Wolken, Splitt und große Kälte
Was ist Berlin? Ein Moloch (was auch immer da sein mag…)? Ein einziger großer Hundehaufen? Schmuddelig, desorganisiert, feindlich? Oder doch eene Wolke? Ich weiß es auch nicht, denn jedes Mal kommt mir diese Stadt ganz anders vor, und ich kann final nicht bestätigen, dass ich Berlin mag. Das liegt einerseits an den Insassen. So ziemlich jede Form von Arschloch ist da in Mengen vertreten – vom Yuppie über den Spießer bis zum bildungsfernen Migranten mit Gewaltabsichten. Nett sindse jedenfalls in Mehrheit nicht. Dafür sind sie viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt: mit dem Lebenserhalt oder dem Aufbau und der Pflege des sozialen Statusses. Das ist unangenehm für Fremde, aber in vielen großen Städten nicht anders. Anderserseits sind Stadtplanung und Architektur eine einzige riesige Katastrophe. Was Nazibaumeister verunstaltet und Bomben nicht zerstört haben, ist entweder ockerpissgelb angemalt oder missgestaltet. Jeder Narziss unter den Stararchitekten hat hier ein Gebäude an einen Baum gepinkelt, und der Postdamer Platz ist ein Extrembeispiel für gewalttätige, menschenfeindliche Brutalarchitektur.
Mir persönlich gefällt die Foster’sche Kuppel auf dem monströsen Reichstag. Die vom fetten Kohl befohlene Regierungsbebauung ist dagegen von der Ästhetik her eindeutig neofaschistisch. Wie Berlin den Faschismus der Nationalsozialisten ohnehin von allen deutschen Städten am wenigsten verarbeitet hat. Dass ausgerechnet hier die wunderbarste (ja, genau dieses Wort muss hier im Zusammenhang mit der Ermordung von Juden durch Faschisten sein!) Gedenkstätte zum Holocaust entstanden ist, darf als Großtat der nimmermüden Lea Rosh gewertet werden, die sich dem vertuschenden Mainstream der Spätbegnadeten a la Lügenkohl widersetzt hat. Dass das Mahnmal für die Faschismusopfer unter den Schwulen und Lesben nur 150 Meter entfernt liegt, aber kaum Touristen anzieht, hat viele Gründe – einer davon heißt “Homophobie”.
Janz Berlin war in diesen Tagen oben mit schönen, mild hysterischen Wolken bekrönt und unten mit Splitt bestreut. Jeder Schritt knirscht, und auf typisch berlinische Weise wird jetzt über den Umgang mit den Abertonnen an kleinen Steinchen spekuliert. Das Zeuch soll – so der Plan – recycelt werden, damit mit ihm die Tausenden Schlaglöcher verfüllt werden können. Zuvor muss der Schotter gereinigt werden – vor allem die Hundescheiße muss irgendwie raus. Irgendwer meinte: Hey, das wär doch mal n Job für Hartz-IV-Betrüger – Scheiße manuell aus Steinchen klauben. Wenn das die Westerwelle hört – aber der begleitet ja gerade seinen Lebensgefährten auf dessen Akquisetour…
In meinem ehemaligen Job musste ich auch häufig nach Berlin (i. d. R. Auswärtiges Amt oder zu einem Forum während der ITB) und kann nur sagen: Einfach furchtbar! Das eingeborene Volk ist extrem unfreundlich (die haben sich dafür extra den Begriff “Berliner Schnauze” erfunden, welche angeblich aus dem Herzen kommt, sich aber aus dem Urogenital-Bereich erhebt), und die überall platzierte Hundekacke ist weit mehr als ein übelriechendes Gerücht.
Die Krönung für mich war allerdings immer das obligatorische Essen im “De Kölsche Römer”, einer teuren Spelunke, welche nach Eigendarstellung ein “italienisches Restaurant mit rhreinischem Einschlag” sein soll. Für einen geborenen Flingeraner eine echte Qual…