Alejandro Gonzàlez Iñàrritu: 21 Gramm
Dies ist eine dringende Empfehlung: Schauen Sie sich unbedingt diesen Film an! Er ist ein Meisterwerk von atemloser Dichte und beängstigender Intensität. Es geht um das Leben und das Sterben, die Liebe und den Hass, die Begegnungen, den Zufall und um die Unausweichlichkeit des Todes. Das hört sich nach philosophischem Traktat an, erweist sich aber in der kinematographischen Umsetzung des mexikanischen Regisseurs Alejandro Gonzàlez Iñàrritu als aus den Bildern wachsende Handlung mit vielen Wendungen und Überraschungen. Dass dieser Film so großartig geworden ist, verdankt er auch der Fresse von Sean Penn, dem starken Gesicht von Frau Watts und dem dramatischen Schädel des Benicio del Toro (der neben guten Filmen wie “Fear and Loathing in Las Vegas” und “Basquiat” immer wieder gern in 08/15-Dramen- und Komödien der Verfilmungsindustrie auftritt.
Der eigentliche Plot erschließt sich dem Erstbetrachter erst nach gut der Hälfte der Spielzeit. Bis dahin lernt man die Protagonisten in verschiedenen, ineinander verwobenen Zeitebenen kennen, die zunächst nichts mit einander zu tun haben. Wir lernen, dass Paul Rivers (Sean Penn) bös herzkrank ist und auf eine Spenderpumpe wartet. Derweil will seine Lebensgefährtin ein Kind von ihm, damit sie nach seinem Tod etwas von ihm hat. Jack Jordan (del Toro), ein ehemaliger schlimmer Finger, der sich per Jesus in einen Gutmensch verwandeln wollte, verliert dagegen seinen Job. Und dann ist da noch Cristina Peck (Naomi Watts), die sich aus einer wilden Drogenjugend in die Kleinbürgerehe mit einem Architekten begeben hat und sich um die zwei Töchter kümmert. Jordan rast mit seinem Monster-Pickup eilig nach Hause zu eigenen Geburtstagsparty und mäht unterwegs den Architekten und dessen Kinder um. Er begeht Fahrerflucht. Das Herz des Architekten wird zum Spenderherz für Paul.
Der kann nach der scheinbar erfolgreichen OP das alte Leben nicht mehr führen. Er vernachlässigt seine Partnerin und macht sich auf die Suche nach der Witwe des Spenders, die er mittel Privatdeketiv auch auftut und dann beflirtet. Währenddessen stellt sich der fahrerflüchtige Jack gegen den Willen seiner Frau und geht in den Knast. Jack erobert Cristina, die ihn wiederum beschwört, Rache an Jack Jordan zu üben. In einem Motel kommt es zum Showdown mit einer überraschenden Wendung. Mittlerweile ist klar, dass Pauls Körper das fremde Herz abstoßen wird. So stirbt er mit dem Ende des Films.
Der einzige Kritikpunkt: Der Titel bezieht sich auf eine Urban Legend, nachdem der menschliche Körper beim Sterben genau 21 Gramm an Gewicht verliert. Das ist wissenschaftlicher Blödsinn, der eine Antwort auf die Frage nach dem Gewicht der Seele geben soll. Legende und Hintergrund spielen erst im allerletzten Moment in Pauls innerem Monolog eine Rolle und wirken verquast und aufgesetzt. Ein anderer Titel und der Verzicht auf diese Schleife hätten den Film aufgewertet.
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