Rheinstadion Düsseldorf - Südkurve aktuell

F95 vs Rot-Weißwasich 4:0

f95_ahlenDa stand ja immer noch eine 5:1-Klatsche im Raum. Denn am 26.04.2008 gewann das Retortenklübchen aus dem langweiligsten Winkel des Münsterlandes mit genau diesem Ergebnis gegen die glorreiche Fortuna. Okay, beim Spiel unserer Jungs in diesem Stadionsurrogat an einem übelriechenden Bach namens Werse gab’s schon mal eine Teilrache. Und heute kriegten die Söldner aus der Provinz noch mal eins drüber. Das dürfte dann auf längere Zeit das letzte Mal gewesen sein, denn mit ziemlichem Recht sang die Kurve: “Wir singen: Ahlen, Ahlen, dri-hi-tte Liga, oh, ist das schön, euch nie mehr zu seh’n”. Auch wenn das ziemlich arrogant tönte, es dürfte die Wahrheit sein, weil ein abgestiegenes RW Ahlen wohl so schnell nicht wieder aufsteigen wird. So, und dann gibt es noch was zu feiern:

Mit dem heutigen Heimspiel hat das Team von Kopfnuss Meier den vierzigsten Punkt eingeheimst und ist damit für diese Saison unabsteigbar geworden. Das heißt: Saisonziel erreicht, jetzt kann nach oben korrigiert werden. Werfen wir einen Blick zurück auf den vergangenen Sonntag, dann scheint es so, als sei die Pupsburger Augenkiste die einzige Mannschaft, die wirklich besser ist als die Fortuna. Sowohl der 1. FC K-Region, als auch die (Achtung! Spochrepochtersprech!!!) “Kiezkicker” müssen noch im Rheinstadion vorspielen und sind schlagbar. Sowohl die Streifenesel, als auch die Bielefaker haben wir schon geputzt. Heißt: Im schlechtesten Fall wird F95 am Ende Fünfter. Das wäre doch mal ein realistisches Saisonziel. Dazu noch – auf speziellen Vorschlag meines Blockkumpels Michael – eine makellose Heimbilanz ganz ohne Niederlage.

Hach, das ist ja schon fast langweilig. Kann aber auch lustig sein. Zumal wenn der Mannschaft in Vollrot heute knapp 40 Minuten besten Fußballs reichten, um die Leute vor Ahlen-Keeper Kirschstein abzufieseln. Wo doch der Torhüter, denn dem RWA in den letzten Wochen mehrere Punkte gesichert hat, heute mit einer Fehlreaktion das 2:0 einbrockte.
Bleiben wir chronologisch. In den ersten 25 Minuten erschien die Tuna voll von der Rolle. Irgendwie kamen die Herren nicht ins Spiel, was auch daran lag, dass die Ahlenser in der Defensive ziemlich klasse standen und unerwartet viel Druck nach vorne machten. Tatsächlich hatten die Kollegen vom grippekranken Käpt’n Lumpi bis zur 22. Minuten keine (in Worten: NULL) einzige Torschangse. Es sah fast ein bisschen so aus wie Fortuna früher. Grund zur Sorge war das noch nicht, weil die zukünftigen Absteiger vorne nicht wirklich gefährlich waren. Apropos Andreas Lambertz: Sein Fehlen hat man gemerkt heute; er ist es, der durch sein oft bewundertes, manchmal belächeltes Ackern und Wühlen die Dynamik in unser Spiel bringt. Marco Christ ist im Vergleich ja geradezu ein Analytiker am Ball…

Dann gab der unauffällige, gute, wenn auch nicht fehlerfreie Schiri Gagelmann zu Recht einen Freistoß für die Fortuna, etwa zwei Meter links oberhalb der rechten Strafraumecke. Christ zirkelte, und Bamba rannte den eingeübten Weg in den Fünfer, um die Pille dort per Kopf rechts unten zu versenken. RW-Trainer Hock kann da kaum einem seiner Mannen einen Vorwurf machen, dem Tormann schon gleich gar nicht.
Das 1:0 brachte dann die in Pampers-Weiß angetretenen Ahlinisten von der Rolle. Hypernervös und ein bisschen hektisch reagierten die jetzt. Der (Achtung! Spochtrepochtersprech!) “erfolgreichste Aufsteiger” gewann dagegen Sicherheit. Die steigerte sich noch einmal, als der Herr Oehrl den Ball auf der linken Seite bekam, auf den Torhüter zurannte und auf die kurze Ecke zielte. Die Kugel kam präzise und Kirschstein zu spät, ja, man kann schon von einem Torwartfehler sprechen. Wobei das Versagen der gegnerischen Keeper ja langsam zur Tradition wird (gell, Herr Starke?).

Nun war bei den Weißgewandeten Polen offen (Darf man das noch sagen?), die Konzentration weg, ein bisschen auch der gute Wille und vor allem der Blick für die Situation. Sonst hätte die vereinte Defensive irgendwas unternommen, als ein wunderbarer Steilpass des nämlichen Herrn Oehrl unseren Torschützenkönig erreichte und Martin Harnik eine blitzsaubere Bude machte. Das war kurz vor der Halbzeit.

Jedem halbwegs mit Fußballverstand ausgestatteten Anwesenden war natürlich klar, dass das nach der Pause nicht einfach so weitergehen würde mit den Toren. Insofern nahm es nichtweiter wunder, dass die RWAsten noch einmal versuchten, im Rahmen ihrer beschränkten Möglichkeiten erfolgreich zu werden, während unse Jungs mehr so den Spaßfaktor im Auge hatten. Nehmen wir mal den Herrn Ratajczak, der zwei-, dreimal spektakuläre Flüge ausübte, wo auch ein einfach Ballfangen gereicht hätte. Oder so Sachen wie einen Hackentrickpass oder überhaupt schwerst ambitionierte Kombinationen. Das war dann teilweise schon ziemlich frech. Und dann haute die eingewechselte Heidi in der 68. Minuten auch noch das 4:0 rein, wobei er einer von dreien war, die mehr oder weniger frei standen. Da hatten die Buben aus der Provinz endgültig kapiert, dass für sie in der Landshauptstadt kein Büffet aufgebaut war.
Alle ergaben sich dann in Spielerei. Spannung war weg. Das benutzten die Insassen der Südkurve für lustige Singspiele. Niko und die Ultras intonierten mit Inbrunst das (auf Dauer öde) “Forza Fortuna”, während aus dem 40er – vermutlich angezettelt von der Alten Garde – “Ole´, olé” erscholl. Das passte nicht so gut zusammen, sodass es das Herz der Kurve mit was anderem probierte. Nun hatten die Ultras spitzgekriegt, welcher Hase lief, und die Jungs & Mädels beharrten auf ihrem Song. Und plötzlich, ganz plötzlich mischten sich die Gesänge aufs Feinste, und alle waren’s zufrieden. Wie überhaupt die Block 40 für den Gesamtsupport immer wichtiger wird und sich jeder Singwillige nur wünschen kann, dass die Rollenverteilung zwischen Ultras und Oldschool-Freunden immer so gut klappt wie in der letzten Viertelstunde heute.

Nachher übernahm der Herr Christ das Mikro auf dem Rasen und ließ seine Lieblingshits singen. Eigentlich war niemand mehr so richtig scharf auf die olle Humba, aber wer kann schon einem Marco Christ widerstehen?
.


» Spielbericht von Rainer Bartel am 19.02.10 um 22:02 » in Kategorien: Fortuna,Sport » 1,020 x gelesen » 2 x kommentiert
»   

  1. …Retortenklübchen, Stadionsurrogat , übelriechenden Bach namens Werse , Söldner aus der Provinz, Pupsburger Augenkiste, Pampers-Weiß …
    Also wenn Sie dafür nicht den Pulitzer-Preis bekommen, dann weiß ich es auch nicht.

    Schöne Grüße aus Vohwinkel
    Kloakentaler

    [Antwort]

    Rainer Bartel Antwort vom 21.02.10 13:52:

    Danke für die Blumen. Leider kann ich mich nicht selbst für den Preis vorschlagen. Das müssen schon meine Fans tun ;–))

    [Antwort]

     
    Kommentar von Kloakentaler am 20.02.10 um 14:55

RSS-Feed für Kommentare zu diesem Artikel.  |  Trackback-URL







Diese Tags sind möglich: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>



blogoscoop

Switch to our mobile site