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	<title>Kommentare zu: Ach, du lieber S&#252;tterlin</title>
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		<title>Von: Rainer Bartel</title>
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		<dc:creator>Rainer Bartel</dc:creator>
		<pubDate>Mon, 21 Jun 2010 18:30:49 +0000</pubDate>
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		<description>Ich hatte so&#039;ne Ahnung, dass du zum Thema beitragen w&#252;rdest ;--))

Vielen Dank f&#252;r die Klarstellung! Nein, das war keine Oberlehrerhaftigkeit, sondern fundiertes Fachwissen. Vielleicht solltest du mal jemand anfeuern, der Wikipedia-Autor ist, denn mMn geht es dann auch auf Wikipedia ein bisschen durcheinander zu dem Thema.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Ich hatte so&#8217;ne Ahnung, dass du zum Thema beitragen w&#252;rdest ;&#8211;))</p>
<p>Vielen Dank f&#252;r die Klarstellung! Nein, das war keine Oberlehrerhaftigkeit, sondern fundiertes Fachwissen. Vielleicht solltest du mal jemand anfeuern, der Wikipedia-Autor ist, denn mMn geht es dann auch auf Wikipedia ein bisschen durcheinander zu dem Thema.</p>
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		<title>Von: Preusse</title>
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		<dc:creator>Preusse</dc:creator>
		<pubDate>Mon, 21 Jun 2010 17:35:54 +0000</pubDate>
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		<description>Lieber Rainer,
ich bef&#252;rchte, hier ist ein bi&#223;chen was durcheinander gekommen. Bzw. Du bist mi&#223;verst&#228;ndlichen Informationen aufgesessen.

Da es sich hier um mein Fachgebiet handelt, erlaube ich mir eine Korrektur, wenn es recht ist:

Der Fraktur-/Antiqua-Streit hat zun&#228;chst einmal nichts mit dem Fraktur-Verbot (ein S&#252;tterlin-, also ein Schreibschrift-Verbot gab es nie) zu tun.

Die Diskussion, ob nun die in Deutschland gel&#228;ufige Fraktur-Schrift durch eine Antiqua-Schrift abgel&#246;st werden soll, ist viel &#228;lter als Adolf Hitler. Hier ging es um eine der ersten europ&#228;ischen Vereinheitlichungen, wenn man es einmal positiv ausdr&#252;cken will. Die Deutschen empfanden die Fraktur-Schriften als &quot;normal&quot;. So, wie wir heute die Grotesk, sprich: Arial, als Standardschrift empfinden. Die Grotesk hie&#223; &#252;brigens Grotesk, weil sie den Fraktur-gewohnten Deutschen als grotesk erschien.

In den 20er und 30er Jahren hatte die Fraktur das Image des reaktion&#228;ren, die Antiqua galt als etwas modernes, europ&#228;isches. Adolf Hitler bevorzugte die Antiqua-Schriften. Sie hatte z.B. auch beim Milit&#228;r Anh&#228;nger. Denn &quot;Wer weitergeht, wird erschossen!&quot; ist in einer Antiqua im Ausland noch zu lesen, in einer Fraktur jedoch nicht. Da liegen dann Dutzende von der Fraktur nicht m&#228;chtigen um dieses Schild herum. Deshab wollte auch das Milit&#228;r die Antiqua.

---------------

1941 kam es zum Fraktur-Verbot, der urspr&#252;nglich vom Herausgeber des V&#246;lkischen Beobachters, des Zentralorgans der NSDAP und Martin Bormann, dem Sekret&#228;r des F&#252;hrers, initiiert war. Hier entschied Hitler in einem &quot;F&#252;hrererla&#223;&quot;, da&#223; die Fraktur-Schriften &quot;Schwabacher Judenlettern&quot; seien, was faktisch falsch ist, wie Du ganz richtig schreibst und verbot die Anwendung solcher Frakturen f&#252;r alle beh&#246;rdlichen Schreiben (also auch den V&#246;lkischen Beobachter). Ach hier ist keine Rede von der Hand-Schulschrift S&#252;tterlin. Eben, weil es um sie gar nicht ging.

Kleine Schmonzette am Rande:
Der V&#246;lkische Beobachter verwendete bis zum Verbot der Fraktur-Schriften f&#252;r die eigenen &#220;berschriften der Zeitung die Bernhard-Fraktur, entworfen im Jahr 1912 von Lucian Bernhard:
http://www.global-type.org/fileadmin/globaltype/seemann/6565.jpg

Lucian Bernhard war ein K&#252;nstlername. Er war Jude, sein Geburtsname lautete Paul Kahn. Ein begnadeter Graphicker und Werbe-Experte, der schon Anfang der 20er Jahre aus rein beruflichen Gr&#252;nden in die USA auswanderte.

Zur Schreibschrift S&#252;tterlin hat sich Adolf Hitler nie ge&#228;u&#223;ert, zumindest nicht in seiner Funktion als &quot;F&#252;hrer&quot;. 

Falsch ist auch die Aussage, da&#223; Hitler die &quot;Gotischen Schriften&quot; mit einem Verbot belegte. Das Gegenteil ist richtig. Das Verbot bezog sich ausschlie&#223;lich auf die Untergruppe d der Hauptgruppe X (Gebrochene Schriften):
http://www.bleisetzer.de/stichwortsuche.php?s=Gruppe%20Xd%20-%20Gebrochene%20Schriften%20-%20Fraktur

und Xc (Schwabacher), aber nicht auf die Untergruppe a (Gotisch) der Gruppe X:
http://www.bleisetzer.de/stichwortsuche.php?s=Gruppe%20Xa%20-%20Gebrochene%20Schriften%20-%20Gotisch

Im Gegenteil: Sogenannte &quot;Neu-Gotische&quot; Schriften wurden aus Zeitgeist-, aber auch rein opportunistischen Gr&#252;nden in der Zeit von 1933-1944 lebhaft entwickelt. Siehe das dritte Bild der Schrift &quot;National&quot;. Ich fand diese Speichelleckerei in einem Schriftmusterheft aus der damaligen Zeit:
http://www.bleisetzer.de/cms/front_content.php?idcat=57&amp;idart=543

Ich hoffe, Du fa&#223;t meinen Kommentar nicht als unerw&#252;nschte Oberlehrerhaftigkeit auf.

Mit bestem Gru&#223;
Preu&#223;e</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Lieber Rainer,<br />
ich bef&#252;rchte, hier ist ein bi&#223;chen was durcheinander gekommen. Bzw. Du bist mi&#223;verst&#228;ndlichen Informationen aufgesessen.</p>
<p>Da es sich hier um mein Fachgebiet handelt, erlaube ich mir eine Korrektur, wenn es recht ist:</p>
<p>Der Fraktur-/Antiqua-Streit hat zun&#228;chst einmal nichts mit dem Fraktur-Verbot (ein S&#252;tterlin-, also ein Schreibschrift-Verbot gab es nie) zu tun.</p>
<p>Die Diskussion, ob nun die in Deutschland gel&#228;ufige Fraktur-Schrift durch eine Antiqua-Schrift abgel&#246;st werden soll, ist viel &#228;lter als Adolf Hitler. Hier ging es um eine der ersten europ&#228;ischen Vereinheitlichungen, wenn man es einmal positiv ausdr&#252;cken will. Die Deutschen empfanden die Fraktur-Schriften als &#8220;normal&#8221;. So, wie wir heute die Grotesk, sprich: Arial, als Standardschrift empfinden. Die Grotesk hie&#223; &#252;brigens Grotesk, weil sie den Fraktur-gewohnten Deutschen als grotesk erschien.</p>
<p>In den 20er und 30er Jahren hatte die Fraktur das Image des reaktion&#228;ren, die Antiqua galt als etwas modernes, europ&#228;isches. Adolf Hitler bevorzugte die Antiqua-Schriften. Sie hatte z.B. auch beim Milit&#228;r Anh&#228;nger. Denn &#8220;Wer weitergeht, wird erschossen!&#8221; ist in einer Antiqua im Ausland noch zu lesen, in einer Fraktur jedoch nicht. Da liegen dann Dutzende von der Fraktur nicht m&#228;chtigen um dieses Schild herum. Deshab wollte auch das Milit&#228;r die Antiqua.</p>
<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;</p>
<p>1941 kam es zum Fraktur-Verbot, der urspr&#252;nglich vom Herausgeber des V&#246;lkischen Beobachters, des Zentralorgans der NSDAP und Martin Bormann, dem Sekret&#228;r des F&#252;hrers, initiiert war. Hier entschied Hitler in einem &#8220;F&#252;hrererla&#223;&#8221;, da&#223; die Fraktur-Schriften &#8220;Schwabacher Judenlettern&#8221; seien, was faktisch falsch ist, wie Du ganz richtig schreibst und verbot die Anwendung solcher Frakturen f&#252;r alle beh&#246;rdlichen Schreiben (also auch den V&#246;lkischen Beobachter). Ach hier ist keine Rede von der Hand-Schulschrift S&#252;tterlin. Eben, weil es um sie gar nicht ging.</p>
<p>Kleine Schmonzette am Rande:<br />
Der V&#246;lkische Beobachter verwendete bis zum Verbot der Fraktur-Schriften f&#252;r die eigenen &#220;berschriften der Zeitung die Bernhard-Fraktur, entworfen im Jahr 1912 von Lucian Bernhard:<br />
<a href="http://www.global-type.org/fileadmin/globaltype/seemann/6565.jpg" rel="nofollow"></a><a href='http://www.global-type.org/fileadmin/globaltype/seemann/6565.jpg'>http://www.global-type.org/fileadmin/globaltype/seemann/6565.jpg</a></p>
<p>Lucian Bernhard war ein K&#252;nstlername. Er war Jude, sein Geburtsname lautete Paul Kahn. Ein begnadeter Graphicker und Werbe-Experte, der schon Anfang der 20er Jahre aus rein beruflichen Gr&#252;nden in die USA auswanderte.</p>
<p>Zur Schreibschrift S&#252;tterlin hat sich Adolf Hitler nie ge&#228;u&#223;ert, zumindest nicht in seiner Funktion als &#8220;F&#252;hrer&#8221;. </p>
<p>Falsch ist auch die Aussage, da&#223; Hitler die &#8220;Gotischen Schriften&#8221; mit einem Verbot belegte. Das Gegenteil ist richtig. Das Verbot bezog sich ausschlie&#223;lich auf die Untergruppe d der Hauptgruppe X (Gebrochene Schriften):<br />
<a href="http://www.bleisetzer.de/stichwortsuche.php?s=Gruppe%20Xd%20-%20Gebrochene%20Schriften%20-%20Fraktur" rel="nofollow"></a><a href='http://www.bleisetzer.de/stichwortsuche.php?s=Gruppe%20Xd%20-%20Gebrochene%20Schriften%20-%20Fraktur'>http://www.bleisetzer.de/stichwortsuche.php?s=Gruppe%20Xd%20-%20Gebrochene%20Schriften%20-%20Fraktur</a></p>
<p>und Xc (Schwabacher), aber nicht auf die Untergruppe a (Gotisch) der Gruppe X:<br />
<a href="http://www.bleisetzer.de/stichwortsuche.php?s=Gruppe%20Xa%20-%20Gebrochene%20Schriften%20-%20Gotisch" rel="nofollow"></a><a href='http://www.bleisetzer.de/stichwortsuche.php?s=Gruppe%20Xa%20-%20Gebrochene%20Schriften%20-%20Gotisch'>http://www.bleisetzer.de/stichwortsuche.php?s=Gruppe%20Xa%20-%20Gebrochene%20Schriften%20-%20Gotisch</a></p>
<p>Im Gegenteil: Sogenannte &#8220;Neu-Gotische&#8221; Schriften wurden aus Zeitgeist-, aber auch rein opportunistischen Gr&#252;nden in der Zeit von 1933-1944 lebhaft entwickelt. Siehe das dritte Bild der Schrift &#8220;National&#8221;. Ich fand diese Speichelleckerei in einem Schriftmusterheft aus der damaligen Zeit:<br />
<a href="http://www.bleisetzer.de/cms/front_content.php?idcat=57&#038;idart=543" rel="nofollow"></a><a href='http://www.bleisetzer.de/cms/front_content.php?idcat=57&#038;idart=543'>http://www.bleisetzer.de/cms/front_content.php?idcat=57&#038;idart=543</a></p>
<p>Ich hoffe, Du fa&#223;t meinen Kommentar nicht als unerw&#252;nschte Oberlehrerhaftigkeit auf.</p>
<p>Mit bestem Gru&#223;<br />
Preu&#223;e</p>
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		<title>Von: Matobo</title>
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		<dc:creator>Matobo</dc:creator>
		<pubDate>Mon, 21 Jun 2010 11:14:03 +0000</pubDate>
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		<description>Hi Rainer, 
auch ich (Jahrgang 1967) kam im 2. oder 3. Schuljahr noch in den &#039;Genuss&#039; S&#252;tterlin lernen zu m&#252;ssen. Tatort war meine Grundschule in Kaarst. Immerhin kann ich dadurch aber die alten Feldpostbriefe von meinem Opa an Oma aus WKI lesen.
Gru&#223;
Matobo</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Hi Rainer,<br />
auch ich (Jahrgang 1967) kam im 2. oder 3. Schuljahr noch in den &#8216;Genuss&#8217; S&#252;tterlin lernen zu m&#252;ssen. Tatort war meine Grundschule in Kaarst. Immerhin kann ich dadurch aber die alten Feldpostbriefe von meinem Opa an Oma aus WKI lesen.<br />
Gru&#223;<br />
Matobo</p>
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