Bauunternehmer Tecklenburg liebt Sarrazin

Fortuna-Vorstand auf Rechtskurs

tecklenburg_rechtsEher durch Zufall stieß das Mitglied im Rat der Stadt Frank Laubenburg (Die Linke) auf die Anzeigen des Bauunternehmers Hermann Tecklenburg. Der hat sich in einem unscheinbaren Beilagenblättchen der Rheinischen Post im September und Oktober mit einer Kolumne geäußert. “Unser Straelen – das RP-Monatsmagazin für meine Stadt” heißt die 24-seitige Lokalbeilage, die auf äußerst betuliche Weise Dies und Das zum Nest am linken Niederrhein vermeldet. Nicht dass die Redaktion dem heimlichen König von Straelen Platz eingeräumt hätte – die Kolumnen sind Teile von ganzseitigen Anzeigen, die den Anschein erwecken sollen, sie seien redaktionell gefertigt. Diese Kolumnen hat sich Laubenburg nun angesehen und Erstaunliches festgestellt: Im September zieht der Bauunternehmer mit der Fußballleidenschaft über Hartz-IV-Empfänger her, und im Oktober outet sich der Glatzenmann, den sie hinter seinem Rücken den “Deoroller” nennen, als glühender Sarrazin-Fan. Wörtlich schreibt Tecklenburg:

Sarrazin ist überall
Ich bezeichne mich als guten Europäer, lebe gerne in Deutschland, bin stolz auf unser Land und ein Befürworter der Thesen von Thilo Sarrazin.
In den letzten Wochen sind zwei Filmbeiträge im Fernsehen gezeigt worden, die von türkischstämmigen Frauen produziert wurden. Beide Beiträge zeigen Situationen an deutschen Schulen, wo die Mehrheit der Schüler einen Migrationshintergrund haben. Deren dort gezeigtes Machogehabe und Beleidigungen gegenüber ihren deutschen Mitschülern waren unerträglich.
In Straelen erlebe ich regelmäßig ähnliche Situationen. So wird der Kinderspielplatz an der Walbecker Straße zunehmend von deutschen Kindern gemieden. Auf unserem schönen Marktplatz sind immer mehr Betrunkene zu beobachten. Dazu werden die Sitzgelegenheiten von Gruppen ausländischer Jugendlicher belagert.
Das Ergebnis ist bekannt: Ältere Straelener Bürger lassen sich nach dem Kegeln mit dem Taxi abholen und gehen nicht mehr zu Fuß über den Marktplatz.
Schon vor zehn Jahren fragte mich unser in Geldern aufgewachsener Sohn Philipp, ob es möglich wäre, in Geldern eine der CSU nahestehende junge Union zu gründen. Auf meine Frage nach dem WARUM bekam ich von ihm die Antwort: „Deutsche Jugendliche wechseln aus Angst, verprügelt oder angepöbelt zu werden, die Straßenseite, wenn ihnen Ausländergruppen
entgegen kommen.“
Ich jedenfalls wünsche mir eine konservative Partei neben der CDU, der ich sofort beitreten würde.
Einen schönen Herbst wünscht allen Lesern…” [Quelle: Unser Straelen im Oktober 2010 (PDF)]

Nun kann man sich im Sinne der BILD’schen Pro-Sarrazin-Propaganda auf den Standpunkt stellen, das wird man doch wohl noch sagen dürfen. Nur ist Tecklenburg nicht bloß Bauunternehmen in einem niederrheinischen Kaff, sondern gleichzeitig Mitglied des Vorstand von Fortuna Düsseldorf. Und dieser Verein hat sich die politische Neutralität explizit in die Satzung geschrieben:

Der Verein verhält sich weltanschaulich, politisch, rassisch und religiös neutral und steht in allen Belangen auf demokratischer Grundlage. Er tritt rassistischen, verfassungs- und fremdenfeindlichen Bestrebungen entschieden entgegen. Er darf seine Mittel weder für die unmittelbare noch für die mittelbare Unterstützung oder Förderung politischer Parteien verwenden. [Quelle: http://www2.fortuna-duesseldorf.de/fileadmin/pdf/Satzung.pdf - §2, Abs. 4)]

Nicht nur Frank Laubenburg ist daher der Meinung, dass Vorstand Tecklenburg für den Verein nicht mehr tragbar ist. Das Recht, Vorstände zu benennen und abzuberufen, liegt beim Aufsichtsrat der Fortuna. Mitglieder dieses Aufsichtsrats sind mittlerweile über den Fall informiert. Zu prüfen ist zudem, ob die öffentlichen Aussagen des Hermann Tecklenburg gegen den §2 der Satzung verstoßen. Dies wiederum ist ein Fall für den vereinsinternen Ehrenrat, der schlimmstenfalls zu dem Schluss kommen kann, Tecklenburg die Mitgliedschaft abzuerkennen.

Übrigens: Laubenburg stieß nach eigenem Bekunden auf die rechtspopulistischen Aussagen des Mannes, der für seine Eitelkeit bekannt ist, bei der Recherche zu den alten Opernwerkstätten der Deutschen Oper am Rhein im Stadtteil Pempelfort. Am 04.11. diesen Jahres soll der Rat der Stadt nämlich darüber entscheiden, ob die Fläche an eine Tecklenburg-Gesellschaft verkauft wird. Tecklenburg selbst schreibt im Oktober schon: “Der Rat der Stadt Düsseldorf beschließt am 4. Novemberden Verkauf des Objektes an die Firma Tecklenburg.” – Abstimmungen in demokratisch gewählten Gremien scheinen aus seiner Sicht nur Formsachen zu sein. Mit der gleichen Haltung nahm Tecklenburg übrigens im April 2009 hin, dass ihm die Mitglieder der Fortuna mit großer Mehrheit das Misstrauen aussprachen, indem sie ihm die Entlastung verweigerten. Das nahm er ungerührt und kommentarlos hing.


» Bericht von Rainer Bartel am 29.10.10 um 19:57 » in Kategorien: Deutschland,Fortuna » 1,360 x gelesen » noch kein Kommentar
»   

Noch kein Kommentar

RSS-Feed für Kommentare zu diesem Artikel.  |  Trackback-URL







Diese Tags sind möglich: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>



blogoscoop

Switch to our mobile site