Zwischen Winter und Frühling, zwischen Herbst und Winter
Ob dieses Wort wirklich schon ins Museum muss, ist zweifelhaft. Denn alle deutschen Klamottenkonsumenten, die ihre erste Hose vor circa 1970 bekamen, werden den Begriff noch kennen, ja, ihn möglicherweise auch noch aktiv benutzen. Immerhin finden sich im Web Anziehsachenversender, die ihn verwenden. Schon als Kind – ich war sprachlich immer schon recht aufgeweckt – habe ich über die inhaltliche Qualität des Wortes gegrübelt. Ohne viel Nachfragen war mir klar, dass nicht der Übergang über einen Fluss oder eine Straße gemeint war (denn so hätte das Ding ja auch “Brückenmantel” heißen können…), sondern die Zeit, in der eine Jahreszeit in die andere übergeht. Und zwar immer bezogen auf den Winter. Denn: “Winterzeit ist Mantelzeit”! Natürlich stammt der Begriff aus Zeiten, in denen das Modisch klar geregelt war: Herren trugen bei Kälte Mäntel und Hüte, Damen sowieso. Bürger hatten Wintermäntel. Damit schützten sie ihre noch vom Krieg geschwächten Körper vor der bitteren Kälte. Die Wohlhabenden hatten – Achtung! Es folgt ein weitere Kandidat fürs Wörtermuseum – Staubmäntel für den Sommer. Und dazwischen?
Eben jenen Übergangsmantel, über den das Poetenteam der Website derMantel.com so wunderbar filosofiert:
Eigentlich ist es ja noch viel zu kalt, aber mir ist so nach Frühling! Eigentlich ist der Sommer schon vorbei, aber ich bin noch nicht bereit für den Winter! Ein Mantel aus Wolle hält wunderbar warm und kann frühlingsfarbig und sommerschwungvoll sein.
Das liest sich durchdringend nostalgisch und gemahnt an Zeiten, in denen die Jahreszeiten noch Jahreszeiten waren und Kleidung noch ein Teil des Sozialverhaltens. Heute tragen alle, vom Bankdirektor bis zum Straßenkehrer, quer durchs Jahr Wolfskins oder Northfaces, aber auf jeden Fall Goretext oder Vergleichbares, weil’s ja immer regnet. War der Herrenhut früher ein Sine-qua-non, muss er heute als neckisches Accessoire seine Existenz fristen. So betrachtet ist es schön, dass es ihn noch gibt, den Übergangsmantel.
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sach ma chefred, du bist doch ein mann des wortes. kannst du mir mal erklären seit wann das wort anziehsachen im deutschen für kleidung verwendet wird?
schwöre, dass ich diesen begriff erst seit anfang des millenium kenne bzw. erst seitdem höre. ich hab sogar schon ne wette verloren weil ich behauptete, dass diese wort nicht im duden steht. mittlerweile hat er in meinem sprachraum die kleidung komplett verdrängt.
ist da was an mir vorbeigegangen?
ich benutze immer noch kleidung, klamotten oder plünne.
Das ist eine ziemlich spannende Frage.
Mein bisschen Langzeitgedächtnis sagt, dass dieses Unwort in meiner Kinde- und Jugendzeit nicht präsent war, wohl aber in den achtziger Jahren schon im Kindergarten, wo meine Sproßen versorgt wurden, benutzt wurde – und zwar systematisch.
mir wurde es auch zuerst durch kinder “geläufig”
genau wie “du bist abgeholt” ist das deutsch?
Einspruch, Herr Chefred.
Mein Langzeitgedächtnis sagt mir ‘was anderes.
Ich mein’ mich an diesen Begriff noch aus meiner Kindheit (Baujahr ’62) erinnern zu können. Analog zu den “Spielsachen”…
80er-Jahre halte ich für Quatsch. Da kamen eher die “Klamotten” auf…
Aber “du bist abgeholt”? ist mir noch nicht untergekommen…
Was soll das bedeuten?
Äh, wieso Quatsch? Ich habe lediglich beschrieben, ab wann ich dieses Wort zuerst gehört habe, nicht, wann es aufgekommen sein kann. “Spielsachen” hieß es schon in meiner Kindheit (Jahrgang 1952).
Mir ist es auch schon seit Kindertagen (Bj. 55) geläufig.
Wurde zwar nie so bei uns Zuhause gebraucht, aber auf alle Fälle in der Familie eines Kinder-/Jugendfreundes.
Für mich ist der Übergangsmantel immer noch mein Trenchcoat.
Fast knöchellang und gut 1 1/2 Nummern größer, so das noch ne Jacke oder nen dicker Pullover drunterpasst.
@Chefred wollt’ Dir nicht auf die Füsse treten… ;;-)
Mal davon abgesehen scheint das aber ‘ne regionale Sprachbesonderheit zu sein, wenn man sich mal die Haüfung bei diesem Begriff mit Googles insight anschaut.
Mir ist es auch schon seit ich mich erinnern kann geläufig.BJ 67,c a 70 er also .Die Übergangsjacke ebenso,mit The Who-Quafrophenia pin drauf,f95 pin nicht viel später
ja was heisst denn nun dieses “du bist abgeholt”?!
kann bei google nur finden, dass die kids das in kitas rufen,
wenn die eltern ihre sproesslinge aufsammeln.
war DAS gemeint?
[...] oder trinken können, ins Lächerliche. Manchmal geschieht dies sehr zu Unrecht, denn den Begriff Übergangsmantel gibt es tatsächlich. Es bezeichnet einen Mantel, der einen in der Übergangszeit warm, aber nicht [...]