Denn sie wissen nicht was sie tun und sagen, weil sie nur ihre Welt kennen

Der Social-Web-Gockel plustert sich auf

Folge 12 von 25 in Wutausbruch

Man muss sich den folgenden Satz einfach auf der Zunge zergehen lassen:

Google hat Deutschland mit Streetview nichts weniger geschenkt, als den ersten großen Culture Clash zwischen jenen, für die das Netz ein selbstverständlicher Teil ihres Lebensraums ist und denen, die den durch das Netz angestoßenen gesellschaftlichen Veränderungsprozess mindestens als Zumutung, wenn nicht gar als Bedrohung empfinden. [Quelle: Der Sixtus auf einem ZDF-Blog]

Mehr Anmaßung geht kaum. Da kommt einer daher, der mit dem Lobo unlustige TV-Dinger macht, der sich von seinen Kumpel einen Grimme-Preis hat zuschanzen lässt, ein unattraktives Web-TV-Projekt in den Sand setzt und so tut, als habe er das freiwillig aufgegeben, einer, der seiner “Firma” den schwerlustigen Namen “Blinkenlichten” gibt und bei Blogger-Treffen ganz selbstverständlich Mittelpunkt sein will, um die anwesenden Damen – auch gegen ihren Willen – zu besprechen, der mit seinen Kumpanen mal eben ein Internet-Manifest rausrotzt, also eine Type, die man im berlinschen Dönermillieu vermutet, und will uns was vom Kampf der Kulturen erzählen.

Da wird mir übel, da möchte ich mich erbrechen angesichts einer derart weltfremden und menschenfernen Mutmaßung über den Zustand der Republik und der Welt im Allgemeinen. Ja, ich weiß, jede Droge fördert die Fehlwahrnehumg, so auch die Droge der egomanen Arroganz. Dass die Welt außerhalb der kindischen iPhones und iPads, überhaupt außerhalb der Welt der Hirnprothesen ganz anders tickt, kann so ein Webesoteriker natürlich nicht ahnen. Da kann er noch so sehr versuchen, durch das Anmieten von Räumen im Garagenhof im In-Viertel irgendeine Credibility abzubekommen. Er wird den Gockel nicht abstreifen, da kann er noch so geschwollen und gewichtig daherreden.


» Zornesröte von Rainer Bartel am 19.08.10 um 21:09 » in Kategorien: Deutschland,Wirtschaft » 781 x gelesen » 2 x kommentiert
»   

  1. Wenn ich mal mit voller Absicht die Ironie (falls die tatsächlich in dem Beitrag vorhanden sein sollte) überlese, und dazu alle anderen Beiträge zu dem Thema, auf diesem -häufig unterhaltsamen und interessanten Blog- frage ich mich, inwieweit angst vor der Zukunft oder angst vor Bedeutungsverlust (der eigenen Meinung) eine Rolle spielen.

    In der art, wie hier das Web2.0 oder das Internet der dinge oder Google oder … kommentiert wird, erinnert an die Reaktion der katholischen Kirche auf die Erfindung des Teleskops (wurde verteufelt – weil man erkennen konnte das sich die erde um die sonne dreht und nicht umgekehrt) oder des Buchdrucks (wurde verteufelt weil es das Meinungsmonopol des Klerus brach).

    Neue Technologien ersetzen alte. Der Chat auf Facebook den Tratsch am Montageband, wo ist das Problem; abgesehen davon, dass industrielle arbeit eh keine Zukunft hat.

    [Antwort]

    Rainer Bartel Antwort vom 24.08.10 19:46:

    Na ja, als jemand, der von Beginn an (ca. 1984) an allem gearbeitet hat, was digitale Kommunikation ausmacht (von Btx über BBSe, Compuserve bis zum Web), habe ich weder Angst vor der Zukunft, noch vor Bedeutungsverlust.

    Im Gegenteil: Recht eigentlich gehöre ich zu den Leuten, denen (O-Ton-Social-Media-Propagandist) “das Netz selbstverständlicher Teil ihres Lebensraums” ist – und das schon zu Zeiten, als die jetzigen Evangelisten noch in kurzen Hosen übern Spielplatz getobt sind. Die lange Erfahrung mit dem Digitalen hat mich Skepsis gelehrt. Nicht alles Neue ist auch gut und nützlich.
    Übrigens: Die Aussage “neue Technologien ersetzen alte” ist historisch nicht haltbar, weil Technologien verschiedener Generationen meist nebeneinander existieren – TV und Telefon gibt’s noch trotz multimedialem Internet etc.

    Was mich mit extrem dicken Hals auf die Palme bringt, ist die massiven Arroganz und Unredlichkeit dieser Typen, die frei von jeglichen Selbstzweifeln meinen, sie hätten’s verstanden und stünden auf der richtigen Seite.
    Die Erfahruzng lehrt, dass solcher Hochmut vor dem Fall (Pleite) kommt (siehe auch: Second Life…).

    [Antwort]

     
    Kommentar von AdamSmith am 24.08.10 um 19:28

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