Was geht in den Hirnen dieser Automenschen vor, wenn sie am Steuer handyfonieren?
Zu geizig für ne Freisprecheinrichtung
Immer mehr komme ich zu der Überzeugung, dass der Mensch am Steuer – vor allem in Deutschland – zum Outlaw mutiert, wenn er sich in seiner stinkenden Blechkiste eingeschlossen hat. So eine Art Dr.Jekyll-Mr.Hyde-Syndrom. Denn Leute, die im wirklichen Leben liebenswert sind, weil rücksichtsvoll und hilfsbereit, werden auf der Straße zu manischen Egoisten, die keinen Deut auf die körperliche Unversehrtheit geben. Wie sonst könnte es sein, dass sie in Städten systematisch das Rotlicht an Fußgängerüberwegen ignorieren, die Geschwindigkeit nach Belieben überschreiten oder ihre Konzentration während der Fahrt eher einem Mobiltelefon widmen als zum Beispiel spielenden Kindern am Straßenrand? Ich, sagt dee zum Tier gewordene Pkwist, kann mich immer konzentrieren, auch wenn ich was ins Navi tippe oder simse oder telefoniere. Das ist eine dumme Lüge und widerliche Schutzbehauptung: Jeder dritte Autounfall in Deutschland wird durch mangelnde Konzentration des Lenkers verursacht! Und in den meisten Fällen wird der Fahrer durchs Navi oder Handy abgelenkt.
Kürzlich gab es in einer dieser Magazinsendungen bei einem dieser Privatversender einen Beitrag zum Thema. Mehrere Autofahrer fuhren auf einer abgesperrten Strecke mit geringer Geschwindigkeit und wurden aufgefordert, währenddessen ein Ziel ins Navi zu tippen oder ein Telefonat entgegenzunehmen. An einer bestimmten Stelle der Strecke wurde während des Vorgangs ein Ball auf die Straße geworfen. Die Mehrheit der Probanden hat diesen Ball nicht einmal bemerkt! Dann wurde mit einem Augenverfolgungsgerät ermittel, wie lange der Kandidat abgelenkt ist. Beim Navi lag diese Spanne im Mittel bei 70 Sekunden! Bei einer Geschwindigkeit von 30 km/h sind das fast (= 8,3 m/sec * 70) 580 Meter! Eine Dame wurde vom Telefonat so abgelenkt, dass sie das Fahrzeug nicht mehr in der Spur halten konnte, und ein Typ, der sich selbst als absoluten Autofahrprofi bezeichnete, blickte beim Navi-Programmieren sage-und-schreibe ZWEI Minuten lang nicht auf die Straße – bei Tempo 100 wäre er so fast (= 28m/sec * 120) 3,5 Kilometer mehr oder weniger im Blindflug gerast. Und das sind keine Mutmaßungen, sondern nachmessbare Fakten. Auch die Lektüre diverser Unfallberichte spricht eine deutliche Sprache.
Navi-Unfälle
Was die wenigsten Pkwisti wissen: Wer während der Fahrt an seinem Navigationsgerät fummelt, handelt grob fahrlässig, die Versicherung zahlt bei so ausgelösten Unfällen nicht. Wer seinem Navi blind vertraut und, um den Anweisungen zu folgen, die Verkehrsregeln missachtet, wird genau so bestraft wie jeder x-beliebige Verkehrsrowdy. Allein die Zahl der Abbiegeunfälle, die in einer Stadt wie Düsseldorf ohnehin schon einen erheblichen Anteil an Zusammenstößen hat, ist seit 2007 um deutlich mehr als 50 Prozent gestiegen.
Freisprecheinrichtungen
Was ich absolut nicht verstehe, wieso die Autokiller überhaupt während der Fahrt mit dem Handy am Ohr telefonieren. Als ob die Freisprecheinrichtung nicht erfunden wäre. Im Gegenteil: Heutzutage sind die Möglichkeiten, während der Fahrt frei zu telefonieren einfach und billig wie nie. Die mit dem Autoradio gekoppelte Freisprecheinrichtung für mein erstes Mobiltelefon – ein Siemens S10 im Jahr 1997, das ich heute noch besitze und gelegentlich sogar nutze… – brachte einen Aufpreis von fast 1.000 Mark mit sich. Eine Radio/Telefon-Kombi im Astra vom Baujahr 2003, in die eine Zweitkarte gesteckt wurde, kostete den stolzen Aufpreis von 1.200 Euro. Und heute? Wenn überhaupt, dann muss man für eine Bluetooth-Schnittstelle um die 100 Euro hinlegen. Wenn man nicht gleich eine Ohrklemme für sein Handy anschafft, die natürlich auch beim Chauffieren funktioniert.
Am Geld kann’s kaum liegen. Wie sonst wären die Arschgeigen in die fetten SUVs und Sportwagen die Klientel, die man am häufigsten mit der Quatsche am Ohr rumkariolen sieht? Sind die zu geizig? Wo sie – wie ich neulich in Sachen Porsche Cayenne lernte – für Superduperfelgen samt Bereifung pro Rad locker 1.500 Ocken hinblättern… Oder sich – wie ich der Preisliste der Firma Citroen entnehme – eine Luxuslederausstattung 8.000 Euro kosten lassen. Da sollen die paar Peanuts nicht drin sitzen? Unfassbar…
Es muss also Doofheit sein. Oder die Unfähigkeit, am Handy die Bluetooth-Funktion zu aktivieren. Auf jeden Fall ein Mangel, den zu haben sicher keiner von diesen Idioten von sich selbst glaubt.
Strafen
Interessant ist übrigens, dass man chauffierende Handyioten in den Niederlanden praktisch nicht sieht. Das mag daran liegen, dass die Strafe dort im Gegensatz zu den läppischen 40 Euro bei mindestens dem Doppelten, meist aber bei 100 Euro liegt. Viel wahrscheinlicher aber ist, und darauf lässt das allgemeine Fahrverhalten niederländischer Lenker schließen, dass der Verwandlungseffekt beim Betreten eines Autos dort unbekannt ist. Woran mag das liegen? Vielleicht an der Propaganda der deutschen Autoindustrie, die mit williger Hilfe korrupter Autojounalisten (Gibt’s die auch in nicht-korrupt?) den Pkwisti seit Jahren in die Hirne wäscht, sie hätten ein Recht auf Spaß und Freiheit am Steuer.
In diesem Zusammenhang ist die Lektüre von, ähem, Fachzeitschriften interessant. Deutsche Autoschreibfinken rubbeln sich regelmäßig einen ab auf Begriffe wie Sportlichkeit und Fahrspaß. Sie erbrechen Wörter wie “Böser Blick” und “Gesichstgrafik” bei der Besprechung von Stinkekisten, und sie messen immer noch gern Beschleunigungs- und Toptempowerte. Liest man die niederländischen Autotests, fehlt dergleichen – ausgenommen die auch in NL vorhandenen Blätter für diese Hirnfreien Autotuningfans – ganz. Da wird mehr über Nutzwert und Sparsamkeit geschrieben…
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Die Verwandlung des Menschen in einen Vollidioten ist mir gestern wieder vor Augen geführt worden. Ich überquerte fußgängerisch die Kö, als eine ältere Dame ausparkte, sich etwas ungeschickt anstellte und 5! fette Bonzenkisten dahinter nichts besseres zu tun hatten,
als Sturm zu Hupen. am Stück, ohne Pause. Da frage ich mich: Treten die als Fußgänger an einer roten Ampel auch hektisch gegen den Pfahl, schmeißen sich auf den Boden, spucken, kratzen, beißen? Nein, da akzeptiert man seltsamerweise, dass man mal ein paar Sekunden warten muss.
Das Tempoversprechen des Autos scheint die Leute a) ungeduldig zu machen und b) die passive Sitzhaltung verhindert den Abbau von Stresshormonen. So meine Theorie.
Da ich an das Gute im Menschen glaube, sage ich mir inzwischen: Die können nix dafür, das sind ferngesteurte Sklaven der Autolobby… arme Seelen!
Vielleicht kennen viele Leute noch nicht diesen Service hier: http://www.nextbike.de/kooperation_mobilinduesseldorf.html
In Barcelona haben sie ausgerechnet, dass diese Verleihschemas Leben retten. Bei uns fallen sie aber nicht direkt ins Auge, da kann man vielleicht noch nachbessern. Eigentlich ist es doch ideal, wenn man z.B. vom Hbf in die Altstadt mit einem Mietfahrrad radelt, anstatt die U-Bahn zu nehmen. Warum nicht mal eine Kampagne mit Geschaeften starten, dass es Rabatt gibt, wenn die Kunden mit dem Fahrrad kommen. Oder einen Rabatt bei der Krankenkasse kriegen.
Ein Grund mag sein, dass es viel zu viele, sehr gut gehende Parkhaeuser gibt. Und diese idiotische Gehirnwaesche ist total von gestern. Wer heute noch mit seiner Kiste Vollgas gibt und damit angibt, gehoert ins Museum, aber nicht in die Innenstadt.
Leider muss ich jeden Tag berufsbedingt 60 km im Auto verbringen. Es ist eine Qual und ich gebe Dir völlig Recht, die Menschen verändern sich. Gleich gestern hatte ich Wahnsinnsglück, dass mir eine Frau im Kleinwagen (es müssen nicht SUVs sein!) nicht voll reingebrettert ist. Ich wendete in drei Zügen auf der Aachener, die da noch frei war. Da kam diese Kuh normal angefahren und trat das Gas plötzlich durch als ich im letzten Zug lag… Und dann gestikuliert sie wie wahnsinnig und rastet hinter dem Steuer völlig aus. Einfach krank! Doch auch an mir selbst bemerke ich dadurch Veränderungen, man wird hochgeschaukelt durch das Verhalten der anderen automatisch aggressiver.
Mein Beileid zum täglichen Fahrenmüssen, mein Glückwunsch zum Nichtunfall.
Was ich mich zunehmend frage: Warum sind die Pkwisti in Deutschland so unglaublich viel aggressiver als die in (nach eigenäugiger Beobachtung!) in den Niederlanden, in Belgien, in Dänemark und in der Schweiz?
Ist es nicht tatsächlich Folge der jahrzehntlangen Gehirnwäsche durch die Autolobby?
Woran es liegt kann ich auch nicht sagen. Aber richtig ist, dass hier in Deutschland agressiver gefahren wird, wie im “Ausland”. Ich habs jahrelang täglich erlebt, wie am Rad gedreht wird, wenn die Freaks im Stau standen und am Lenkrad vor sich hin fluchten, obwohl sie selbst Mitverursacher dieser sind.
Und zum Thema telefonieren während der Fahrt frag ich mich nur, was das überhaupt soll – NICHTS KANN SO WICHTIG SEIN, DASS ES NICHT FÜNF MIMUTEN BIS ZUR NÄCHSTEN PARKMÖGLICHKEIT ZEIT HAT !!!!
Ich telefoniere nicht mal mit Freisprecheinrichtung, wenn ich hinter dem Lenkrad sitze.
Kleine Zusatzbemerkung : bin sechs Jahre lang für ne Autovermietung unterwegs gewesen mit durchschnittlich 650 Kilometer pro Tag
Ein mir bekannter Profi, der sehr viel Auto fährt, sagt zu Recht, dass er dabei ganz sauber etliche Telefonate erledigen kann. Und vergleicht das mit Gesprächen mit Mitfahrern. Aber der hat seinen Dienstwagen auch mit einem integrierten und sprachgesteuerten Teledingsbums ausrüsten lassen. Und kann sich auch herrlich über die Idioten und Geizkragen aufregen, die mit dem Handy am Ohr rumkutschieren; “1000 Euro Strafe und mindestens 3 Punkte”, fordert der immer…
Hier im “Pott” haben wir ein breitgefächertes Netz an Velo-Mietstationen
;-) http://www.metropolradruhr.de/index.php?id=standortkarte-metroradruhr&L=de&city_id=138
Der Hang zum Telefon am Ohr fällt mir eigentlich auch ganz gerne bei obercoolen Fahrern von Oberklassefahrzeugen auf. Vermutlich war die FSE nicht mehr in die Leasingrate zu integrieren..
Noch viel schlimmer empfinde ich persönlich das SMS-Tippen während der Fahrt. Kann man bei den Fahrern immer wieder gut erkennen, wenn die Augen mehr nach unten als nach vorne schauen. Ob das Zeitunglesen auf dem Lenkrad während des morgendlichen Stop-and-Go aber soviel besser ist?
PS: Ich fahre seit Jahren mit einer Blutooth-FSE. Hat mich beim Selbsteinbau knappe 100 EUR gekostet, als Radios mit BT noch nicht so verbreitet waren.
cognitive dissonanz?
fahren mehr transporter-, oberklasse-, lkw-, oder kleinwagenfahrer(innen) mit handy am ohr rum?
mir fällt da grade nochwas ein.
warum ist eigentlich nur telefonieren am steuer unter bußgeld gestellt?
ich darf während ich ein kfz steuere wild auf einem mp3-player oder navi rumtippen, mein auto saubermachen, alkohol trinken, laut singen, mich mit dem/der beifahrer(in) streiten, hochglanzhefte lesen und besudeln, highheels tragen und was jetzt anscheinend groß in mode ist, hubschrauberpilotenkopfhörer mit BUMMBUMM auf den ohren haben.
das alles wird nur zum “problem” wenn es zu einem unfall kommt und mir nachgewiesen wird.
erwischt mich aber jemand nachweislich, dass ich eine taste am handy drücke bin ich am arsch – auch wenn ich es bei laufendem motor ausschalten wollte.
Dass es bei den obercoolen Strassenpanzern am ehesten auffaellt mag auch an der Wahrnehmung liegen – ich fluche auch mit Vorliebe ueber die SUV-Fahrer hier, insbesondere ueber die Asiaten unter ihnen. Wer weiss, vielleicht eher Sozialneid oder unterschwellige Ressentiments als belastbare Beobachtungen (meine Frau jedenfalls kann mein Gemecker darueber gar nicht hoeren).
Vielleicht sollte der Mobiltelefon-Test als Teil eines obligatorischen Fahrsicherheitstrainings oder der Fahrschulausbildung eingefuehrt werden. Nur was man mal selbst erlebt hat bleibt richtig haengen. Ein Pilotversuch mit Fahrsicherheitstraining hat hier bei uns dazu gefuehrt dass die jugendlichen Strassenhelden (learners license mit 16 Jahren) vor Augen gefuehrt bekommen, wie riesig die Selbstueberschaetzung ihrer Fahrkuenste ist.
Telefonieren oder ‘txt’en waehrend der Fahrt ist hier erst seit knapp 2 Jahren verboten, und immer noch weit verbreitet. Als Motorradfahrer bin ich doppelt gefaehrdet (hatte hier in Auckland nach dreieinhalb Jahren den ersten Unfall, nach fast 20 unfallfreien Jahren in D und USA) und muss entsprechend aufpassen Manche erkennt man von Weitem am unsicheren Fahrstil. Das einzige was hilft ist ausreichende Prasenz von Polizeistreifen auf der Strasse. Da ein Grossteil der Protzkisten hier auf Kredit gekauft sind, reicht es vielleicht wirklich nicht zur Freisprecheinrichtung.
Auch wenn’s hier bei uns weit weniger schlimm ist als ich es aus Duesseldorf in Erinnerung habe – manche mutieren hinter dem Steuer leider zum Tier. Kann ich eigentlich nur damit erklaeren dass sie meinen sich an die Regeln nicht halten zu muessen weil sie im Schadensfall weich fallen. Gut gepanzertes Fahrzeug, gegnerische Personenschaeden sind Sache einer allgemeinen Unfallversicherung, was soll also passieren?
Auf Duesseldorf uebertragen – gute Versicherung, guter Anwalt, da laesst sich schon einiges machen. Auf der Koe kommt noch das Gefuehl der eigenen Wichtigkeit dazu.
Apologies foe the rant – hat wohl einen Nerv getroffen …
‘hubschrauberpilotenkopfhörer’; hahaha! sehr gut! das trifft’s.
Gut, die letzte, die sms-schreibend vor mir herzuckelte und fast zwei Grünphasen verbummelt hat, war eine Astra-Fahrerin..
Ich habe geschrieben, dass mir das da mehr auffällt. Eben weil die Karren deutlich teurer sind als der Astra oder ein gammeliger Lieferwagen und die FSE damit ein noch kleinerer Kostenfaktor ist.
Das sollte nicht heißen, dass die Fahrer in “normalen” PKW weniger ohne FSE telefonieren.
Du darfst auch so laut Musik hören, dass Du die Streife hinter dir nicht mehr hörst..