Immer wieder: Polizeiwillkür gegen Fußballfans

Rechtsfreier Raum?

“Im Zuge der szenekundigen Aufklärung und eines intensiven Erfahrungsaustausches vor und während des Fußballspiels wurden konkrete Hinweise erlangt, dass unter den Problemfans Absprachen zu so genannten Drittortauseinandersetzungen getroffen worden waren.” Dieser Satz in der offiziellen Verlautbarung der Polizei Düsseldorf muss dafür herhalten, dass heute ab etwa 12:30 bis zu 250 Fans der Fortuna, zum großen Teil solche, die sich zu den Ultras zählen an und in der “Kastanie” an der Ecke Kaiserswerther Str. / Stockumer Kirchstr. über Stunden eingekesselt und mit Knüppel und Pfefferspray misshandelt wurden. Jeder, der auch nur einen Hauch Einblick in die hiesige Fanszene hat, weiß, dass dies eine dreiste Lüge ist. Und wenn auch noch von “szenekundiger Aufklärung” (gemeint sind nicht die szenekundigen Beamten, SKB, sondern die Spitzel der Polizei, die in die Gruppen eingeschleust werden) die Rede ist, die angeblich konkrete Hinweise hatten, dann fragt man sich, ob hinter dem heutigen Vorgehen nicht System steckt. Denn Ziel des Angriffs sind nicht die Ultras an sich, sondern die von den Fans selbstverwalteten Blöcke 41 und 42 in der Arena. Die sind weniger der Polizei, als gewissen Kräften, die zunehmend Einfluss im Verein erobern wollen, schon lange ein Dorn im Auge.

Wes Geistes Kind diese Kräfte sind, zeigt der Kommentar eines Lesers von RP-Online namens “Gerresheim-Banker”, der am 19.04. um 20:21 schreibt: “Block 42 ist doch inzwischen ein rechtsfreier Raum. Fortuna und die Mitarbeiter des Vereins haben sich von den Ultras usw. überrennen lassen. Es ging soweit, daß die normalen Dauerkarteninhaber in andere Blocks wechseln mußten, weil niemand die einfallenden Horden in die Schranken und in ihren gekauften Block weisen konnte/wollte.” Genau dieser Ansicht sind Personen, die bereits in Vereinsgremien sind oder dies anstreben. Ob und in welchem Maße diese Personen nun auf die Polizei – vermutlich in Gestalt des umstrittenen Polizeipräsidenten Schenkelberg – eingewirkt haben, heute ein Zeichen zu setzen, ist unklar. Fest steht dagegen, dass es Bestrebungen gibt, die seit Beginn der Saison einwandfrei funktierende Fanselbstverwaltung auf der Südtribüne abzuschaffen.

Damit könnte man die Ultras zurückdrängen und sich letztlich die Stimmen vom Hals halten, die jene Stehplätze fordern, die ihnen einst vom verstorbenen OB Joachim Erwin mehrfach versprochen wurden. Die Fankultur, die für Zusammenhalt, Freundschaft und unbedingten Support steht, soll so nach und nach ausgetrocknet werden. Dass die Polizei heute ausgerechnet den beim Verein angestellten Fanbeauftragten, Jörg ‘Pejo’ Emgenbroich, zusammenschlug und kurzzeitig festsetzte, passt in diesen Bild, denn Pejo ist einer derjenigen, die den selbstverwalteten Block durchgesetzt hat. So betrachtet ist der heutige Einsatz ein Schlag ins Gesicht aller Fans, denen Fußball mehr ist als Event und Entertainment.


» Kommentar von Rainer Bartel am 19.04.09 um 20:45 » in Kategorien: Fortuna » 817 x gelesen » 2 x kommentiert
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  1. [...] ist es nur ein Nebenkriegsschauplatz dieser unglaublichen Vorfälle vom Sonntag rund um die Kastanie, aber es lohnt sich anhand der Berichterstattung der [...]

     
    Pingback von Goergens und Konsorten sind raus | Rainer'sche Post am 20.04.09 um 17:02
  2. [...] einem besonderen Ereignis. Der Supporters Club Düsseldorf (SCD) hatte nach den Ereignissen vom 19.04. zu einer Demonstration gegen Polizeiwillkür und für eine freie Fankultur aufgerufen. Rund [...]

     
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