Unter solchen Bedingungen bist du bestens beraten, aus der Stadt zu fliehen. Nimm die Heerstraße, bieg am Drei-Tankstellen-Eck ab und finde die Potsdammer Chausee. Du wirst durch Groß Glienicke kommen, einer sozialistischen Datschensiedlung, an deren waldigem Ende der Sacrower See angebracht ist. Dort gibt es einen Strand und oberhalb die Terrasse eines italienischen Restaurants mit dem ulkigen Namen “Waldfrieden”. Dort wählst du ein schattiges Fleckchen, entledigst dich weitgehend der Kleidung und schreitest in das stille Wasser. Nach zwei, drei Schwimmzügen ist Berlin ganz, ganz weit weg. Da können dir auch 34 Grad im Schatten nicht mehr viel anhaben.
Dann kommen Freunde. Ihr hockt auf den Badetüchern und plaudert, während die Kinder gar nicht mehr aus dem See kommen wollen. Müssen sie auch nicht, denn es kann ihnen nichts passieren. Später, wenn die Sonne beginnt zu sinken, und der Strand ganz beschattet ist, wechselt ihr auf die Restaurantterrasse. Dort bestellt ihr erstmal große Krüge Alsterwasser oder Weißweinschorlen und ein Mahl nach Wunsch. Dabei lässt sich bestens weiterplaudern. Irgendwann kommen auch die Kinder, kriegen ihre Spaghetti oder Pizza und verhalten sich ruhig.
Der Hund hat ohnehin die ganze Zeit gedöst. Der kriegt das mitgebrachte Futter und ist auch zufrieden. Später müsst ihr leider wieder zurück in die große, verrückte Stadt. Da ist heiß und schwül und staubig. Der Hund leidet zunehmend an Bewegungsmangel. Es ist kühler geworden, und irgendwie muss die tierische Energie raus. Der Köter beschließt, ein ganz tiefes Loch im Rasen zu graben. Den Vermietern, denen du das am nächsten Morgen beichtest, sind wenig erfreut, können ihren Ärger aber fast verbergen. Du lässt die Reparatur auf die Rechnung setzen.
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