Medien glauben Fanbeauftragten, dass Pyro gefährlich ist...
Fußball muss brennen – reloaded
In diesem Blog wurde schon die eine oder andere Lanze für die Schönheit pyrotechnischer Effekte als Ausdruck der Lebensfreude und der Unterstützung von Fußballern durch ihre Fans gebrochen. Viel Interesse fand vor allem der Gastbeitrag des Kollegen Celtic aus dem vergangenen Oktober. Tenor dieser Artikel: Fußball muss brennen. Auch wenn das Abbrennen von Seenotrettungsfackeln und Rauchpulver sowie das Abschießen von Leuchtkugeln keineswegs eine lange Tradition hat, gehört es mittlerweile doch zu der Fankultur, in deren Zentrum die unbedingte Unterstützung der eigenen Mannschaft steht. Nun ist es vor etwas mehr als einer Woche zu einem schlimmen Unfall gekommen, als völlig verblödete FCN-Anhänger meinten, mit dem Anzünden von Magnesiumpulver noch heller zu leuchten. Insgesamt acht Anwesende wurden verletzt, drei davon schwer, und einer von diesen liegt nach wie vor im Krankenhaus – ihm droht die Amputation eines Unterschenkels. Wäre ich ein Freund von Verschwörungstheorien, müsste ich glauben, dass es ein Agent Provocateur der DFL war, der dieses Unheil angerichtet hat.
Denn der Vorfall spielt der Ligenmafia in ihrem Versuch, dem Fußball seine spezifische Kultur zugunsten der Entertainment-Industrie auszutreiben, in die Karten. Dabei war es erst das Verbot von Pyrotechnik und die Einführung schwerer Sanktionen, die das starke Leuchten auf den Rängen gefährlich machte. So lange das Abfackeln von Bengalos toleriert wurde, hielten mehr oder weniger mutige und/oder erfahrene Fans die Fackeln stolz in die Höhe; seitdem Zündler mit Stadionverbot oder gar zivilrechtlichen Folgen bedroht werden, werfen diejenigen, die das Licht entzündet haben, den brennenden Stab rasch zu Boden, um nicht mit dem Brennen in Verbindung gebracht zu werden. Ein Bengalo, der unkontrolliert zwischen den Beinen der Leute sprüht und glüht, ist natürlich um ein Vielfaches gefährlicher als einer, der empor gereckt wird.
Wie gesagt: Entweder ist der Zündler des Magnesiums in Bochum ein völlig hirnfreies Arschloch oder von der DFL geschmiert. Denn nun haben die Säcke, die am Tod des Fußballs wie wir ihn kennen arbeiten, endlich die Verletzten, mit denen sie die Kampagne contra Pyro beschleunigen und verschärfen können.
Fanbeauftragte als Helfershelfer
Als willige Helfershelfer haben sich dieser Tage die so genannten “Fanbeauftragten” der Erst- und Zweiligaclubs erwiesen. Die sind nicht – wie einige Journalisten ihre ahnungslosen Leser glauben machen wollen – Vertreter der Fans, sondern Angestellte der Vereine mit der Aufgabe, die nicht stromlinienförmigen Fans – allen voran die jeweiligen Ultras – zu zähmen. Diese Funktionäre haben nun einen Offenen Brief erarbeitet und publiziert, der – richtig gelesen – die ganze Sache als abgekartetes Spiel entlarvt. Der Text beginnt mit folgenden Sätzen:
Woche für Woche begleiten Tausende von euch ihre Mannschaften zu Heim- und Auswärtsspielen. Ihr unterstützt euer Team lautstark, kreativ und farbenfroh. Wir als Fanbeauftragte wünschen uns diese Form der Fankultur und unterstützen diese nach besten Kräften. Leider werden unsere und auch eure Bemühungen durch verschiedene Zwischenfälle in den vergangenen Monaten mehr und mehr ad absurdum geführt. Pyrotechnik, zunehmende Gewalt, gegenseitiges Berauben und das anschließende Präsentieren der geraubten Fanartikel sind Fehlentwicklungen, die wir nicht wünschen und die uns zunehmend Sorge bereiten. Vor allem Teile der Ultra-Szenen schaden dadurch sich selbst und am Ende allen Fans.
Wenn die “Fanbeauftragten” zunächst verkünden, sie fänden “lautstark, kreativ und farbenfroh” ganz toll, um dann ein paar Zeilen weiter “Pyrotechnik, zunehmende Gewalt, gegenseitiges Berauben und das anschließende Präsentieren der geraubten Fanartikel” in einen Satz zu packen, reihen sie sich ein in die Phalanx derjenigen, die mit voller Absicht Hooligans und Ultras gleichsetzen. Das “Abziehen” von Schals und Fahnen als “Berauben” zu bezeichnen, entspricht zu 100% der Politik von DFB und DFL.
Dass diese Beauftragten diesen Vereinigungen nach dem Mund reden, nimmt nicht weiter wunder. Denn – von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt – die DFL arbeitet gerade methodisch an der Zähmung der aktiven Fans. Die “Fanbeauftragten” sind gehalten, für die Einrichtung von “Fanabteilungen” in den Vereinen nach dem Muster z.B. des HSV zu agitieren. Das bedeutet, dass die Fans offiziell nur noch dann Gehör finden, wenn sie Vereinsmitglieder sind und so zur jeweiligen “Fanabteilung” zählen. Diese Abteilung bekommt einen oder mehrere Sitze in den Führungsgremien, aber in keinem Fall so viele, dass deren Vertreter ernsthaft Einfluss auf die Vereinspolitik nehmen können. Der Versuch, mehr Macht zu erlangen wird – auch dies ein Beispiel des HSV – durch massives Einschalten der willigen Medien, durch Propaganda und Mauscheleien unterbunden. So gelang es den HSV Supporter, mit über 40.000 Mitglieder immerhin die größte Abteilung innerhalb des Vereins, vor einem Jahr nicht, fünf von zwölf Aufsichtsräten zu stellen und dem selbstherrlichen Boss Hoffmann so die fanfeindliche Arbeit zu behindern.
Natürlich agieren die “Fanbeauftragten” auch im eigenen Interesse, denn das Modell “Fanabteilung” führt in der Regel dazu, dass mehrere hauptamtliche Beauftragte beschäftigt werden – und für manche Leute ist das ein gut bezahlter Traumjob.
Und dann geht der Offene Brief ganz in die Abteilung Propaganda über:
Das Beispiel der Fans des 1. FC Nürnberg beim Auswärtsspiel in Bochum hat vielen die Augen geöffnet: Pyrotechnik ist kein harmloses Stilmittel, um der Kurve Farbe zu geben. Pyrotechnik ist hochgefährlich und fordert seit Jahren Verletzte im Fußball.
Die Verletztenlüge
Dass Pyrotechnik seit Jahren Verletzte im Fußball fordert, ist eine Lüge. Was am 27.02.2010 im Bochumer Ruhrstadion geschehen ist, steht vorbildlos in der Geschichte des europäischen Fußballs. Im Gegenteil: In den österreichischen Ligen wird das Abbrennen von Benaglos seit Jahren toleriert. Das Durchforsten des Internets zu diesem Thema führt zu keinem einzigen Beitrag über verletzten Fans in den Ösi-Stadien. Ähnliches gilt für die anderen Länder, in denen Pyrotechnik erlaubt oder toleriert wird (z.B. Italien, Russland, Kroatien, Serbien, Türkei, Griechenland). Verletzte durch Fackeln, Leuchtkugeln, Rauch oder Böller gibt es immer dann, wenn diese Mittel nicht als Zeichen des Supports, sondern als Waffen gegen gegnerische Fans verwendet werden. In griechischen und türkischen Stadien werden bei wichtigen Spielen von den Ultras bisweilen Choreografien mit Hunderten bengalischer Lichter, riesigen Rauchwolken und Dutzenden Feuerwerksraketen veranstaltet, die bis zu einer Viertelstunde dauern – außer ein paar Brandblasen an den Fingern gibt es keine Verletzungen. Jedenfalls finden sich in ganz konkreten Fällen, in denen Ihr sehr ergebener Berichterstatter die Spielberichte von Partien mit großen Pyro-Choreos durchforstet hat, keine Hinweise auf Verletzte. Das gilt ganz besonders auch für Österreich; jeder kann sich durch zehn Jahre Spielberichte der ersten Ösi-Liga wühlen und diese Aussage prüfen.
Ein Sprecher des Bündnis aktive Fußballfans (BAFF) wurde vor der WM 2006 gefragt, was denn unter gefährlichen Gegenständen im Stadion zu verstehen ist. Er antwortete:
Thermoskannen, Akkubatterien, Feuerzeuge, Handys und Kameras und andere typische Wurfgegenstände, Fahnenstangen, Transparente wegen der Brandgefahr, Lederjacken und Stiefel, und so weiter. Im Stadion verbotene Pyrotechnik, zum Beispiel Bengalos, also Leuchtfackeln, oder Rauchpulver verursachen bei sachgerechter Handhabung keine Verletzungen. Durch Verbote werden Bengalos natürlich nicht, wie es sein sollte, am ausgestreckten Arm kontrolliert abgebrannt, sondern angezündet und weggeworfen. Erst dadurch entsteht wirklich eine Gefährdung. Rauchpulver unter dem Dach gezündet, so dass der Qualm nicht abziehen kann, ist nicht nur für das Publikum mit Atemwegserkrankungen gefährlich. Vorkommnisse, dass Bengalos in den letzten Jahren einen Fußballfan verletzt haben, sind uns aber nicht bekannt. [Quelle: satt.org vom Frühjahr 2006]
Vernünftiger Pyroeinsatz
Halbwegs vernunftbegabte Pyro-Befürworter plädieren daher dafür, dass Fans sich offiziell als Bengalo-Halter registrieren lassen und dann legal leuchten können. Schließlich müssen auch die Halter und Schwenker von Fahnen einen “Fahnenpass” beantragen, wollen sie ihre Jubelmittel – so diese bestimmte Maße überschreiten – im Stadion einsetzen. Diese Pyro-Fans sind zudem für einen Kodex, der u.a. folgendes besagt:
- Keine Böller! Knallkörper sind weder im gefüllten Block noch auf dem Rasen wirklich ungefährlich und können allein durch den Krach zu Verletzungen führen (siehe Knallschaden am Ohr von Torhüter Georg Koch, der seine Karriere beendete).
- Nichts aufs Spielfeld! Das Werfen von Fackeln, Böllern etc. aufs Spielfeld gefährdet Spieler, Schiris und alle Leute, die da unten arbeiten.
- Nichts in fremde Blöcke! Bengalos dürfen nicht als Waffe missbraucht werden; sie dienen dazu, die eigene Mannschaft zu beflügeln, nicht gegenerische Fans zu bekämpfen.
- Gutes Material! Gefackelt werden nur Bengalos und Leuchtstifte, die als Signalelemente für den Notfall entwickelt wurden, hergestellt und getestet werden; Rauchpulver muss Qualm erzeugen, der beim direkten Einatmen nicht gesundheitsgefährdend ist.
- Keine Experimente im Stadion! Neues Material oder irgendwelche Chemikalien werden nicht im Stadion ausprobiert, sondern an einem Ort, wo sie keinen Schaden anrichten können. Erst wenn sich deren Ungefährlichkeit erwiesen hat, kann das neue Zeug eingesetzt werden.
- Leute warnen! Früher war es guter Brauch, den Umstehenden mitzuteilen, dass gleich gezündelt wird, und ihnen Zeit zu geben, den Platz zu wechseln, falls sie dabei nicht in der Nähe sein wollen.
[Bildquelle: www.WarumHalbvier.de - die Website zu diesem wichtigen Dokumentarfilm über den Fußball und seine wahren Fans]
Ohne Pyro kann ich auch leben! Es gibt einfach zuviel Schwachmatten die damit halt eben nicht umgehen können. Wenns sein muss, halt vorm Spiel unten vorm Zaun im Innenbereich.
Die Hauptsache ist immer noch der Fußball, oder?