Richard Ford – Die Lage des Landes
Frank Bascombe war Sportreporter und erlebte einen eigenartigen Unabhängigkeitstag, und nun steht im das Thanksgiving des Jahres 2000 bevor. Er hat sich endgültig als Makler in New Jersey eingerichtet und vermutet sich in der von ihm so genannten “Permanenzphase”, das Lebensalter also, indem sich nicht mehr viel ändert und ein Mann von Mitte Fuffzich langsam auf das schöne Alter hinleben kann. Aber dann gerät er in eine Schlägerei, seine Ex macht ihm eine unvermutete Liebeserklärung, ein Bombe explodiert in der Krankenhaus-Cafeteria und am Ende wird Frank von zwei Räubern vor seinem eigenen Haus angeschossen bei dem Versuch, seinen ungeliebten Nachbarn zur Hilfe zu kommen. Von wegen: Permanenz.
Denn die Lage des Landes ist auch sonst übersichtlich. Die Gerichte in Florida sind dabei, den Bush’schen Wahlbetrug abzusegnen, und Gore ist selbst für Bush-Hasser keine Alternative. In dieser Lage lebt das Land wie immer: in Verzweiflung und unter Gewalt. Das schildert Richard Ford durchaus lakonisch und unaufgeregt, ja teilweise schnodderig (Die phantastische Übersetzung geht übrigens auf das Konto von Frank Heibert, der auch für die unglaublich gute Übersetzung von Don DeLillos “Falling Man” gesorgt hat…). Zwei Tage umfasst die Handlungszeit, aber in diesen Tagen reflektiert Frank nicht nur sein eigenes Leben nach der Diagnose “Prostata-Krebs”, sondern die Situation der Menschen mit ihren Hoffnungen, Wünschen, Enttäuschungen und Verwirrungen. Das ist manchmal rührend, manchmal deprimierend, aber immer auch geeignet, sich als Betroffener (Mann von Mitte Fuffzich) mit Frank zu identifizieren oder sich von ihm abzugrenzen.
Richard Ford ist – neben Don DeLillo – einer der ganz großen amerikanischen Erzähler dieser Jahre. Wer ihn noch nicht für sich entdeckt hat, sollte mit dem ersten Teil der Frank-Bascombe-Trilogie (“Sportreport”) beginnen. Frank überlebt übrigens die Schüsse, und es ist nicht unwahrscheinlich, dass es in sechs, acht, zehn Jahren einen weiteren Roman geben über das Leben, Denken und Fühlen von Frank Bascombe geben könnte.
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