Wir wir Fortuna-Fans die Krankfurter in Grund und Boden sangen
Zwietracht Krankfurt vs F95 1:1
Jede Auswärtsfahrt ist wie die Folge einer nie endenden Fernsehserie. Die Geschichte dreht sich immer um dasselbe, und die meisten Figuren und Darsteller kennt man. Und trotzdem ist jede Geschichte anders. Gestern war es zum Beispiel die triumphale Rückkehr der glorreichen Fortuna aus Düsseldorf ins Frankfurter Waldstadion. Nach 15 Jahren. Und es fühlte sich, uh, ah, sooo gut an! Da mussten wir gar nicht mehr extra singen “Wir sind die Fortuna. Wir sind wieder da!” – wir sind es einfach. Wir gehören wieder dazu. Niemand fragt dich, wenn du einen F95-Aufkleber am Auto hast “Ach, gibt’s die Fortuna noch? Wo spielt die denn?” Niemand belächelt oder bemitleidet dich. Manche Nicht-Fortuna-Fans fürchten dich, manche mögen dich. So wie das bei einem Traditionsverein sein sollte. Und, lieber Fortuna-Anhang, vergiss nicht: Es waren wir, die Fans, die diesen wunderbaren Verein am Leben gehalten haben in den matschigen Jahren! Keine Oberbürgermeister, Funktionäre oder Sponsoren: Genau WIR waren das. Weil wir nicht aufgehört haben, an diesen Verein zu glauben. Weil wir hingegangen sind, als es oft sehr weh tat. Weil wir Benefizspiele organisiert haben, weil wir Geld besorgt haben. Weil wir jede dieser Mannschaften, die unsere Farben tragen durften, volle Kanne unterstützt haben. Und das gestern war eines der sicht- und fühlbaren Resultate dieser Treue und dieser nie endenden Unterstützung. Vergesst das nicht. Amen.
Und wie schon in Kassel zig Busse aus der schönsten Stadt am Rhein ausschwärmten, so war auch gestern die Autobahn stellenweise sehr rot-weiß. Da wurde gar nicht viel darüber diskutiert, ob man nun gewinnen könne oder müsse. Da war vor allem Vorfreude auf dieses Ereignis. Und ich sage euch: Bald werden wir auch in das Westfalenstadion einziehen, in die Schalke-Arena, in das Stadion des HSV (wie immer das dann gerade heißen wird), in das Müngersdorfer Stadion und die stinkende Hütte der ostholländischen Kinderpferdefreunde. Wir werden immer mehr werden, nicht “nur” 4.000 wie gestern abend. Und so wird die Fortuna ein Symbol werden, ein Leuchtturm für andere Vereine, für die Fans anderer Clubs, denen es gerade nicht so gut geht. Sie werden von uns lernen können, wie man sich gegen den durchkommerzialisierten Fußball wehren kann – nämlich durch die unbedingte Unterstützung der Mannschaft. Genug salbadert.
Jedenfalls hatte die üblichen Vollhosenträger gerüchtet, ui, die pösen, pösen Frankfurt-Ultras (oder waren’s Hooligans) wären darauf aus, uns massenweise abzuschlachten. Ja, es gab Stimmen, die rieten ab, Frauen, Kinder und Greise mitzunehmen. Immerhin sammelte die hässliche hessische Polizei uns an der legendären Raste Medenbach ein, um die zig Busse aller Größen, Formen und Farben über 30 Kilometer ins Waldstadion zu eskotieren, das ja jetzt Kommerzarena (oder so) heißen muss. Kenner wussten schon, dass die Straßenverkehrssituation rund um diese legendäre Kampfbahn eine Katastrophe ist. Und so fuhren die Busse eine Riesenschleife, um dann auf einer Schotterwüste unterhalb des Stadions abzuparken. Man hätte im Prinzip nur einen Hügel erklimmen müssen. Aber, nein, man führte uns – übrigens ohne jede Fan-Trennung, was immer wieder den Glauben an ein friedliches Beieinander von Fußball-Freunden weckt – außen rum. Durch die erste, durchaus freundliche Abtastung und dann über einen verwunschenen Waldweg hoch zum Platz hinter den Stehblöcken. Ein Scharmützelchen wurde von den Schwarz-Cops gleich unterbunden. Einer von denen, der mit seinen langen, blonden Wuschelhaaren ein bisschen aussah wie Sascha Henn seinerzeit, rempelten einem F95-Freund das Bier aus der Hand. Als der sich beschwerte, brüllte ihn der Bullizist an, er solle die Schnauze halten und gefälligst gerade gehen. Na ja, wer sich für so einen Beruf freiwillig entscheidet…
Wie gesagt: Weiterhin keine Fan-Trennung. Und dass obwohl sich schon die etwas härteren Kaliber beider Seiten kreuz und quer über den Weg liefen. Vor dem Betreten des Blocks wurde nochmal abgetastet. Im Waldstadion terrorisiert ja auch dieser Caterer des Grauens das durstige und hungrige Volk. Nur muss im Kommerzstall sogar so eine bescheuerte Bezahlkarte erwerben – eine Erfindung, die unseren Herrn Jesus sicher statt in den Tempel ins Stadion getrieben hätte, um die Tische dieser Wucherer umzukippen. Zum Glück gab’s direkt an den Aufgängen zu den Blöcken 20 und 21 zwei (in Worten: ZWEI) Schalter, an denen man in bar zahlen konnte. Die Bockwurst war lecker, die Rindswurst im Vergleich zum legendären Pendant des legendären Metzgers Gref-Völsing ein Skandal. Und auch der ausgeschenkte Äppler war keiner von der leckeren Sorte. Da griff man doch lieber zum Pils.
Wie gesagt: 4.000 Freunde der Fortuna waren gekommen, füllten die Stehblöcke bis auf den letzten Platz und verteilten sich im zugehörigen Oberrang sowie auf der Tribüne. Natürlich blickten wir zunächst ehrfurchtsvoll auf die berühmte Wand der SGE-Kurve. Aber: Die kochen auch nur mit Wasser. Schön die kurvenfüllende Choreo mit verschiedenfarbigen Luftballons. Aber das war’s auch schon mit dem Super-Support. Wer hätte gedacht, dass die Krankfurter nach dem Ausgleich support-technisch keinen Fuß mehr auf die Erde kriegen? Und schön zu lesen, dass wir den Respekt der aktiven Eintracht-Fans mit unserem Auftritt gewonnen haben.
Im Getümmel hatte ich meine Busfreunde verloren und stand bei Menschen, die ich vorher nicht kannte. Das mache ich jetzt immer so, denn nur so lernt man neue, poseteff Bekloppte der rot-weißen Fraktion kennen. Auch wenn der ältere Herr mit der großen Leibesfülle und Stimme in der ersten Halbzeit nach guter, alter Fortuna-Art nur am Schänge war (“Jib doch ab, du Labbes!” “Nu scheeß doch!” “Wenn isch den Weber schon seh…”), die Leistung unserer Jungs drehte auch den um und machte ihn zum ausgelassenen Euphoriker, der mir (ich werde demnächst 59) die Wangen täschelte wie der gute Onkel dem kleinen Jungen.
Das Stadion ist schön, der Stehblock prima. Man sieht sich um und überall blinken bekannte Gesichter aus der Menge. Da winkt man Lars Pape zu, dem Schöpfer des besten Fußballfilms aller Zeiten (“Warum halb vier” – Guckbefehl!!!), der mal eben aus Berlin rüberkommt und nach dem Spiel zurückreisen wird. Da steht der liebe Michael Kelleners ein paar Stufen unter einem, und über allem thront die Alte Garde auf dem Balkon. Und alle wollen eins: Rot-weiß, olé, wir wolln euch siegen sehn. Wir holn uns die drei Punkte. Weil wir immer zu dir stehn.
Leider sah es nach dem Anpfiff danach überhaupt nicht aus. Die Herren von Trainer Norbert Meiser agierten hypernervös, und der Herr Weber war noch dabei seine Unterwäsche zu ordnen, als über seine Seite ein Angriff lief. Daraus wurde eine Flanke, die flatterte (die Experten, die das Spiel vor den Fernsehempfängern verfolgt hatten, streiten sich noch darüber, ob der Herr Weber den Ball abfälschte oder nicht), sodass der aus Herne gebürtige Herr Ratajczak die Pille mit einer Hand an der Einhüttung hindern musste, wodurch diese auf dem Hirn eines gewissen Herrn Jung landete und von dort in so hohem Bogen abprallte, das sie den zaudernden Jojo van den Bergh UND unseren Torwart überquerte und in die Hütte tropfte. Es stand also 1:0 nach nicht mal drei Minuten.
Das erhöhte die Blankheit der Nerven unserer Jungs so sehr, dass der liebe Luki beim Abwehrversuch ausglitt, was einem gewissen Fanis Gekas erlaubte, frei auf ebenjenen Herr Ratajczak zuzurennen. Allerdings hat der alte Grieche ein offensichtliches Konditionsproblem, weshalb ihn der kurze Sprint so ermüdete, dass er diese 93,4-prozentige Schangse vergeigte. Wie der ohnehin überschätzt wird, den Fußballspielen ist nicht so seins. Der ist am Ball außerhalb des Strafraums noch schlechter als dieser Gomez…
So blieb es bei dem 1-Tor-Vorsprung der Krankfurter, und die Fortuna berappelte sich zur Pause hin so weit, dass mindestens zwei, drei brutalstmögliche Einschussmöglichkeiten entstanden … und wieder vergingen. Waren die Zwietrachtler bis etwa Minute 35 die klar bessere Truppe, änderte sich das in der zweiten Halbzeit aber sowas von. Vielleicht war es ja wirklich das Gefühl, auf diese gewaltige Mauer eigener Fans zuspielen zu können, dass die Herrn, die im gelben Leiberl antraten, beflügelte. Jedenfalls war das mehr als nur Kampf, was die Fortuna-Kicker da boten. Es gab Spielzüge vom Feinsten, ganze One-Touch-Passagen, und wenn der wunderbare Maxi Beister manchmal einen Dreh weniger gehen würde, dann hätte es schon viel früher hinter dem SGE-Keeper Nikolov geklingelt.
So aber dauerte es bis zur 54. Minute. Als das Ding drin war, explodierte der Block. Natürlich gab es wunderbare Bierduschen, aber auch Umarmungen, Küsse, Abklatschungen, Ringelreihen, und bei einer Dame in der Nähe sah ich sogar Tränchen. Und als ob das alles nicht reichte, drehten unse Jungs danach auf wie diese alte Vettel im Autorennspocht. Dann brachte der Trainer auch noch die kleinen Herren Kruse und Ilse, und dann wurden die Krankfurter (und vor allem und leider auch unser Bamba, der in MG nicht glücklich wurde [wie auch in dem Kacknest?] und auch in FFM nicht glücklich werden wird, weil er eigentlich zu uns gehört…) bisweilen ausgespielt. Gäbe es zu diesem Kindergarten einen knipsenden Torbomber, wir würden die zweite Liga einfach kaputtspielen.
Verlieren wir ein, zwei Sätze zu den Schiedsrichtern. Ja, unsere liebe Bibi Steinhaus spielte die vierte Offezjelle. Das war dann auch schon das einzig Positive zu diesem Thema. Denn der Herr Hartmann bot eine unterirdische Leistung, wobei man nicht mal sagen kann, dass er NUR die Fortuna benachteiligte. Gut, mindestens das Foul an Bröker (??. Minute) war ein glasklarer Elfer. Das Ding gegen Maxi Beister musste man ebenso wenig pfeifen wie die von den Frankfurter Zuschauern heftig bepfiffene Sache auf der anderen Seite. Dass aber dieser Armin Veh, dieser nachgewiesene Loser-Trainer, dem noch was gelungen ist außer dem zufälligen Meistertitel des VfB Stuttgart, an dem er den kleinesten Anteil hatte, dass also dieser Unsympath meint, sich am Schiri abarbeiten zu müssen, ist mehr als peinlich. Diese Nase soll froh sein, dass sein Haufen nicht verloren hat.
Ich sag euch, das Spiel war anstrengend, und ich fühlte mich auf dem Rückmarsch zum Parkplatz, als hätte ich selbst gespielt. So verschlief ich die Rückfahrt mit sehr schöner Jazzmusik aus dem MP3-Walkmann, und gegen 2:00 waren wir dann auch wieder heil zurück von dieser wunderbaren Auswärtstour, bei der wir dem Frankfurter Waldstadion mal gezeigt haben, wo genau der Hammer hängt.
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Sehr schöner Bericht.
Sehr schön übrigens auch, dass während der Fernsehübertragung stellenweise nur die Fortuna zu hören waren :-)
“Fortuna-Fans” – wieso gibt es hier eigentlich keine Editierfunktion?
Gibt’s die nicht? ;–))
Ich kümmer mich drum.