gehälter nicht bekommen und die Vereinsangestellten auch nicht. Dann wird man die Reisekosten nicht mehr bezahlen können. Dann wird man sehen müssen, wie das Team zum Auswärtsspiel kommt. Dem Vernehmen nach haben sich die Spieler verpflichtet, die Hälfte der Kosten für den Flug nach München (zum Auswärtsspiel gegen Unterhaching am kommenden Samstag) selbst zu übernehmen, um sich 650 Kilometer Busfahrt zu ersparen.

Dies alles als Zwischenergebnis eines Vabanque-Spiels, das der verstorbene OB Joachim Erwin im Jahr 2003 startete. Er setzte alles auf die Karte “Aufstieg!” in der Hoffnung, eine Fortuna in der ersten oder zweiten Bundesliga wäre finanziell saniert und würde seine Arena dann regelmäßig füllen. Kann gut sein, dass sich in den nächsten Wochen zeigt, dass der dabei den Verein Fortuna Düsseldorf final verzockt hat.

  • Add to favorites
  • Print
  • PDF
  • RSS
  • email
  • Facebook
  • Twitter
  • Google Bookmarks
  • del.icio.us
  • MisterWong
  • Digg
  • StumbleUpon
  • Identi.ca
  • Yigg
  • Posterous



» Kommentar von Rainer Bartel am 17.02.09 um 12:12 » in Kategorien: Fortuna » 2435x gelesen » 1 x kommentiert
»   

  1. Fortuna und die Finanzen..das geht schon seit Jahren nicht gut.
    Wenn das diesmal das Aus bedeuten sollte, wäre das schon arg bedauerlich.
    Nächste Saison könnte es doch endlich mal wieder zu einem Lokalderby gegen die einzig wahre Borussia kommen..

    Kommentar von Michael am 17.02.09 um 21:48

RSS-Feed für Kommentare zu diesem Artikel.  |  Trackback-URL

Sie müssen eingelogged sein um kommentieren zu können.

blogoscoop