Qualitätsjournalismus á la EXPRESS

Relativsätze und andere Schwierigkeiten

express_orthografieDas kölsche Boulevardklopapier hat einen neuen Webauftritt. Natürlich hat man bei BILD abgekupfert, aber – wie meistens – schlecht. So leidet EXPRESS.de seit Tagen unter Schluckauf inkl. 404-Fehlern. Ohne die Sache zu vertiefen: Ein Blick in den Seitenquelltext macht viele Web-Entwickler herzlich lachen. Was hat man noch verändert? Sagen wir mal so: Alles, was am Design hässlicher gemacht werden konnte, wurde auch hässlicher gemacht – man schaue sich bloß mal das verwendete Rot auf verschiedenen Notebook-LCDs an… Auch inhaltlich haben es die EXPRESSionisten es geschafft, einiges zu verschlimmbessern. Obwohl das Blatt ja auch außerhalb des Kapellenstädtchens gelesen wird, hat man den Fokus noch mehr auf die Merkwürdigkeiten dieses Ortes gerichtet. So muss sich der geneigte Düsseldorfer Online-Leser nun tagtäglich im Aufmacher was vom Äff-Zeh erzählen lassen.

Wäre ich Kölner (Was die höhere Macht verhindert hat; dafür ewigen Dank!) und verfügte ich trotzdem über Bildung und Kultur (Ich weiß, das ist ein Oxymoron…), würde ich gegen den EXPRESS aktiv. Denn die “Berichterstattung” über den zukünftigen Absteiger, die regelmäßige Bejubelung der unterträglichen Band, aus der man Frikassée machen kann, und die ständigen Rotlicht-Berichte schaden ja ganz eindeutig dem Image dieses Ortes, dessen Bewohner in ihrer übelkeitserregenden Daueremotion meinen, sie hätten das “kölsch Jeföhl”, obwohl sie nur unter einer stinknormalen Idioten-Hysterie leiden. Wer nicht in Köln (und Kerpen, Berschheim und wie die inzestiösen Käfer drumherum heießn mögen…) zu wohnen gezwungen ist, wird bei der Lektüre von EXPRESS.de aus dem angewiderten Stauen nicht herauskommen und sich fragen: Eine ganze Stadt als Irrenanstalt?

Was niemand vermuten muss ist, dass der EXPRESS ein journalistisches Produkt ist, denn dagegen sprechen über 80 Prozent der Texte. Man sollte ja annehmen, dass das Beherrschen von Orthografie und Interpunktion zum journalistischen Handwerk zählt. Und bei den meisten Medienprodukten ist das auch so. Nicht aber beim EXPRESS, wo die Schwierigkeiten schon bei Anrisstexten beginnen, die aus lediglich zwei Sätzen bestehen, wovon einer ein Nebensatz ist – und der gehört bekanntlich durch ein Komma vom Hauptsatz abgetrennt. Nicht so bei EXPRESS.de:

Nachdem die Bahn darauf aufmerksam machte das der Kabelsalat am Breslauer Platz erst bei Seite geräumt werden muss, streitet sie jetzt mit der Stadt um die Finanzierung des Ganzen!
[Quelle: EXPRESS.de – Anrisstext zu “Kabel-Streit wird immer bizarrer”

Entsprechend des Regelwerks müsste hinter “aufmerksam machte” ein Komma gesetzt werden, und das “das” danach müsste ein “dass” sein.
Der Kölner an sich wird sich jetzt angegriffen fühlen und rumheulen. Oder behaupten, datt wör dä einzijste Fähler überhaups. Ist er aber nicht. Man prüfe selbst. Auf der verlinkten Seite finden sich wenigstens drei weitere, ähnlich gelagerte Fehler. Wer sie findet, darf sie behalten.

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Folge 7 von 10 in EXPRESS-Watch



» Hinweis von Rainer Bartel am 24.11.09 um 20:54 » in Kategorien: Inland » 317x gelesen » noch kein Kommentar
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