Der Weed, der weiß Bescheid und hat superschnell geantwortet
Man vergisst ja leicht, dass die USofA in den Sechziger Jahren ein Apartheidstaat war. In den Südstaaten wurde die Rassentrennung vehement durchgesetzt, und ein Neger, der durch die falsche Tür ging, wurde auch gern mal gelyncht. Unvorstellbar, dass Weiße und Schwarze gemeinsam Musik machen und zusammen auftreten konnten! Und ein paar Jahre vor den europäischen Equals (“Baby come back”) widersetzte sich eine Band diesem Wahnsinn und durfte trotz gemischer Besetzung sogar im TV erscheinen. Und das ausschließlich mit Instrumentaltiteln.
1) Wie hieß die Band: Booker T. & the MGs
Und zwei von denen wurden später Blues Brothers… Aber das hat der Weed natürlich auch gewusst.
Je mehr ich mich mit der Musik meiner Jugend (das sind die sechziger Jahre, genauer, die Zeit ab 1964, da war ich zwölf…) auseinandersetze, desto klarer wird mir meine Prägung. Wie schon oft erwähnt, war mein Vater in amerikanischer Kriegsgefangenschaft und danch großer US-Fan. Das schlug sich auch in den Platten nieder, die er im Buchklub erwarb. Mich haben in der Kindheit nachhaltig vier Songs beeindruckt, die wir auf Platte hatten: “Summertime” aus “Porgy and Bess“, “Island in the Sun” von Harry Belafonte und “Singing the Blues” von Guy Mitchell und den “St.Louis Blues” gesungen von Bessie Smith. Drei Schwarze, ein Weißer, und der singt einen schwarzen Song. So kam ich zum Blues und zum Soul (später dank Belafonte auch zum Reggae…).
Im Jahr 1968 machte ich den Diskjockey in der Düsseldorfer Tanzschule Kaechele, wo es samstags immer ein “Beatparty” für uns junge Menschen gab, da wir woanders nicht abrocken konnten. Ich war beühmt bis berüchtig dafür, viel Soul-Musik aufzulegen. Jeder DJ hatte eine Erkennungsmelodie, das so genannte “Indikativ”. Meins war “Time is Tight” von Booker T. & the MGs. Da es das in keiner vernüftigen Version auf Youtube gibt, hier das ebenso schöne “Green Onions”:
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Das, was ab etwa 1966 als “Soul Music” bekannt wurde, war eigentlich Rythm&Blues oder – marketing-technisch gesagt – moderne “Race Music”, die zunächst nur auf den Radiosendern für schwarze Amis gespielt wurde. Die Grenze durchbrach Berry Gordy mit Motown Records. Der suchte gezielt möglichts helle Neger mit nicht so dicken Lippen und putzte sie heraus, dass sie aussahen wie die weiße Mittelschicht. So kriegte er die Supremes ins Fernsehen und auch die Four Tops und einige andere mehr. Deren Erfolg machte es möglich, immer mehr Afroamerikaner ins weiße TV zu bringen. Gordy war sehr geschickt bei der Überwindung der de-facto-Apartheid, die in den USA bis weit über das Jahr 1968 bestand.
In direkter Konkurrent zu Motown aber stand Stax Records aus Memphis. Dort produzierte man auch Soul Music, war aber unangepasst, frech und wild. Zum Stax-Rennstall zählten eben Typen wie Sam & Dave, Rufus & Carla Thomas, Otis Reading und eben Booker T. Jones, der sich die beiden Weißbrote von den Mar-Keys holte und dann die bewusste Instrumentalgruppe gründete. Jones’ Orgelei war, um es ganz vorsichtig zu sagen, von Jimmy Smith beeinflusst und etwas neues im Rythm&Blues. Quasi als Gegengewicht brachte die Ryhthmusgruppe einen naegzu klischeehaften Soulsound dazu. Das Revolutionäre war aber, dass in der Band zwei Neger und zwei Weißärsche zusammen spielten. Jazzbands, die das in den Fünfzigern versucht hatten, hatten sich so noch aus dem Geschäft gekegelt. Diese Truppe praktizierte die Rassenvereinigung aber schon ab 1962 – und das in den Südstaaten.
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Booker T and the MG’s
Und die beiden Weißbrote waren die Mitglieder der Blues Brothers Rhythm n Blues Band, Steve “The Colonel” Cropper und Donald “Duck” Dunn.
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Rainer Bartel Antwort vom 18.08.10 13:31:
Ja, das ist sehr richtig!
Details später…
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