Formel 1: Grandprix von Singapur
Im Fitness meines Vertrauens hängen – wie das heute so üblich ist – flache Fernseher von der Decke herab, und wenn ich auf dem Stepper stehe, schaue auch auf das, was der jeweilige Trainer da hinauf beamen lässt. Heute war es der Formel-1-Lauf in Singapur. Oder es schien jedenfalls so. Denn vor wenigen Tagen sah ich auf irgendeinem durchgeknallten Musiksender die Reklame für ein PS2-Spiel “Formula One”. Die Bilder sind denen des Nachtrennens in der rigiden Asia-Metropole verdammt ähnlich. Vielleicht handelte es sich bei dem, was ich da heute beim Sporteln sah, aber auch tatsächlich um den Prototyp einer noch besseren Variante.
Anscheinend hat sich der Rennsport in eine ähnliche Richtung entwickelt wie das Investment-Banking: Es kommt nicht darauf an, dass es echt ist, es muss bloß so aussehen. Da sind meine frühkindlichen Erinnerungen an Autorennen im Fernsehen aber deutlich anders. Ja, liebe nach 1967 Geborenen, schon vor eurer Inweltsetzung gab es Autorennen, und die waren noch aus anderem Holz geschnitzt als das virtuelle Plastikzeug von heute. Ich erinnere mich zum Beispiel sehr genau an den 07.05.1967 als der geniale Fahrer Lorenzo Bandini beim Grandprix von Monaco verunglückte, sein Wagen verbrannte und er wenige Tage später seinen Verletzungen erlag. Wir sahen das Auto brennen, und ich war so aufgewühlt, dass ich aufstand, auf die Straße ging und herumlief, um das Bild loszuwerden. Damals waren die Bilder noch mächtig.
Damals waren die Rennfahrer noch richtige Menschen, keine gentechnisch manipulierten Fahrroboter, von denen ein Teil in geheimen Labors in der Nähe der sinnlosen Ansiedlung Kerpen gezüchtet werden. Jedem Formel-1-Fan heutiger Tage empfehle ich den Spielfilm “Grand Prix” von 1966 mit Yves Montand in einer der Hauptrollen. Obwohl es sich um Kino handelt und der Regisseur etliche Tricks benutzte, ist der Streifen näher am Wesen des Autorennsports als jede Live-Übertragung von RTL mit ihren bescheuerten Kommentatoren.
Zumal Rennsport damals noch etwas war, das fast jeder betreiben konnte. Und sei es nur mit dem VW Käfer beim Autoslalom. Wir waren dicht dran am Renn-Feeling, und bei den legendären Flugplatzrennen – z.B. in den Siebzigern in Delmenhorst – war man mittendrin statt nur dabei. Heute klemmen sich die Jungs virtuelle Lenkräder an ihre IKEA-Schreibtische und rasen mit virtuellen Autos auf dem Monitor immer rundherum. Wie ärmlich…
RSS-Feed für Kommentare zu diesem Artikel.
|
Trackback-URL