Kann man das Rauchen genauso bewusst wieder anfangen?
Macht Nichtrauchen unglücklich?
Bevor sich jetzt Menschen, die mir zur Rauchentwöhnung gratuliert haben, Sorgen machen: Nein, ich plane den Ausstieg vom Ausstieg nicht wirklich. Aber mache mir aus dem Abstand von zwei Jahren schon so meine Gedanken zum Thema. Wo andere dicken Bücher schreiben und darin für das Saufen und Quarzen plädieren, möchte ich ein wenig Subjektives in die Luft blasen. Tatsache ist, dass mir das Rauchen einer filterlosen Gitanes manchmal sehr fehlt. Und in den Momenten, in denen es mir fehlt, bin ich ziemlich unglücklich. Nicht andersrum. Es gibt Situationen, in denen für mich über fast 40 Jahre hinweg die französische Kippe (ich habe nie irgendeine andere Art Zigaretten über einen längeren Zeitraum gepafft…) einfach dazugehörte. Der erste Blick aufs Meer nach der Ankunft, zum Beispiel. Vollmondangucken. Sowas in etwa. Das Rauchen war ein integrierter Bestandteil meines Lebens. Und den habe ich verloren. Als ich vor einigen Jahren schonmal für ein paar Wochen aufgehört hatte, meinte ein guter Kumpel: Mensch, du ohne Gitanes, da fehlt was an dir.
Die Vernunft hat eine eindeutige Meinung: Das Rauchen von Zigaretten ist bescheuert, denn es schadet der Gesundheit, verschmutzt die Umwelt und kostete einen Haufen Geld. Das Gefühl sagt dagegen: Rauchen kann eine menschliche Äußerung sein. Manchmal merke ich in Diskussionen, dass meine Gestik immer noch die eines Rauchers ist, der beim Argumentieren mit der Kippe wedelt. Bisweilen sehe ich mich auf Fotos mit Zichte und finde mich sehr viel authentischer als heute. Gelegentlich habe ich noch den Duft des schwarzen Tabaks in der Nase, und wenn mir tatsächlich mal (in den letzten zwei Jahren vielleicht drei-, viermal passiert) einer über den Weg läuft, der Gitanes oder Gauloises qualmt, dann schnüffel ich dem hinterher – und werde traurig.
Ganz offensichtlich ist es so, dass die Rauchentwöhnung ein Identitätsverlust darstellt. Mir ist das schon einmal, wenn auch unfreiwillig, passiert. Ab Ende der 80er habe ich Badminton gespielt, aber etwa 1990 sehr intensiv. Konkret hieß das, dass ich in den heißesten Zeiten bis zu viermal die Woche auf dem Platz stand. Ja, ich hab sogar ein paar Monate lang eine Damenriege trainiert. Trotz meiner damals auch schon 100+ Kilos war ich – zumindest im Doppel – ziemlich gut. Und habe diesen Sport GELIEBT. Konnte ich ein oder zwei Wochen lang wegen Job, Krankheit oder Urlaubsreise nicht spielen, ging’s mir schlecht. Ging’s mir wegen irgendwas schlecht, lebte ich hinter dem Netz mit dem Schläger in der Hand wieder auf. Im Frühjahr 1995 nahm ich mit meinem Bruder als Doppelpartner an einem offenen Turnier teil. Gleich im ersten Spiel, beim Erlaufen eines Balles in der Rückhandecke, knickte ich um. Mein Knie war kaputt. “Unhappy triad” nennt das der Fachmann. Man entfernte die meisten Bänder und schnippelte an den Menisken herum. Kaum konnte ich wieder schmerz- und stützenfrei laufen, ließ ich mir eine orthopädische Schiene verpassen und begann wieder zu spielen. Das ging knapp zwei Jahre gut. Dann brach ich mir an dieser Schiene beim Badminton Waden- und Schienbein. Danach war an den Sport mit dem gefiederten Ball nicht mehr zu denken. Mir fehlt dieses Spiel bis heute, und manchmal verfalle ich wegen dieses speziellen Verlustes in tiefe Depressionen. Und nicht nur weil ich nach dem Bruch gut zehn Kilo zugenommen habe.
Suchtkranke, die von Drogen abhängig waren, berichten auch davon, dass mit dem Wegfall des Konsums ein wichtiges Elemente ihres Lebens und ihrer Persönlichkeit weggefallen ist. Viele Ex-User suchen sich daher ein neues Element, das sie über Gewohnheit und exzessives Betreiben in ihr Leben einbauen. Das berichtet auch dieser Ex-Junkie, der zum Extremsportler mutiert ist (Name und Titel vergessen…).
Was tun? Bisweilen spiele ich mit dem Gedanken, mal wieder eine zu rauchen. Ich bin mir sogar relativ sicher, dass ich nicht durch eine Kippe wieder angefixt würde. Ja, ich könnte mir gut vorstellen, zum echten Genussraucher zu werden, der nur dann zur Zigarette greift, wenn ein passender Moment da ist und/oder er einfach Lust aufs Rauchen hat. Ganz offensichtlich bin ich kein Suchttyp; dafür sprechen alle entsprechenden Versuchungen in meinem Leben. Mit recht hoher Wahrscheinlichkeit würde ich nicht einfach wieder eine Gitanes-ohne-Infrastruktur aufbauen. Und sicher würde ich nicht mehr einfach so rauchen, nur weil Zichten, Feuerzeug und Aschenbecher grad sind. Nie mehr würde ich sagen “Ich muss ma eine rauchen” oder “Ersma eine rauchen”. Es wäre einen Versuch wert…
Allerdings habe ich inzwischen Angst vor einer ersten Wiederzigarette. Könnte sein, dass mich die erste Gitanes einfach umhaut, so kreislauftechnisch.
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Wenn Du Dir Deines Genussrauchertums einigermaßen sicher sein kannst, hey, warum nicht? Mehr als dass Dir etwas blümerant wird, dürfte kaum passieren. Bei mir war schon etwas mehr Sucht im Spiel, mit weniger als 7 Kippen pro Tag kam ich nicht so recht klar. Deswegen weiß ich, dass es Selbsttäuschung wäre, mir einzureden, ach, ab und zu mal eine anstecken, mehr brauche doch kein Mensch.
Aber in einem Punkt würde ich den Tenor Deines Beitrags vollumfänglich unterschreiben: Auf das große Boah und Wow, was sich nach Bekunden sämtlicher selbsternannter Experten unweigerlich einstellen sollte, wenn man nur lange genug standhaft bleibt, warte ich noch heute. Kein Vertun: Natürlich bin ich froh, dass ich die Qualmerei nicht mehr an der Backe habe, einen Kinofilm in Überlänge gucken kann ohne kribblig zu werden und all sowas. Aber es fehlt halt doch was, und ich habe das viel zu lange mit Haribos und anderem Süßkram kompensiert. Nicht zuletzt zum Kampf gegen die überzähligen Kilos habe ich das Radfahren wieder intensiviert, und nun fehlt mir wirklich was, wenn ich nicht alle paar Tage Gelegenheit finde, in die Pedale zu treten. Irgendwie bin ich wohl schon sowas wie ein Suchttyp…
Ehrlich gesagt habe ich keine Lust, mich mit der Frage zu beschäftigen, ob ich mir des Genussrauchertums sicher sein kann. Deshalb lass ich es einfach sein…
Meine reichhaltige Erfahrungen mit Cannabis-Produkten sowie anderen Substanzen und eine kurze Karriere als Profizocker lassen mich annehmen, dass ich überhaupt kein Suchttyp bin. Deshalb habe ich die fehlenden Gitanes auch mit nix kompensiert. Zugenommen habe ich trotzdem. Und zwar ziemlich drastisch. Inzwischen ist ja recht gut erforscht, dass die Gewichtszunahme nur teilweise an der Kompensation liegt, sondern auch oder sogar hauptsächlich mit der Veränderung des Stoffwechsels zu tun hat.
Wenn’s danach geht, müsste ich SOFORT wieder anfangen, denn die von mir selbst zugestandenen sechs Kilo plus habe ich bei weitem überschritten :–(
Ja, da ist wahrscheinlich was dran. Alterungsprozesse spielen auch mit rein. Gleichaltrige Bekannte von mir, die nie geraucht oder noch nicht aufgehört haben, entwickelten nach Überschreiten der 40 auch eine neue Mitte. Bei mir waren es übrigen etwas über 20 Kilos – was nicht sooo dramatisch ist, wie es sich anhört, da ich früher recht untergewichtig unterwegs war. Aber trotzdem. Jetzt, nachdem davon 10 Kilos wieder runter sind, habe ich immer noch ein Bäuchlein, aber mir das jetzt auch noch wegzuhungern oder abzutrainieren verspüre ich irgendwie keine Notwendigkeit.
Hey, was sind 10 (oder mehr) Kilo Übergewicht, wenn man dafür nicht mehr raucht?
darauf werde ich dir später antworten, jetzt isses 10 Uhr – genug für heute.
Macht Nichtrauchen unglücklich?
Kann das alles gerade dermassen von nachvollziehen.
Ich bin aber auch mit den Suchtgenen ausgestattet in XXXL Ausführung.1 fixt mich an und mit der einen,die ich bei der Renovierung meiner Küche gefunden habe,muss ich nach 1/2 Jahr Entzug kämpfen.Sonne scheint,auf nach Rheinkilometer 740
PS
Aber Tabak darf man auf keinen Fall mit ungefährlicheren Substanzen wie Cannabis-Produkten in einen Topf werfen.Ich trau mich noch nichtmal,das Purpfeifchen zu benutzen wegen dem Inhalier Flashback.
Und dann die ganzen Kollegen,die auf einmal nur noch spliffies rauchen harrharrharr