Der Atpunkt hat's gelöst! Und sogar denselben Lösungsweg gefunden wie euer Quizmaster

Alle Jahre wieder…

Folge von 205 in Song-Quiz

Das heute gesuchte Stück spiegelt in allen Facetten wieder, wie die europäischen Imperialisten, also die Nachkömmlinge der sklavenhaltenden und -handelnden Kolonialisten mit der Musik der Afrikaner umgehen. Nämlich so ähnlich wie mit den anderen Rohstoffen, die der Kontinent bietet. Man holt sich, was einem gefällt oder was man braucht, und hinterlässt den Afrikanern wenig, nichts oder verbrannte Erde. Die Geschichte des gesuchten Titels ist wirr und verwirrend und reicht zurück bis ins Jahr 1968. 1971 zuckte es zum ersten Mal, 1978 zum zweiten Mal. Und von da poppte das Ding immer wieder auf – interessanterweise so gut wie nie unter dem Namen des beteiligten Machers.

1) Wie heißt das Stück: Burundi Black
2) Wie geht die kürzeste Verbindung zu Edouard Manet: Über das Cover einer Bow-Wow-Wow-LP

Man hörte es schon in Discos, bevor man die dann Clubs nannte… Und bei diesem unglaublichen Fall an musikalischem Imperialismus hat der unsägliche Malcom McLaren (den sie nach seinem Tode aus unerfindlichen Gründen feiern wie blöde…) zwar auch seine unegalen Finger drin, ist aber nicht schuld – wie bei der Double-Dutch-Affäre. Wenn man den Quellen nachgeht, sieht es so zunächst aus, als stamme das Getrommel von den Royal Drummers of Burundi. Und zwar von einem Afrika-Sampler, der 1968 in Frankreich veröffentlicht wurde. Zu der Zeit gab es in Europa eine erste Begeisterungswelle für afrikanische Volksmusik. Ich erinnere mich, dass eine in Uganda aufgenommene “Missa Luba” damals in meinem Bekanntenkreis eine große Nummer war. Und 1970 kaufte sich der geniale Drummer Ginger Baker vor lauter Begeisterung für afrikanisches Trommeln einen Wohnsitz in Nigeria.
Wie auch immer. Jedenfalls nahm der Engländer Mike Steiphenson das Original im Jahr 1971 und mischte es mit ein paar sinnlosen Synthisizer-Sounds ab. Das Elaborat nannte er “Burundi Black” (siehe unten), und ließ es als 7-Zoll-Single mit einem Part 1 und einem Part 2 veröffentlichen. Das Ding wurde kein Hit. Interessant: Auf der Hülle wird angegeben, dass

…the recording contains drums [tambour] by the Ingoma Tribe sampled from the album on Ocora records (OCR 40 – Musique du Burundi) [Quelle: ArtandPopularCulture.com

Der sich ungestraft als “Komponist” bezeichnen lassende Stephenson sagt also, er habe bisschen Musik des Ingoma-Stammes gesampelt. Tatsächlich ist “Ingoma” zwar auch der Name eines Volkes im Grenzgebiet zwischen Ruanda und Burundi, wird aber ingesamt eher als spezifische Musikstil verstanden. Die berühmtesten Vertreter dieses Stils sind – ta-ta-taaa!!! – die Royal Drummers of Burundi, die auf der genannten Ocora-Scheibe Tracks beigesteuert haben. Die westlichen Musikausbeuter haben sich also noch nicht einmal die Mühe gemacht, genauer hinzuschauen, wer genau das Original des Samples eingespielt hat.
Und da geht es los mit den Bearbeitungen und Remixes des Stückes “Burundi Black” (siehe Liste auf Discogs.com). 1978 erschien eine Version speziell für Diskotheken als 12-Zoll-Platte. In diesem Jahr kam das Ding auch in die Charts in Benelux und Deutschland. 1980 wurde es dann zu einem echten Club-Knaller. Anfang der neunziger Jahre fiel es den ersten Techno-Musikern auf die Plattenteller, und es erschienen diverseste Remixes (ca. 20 bis 30). Außerdem – und damit wird’s pervers – wurden Stückchen von der Stephenson-Version gesampelt, in Techno-Tracks, aber auch in Hip-Hop-Stöcken verwurstet. Bleibt die Frage, ob die königlich burundischen Trommler je einen Taler Tantieme für ihre künstlerische Arbeit erhalten haben. Vermutlich nicht.
.

.
Und McLaren? Der vermutlich skrupelloseste Band-Manager aller Zeiten hatte nach dem Ende der Sex Pistols Zeit genug, eine neue Bosheit auszubrüten. Tat er dann auch, indem er 1980 (sic!) die gesamte Rhythmusgruppe der überaus populären Band “Adam and the Ants” abwarb und mit den die Truppe “Bow Wow Wow” gründete. Übrigens vor allem gedacht als Promotion-Projekt für die Mode der Vivienne Westwood, die als neuer Trend unter dem Namen “New Romantics” vermarktet werden sollte. Der Schlachzeuger David Barbarossa war schon bei Adams Ameisen mit afrikanischem Getrommel verhaltensauffällig geworden. Bei BWW trieb es immer doller, und McLaren fand, hey, exotisch verkauft prima! Also wurde bei der Suche nach einem Frontmann bzw. einer Frontfrau besonderer Wert auf die ethnische Herkunft gelegt. Die damals erst 15-jährige(!!!) Annabella Lwin – gemischt aus England und Burma – arbeitete als Teilzeitkellnerin und wurde entdeckt.
Allerdings gab es auch mehrfach Ärger. Erstens wegen Kinderarbeit und zweitens wegen des Covers der LP “See Jungle! See Jungle! Go Join Your Gang, Yeah. City All Over! Go Ape Crazy“. Dafür hatte der dauergeile McLaren das Gemälde “Le déjeuner sur l’herbe” fotografisch nachstellen lassen und dabei die nackte Annabella hineingesetzt. Scotland Yard schaltete sich ein, und man fand eine gütliche Lösung, die auch einschloss, das Foto auf den LP-Versionen in anderen Ländern nicht mehr zu verwenden.


» Quizfrage von Rainer Bartel am 02.06.10 um 18:00 » in Kategorien: Feuilleton » 552 x gelesen » 4 x kommentiert
»   

  1. 1.) Burundi Black
    2.) Das Plattencover von Bow Wow Wow

    Entnommen unter http://en.wikipedia.org/wiki/Bow_Wow_Wow#Controversy

    [Antwort]

    Rainer Bartel Antwort vom 02.06.10 14:06:

    Das ist vollkommen richtig!!!

    [Antwort]

     
    Kommentar von atpunkt am 02.06.10 um 07:28
  2. 1) The Lion sleeps tonight
    2) Das Bild “Pertuiset als Löwenjäger”.

    Leider ist die Geschichte des Liedes ein wenig älter (1939). Daher kann das nicht passen.
    Aber ist trotzdem irgendwie passend..

    [Antwort]

    Rainer Bartel Antwort vom 02.06.10 14:06:

    Ist zwar nicht richtig, aber auch eine spannenden Geschichte. Danke dafür!

    [Antwort]

     
    Kommentar von Michael am 02.06.10 um 12:08

RSS-Feed für Kommentare zu diesem Artikel.  |  Trackback-URL







Diese Tags sind möglich: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>



blogoscoop

Switch to our mobile site