Aus den Fünfzigern
Dieter Forte – Auf der anderen Seite der Welt
Dieter Forte ist fraglos einer der größten Schriftsteller deutscher Sprache, nur zu vergleichen mit Günter Grass und Siegfried Lenz. Sprachmächtig ist er, malt schwere Bilder und reflektiert in seinen Romanen die Welt wie sie ist. Das beweist besonders seine Trilogie “Das Haus auf meinen Schultern”, das die Geschichte einer italienischen und einer polnischen Familie auf ihrem Weg nach Düsseldorf und ihr gemeinsames Schicksal bis in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg beschreibt.
2004 erschien das vorliegende Buch. Und man fragt sich, was Forte bewegt haben mag, genau zu diesem Zeitpunkt über das Nachkriegsdeutschland zu schreiben. Zumal der Roman mit einer langatmigen, düsteren Szene beginnt, in der ein Lungenkranker in ein am Meer gelegenes Sanatorium reist. Es folgt die Schilderung der Umstände dort, die unvermittelt abbricht und in eine Fülle kleinere Kapitel über Menschen und Begebenheiten im Düsseldorf der fünfziger Jahre übergeht. Es sind die Erinnerungen des Helden, die aber zusammenhanglos bleiben und ständig in hochfilosofische Reflektionen abgleiten.
Wer mit der Geschichte Deutschlands nach dem Krieg, mit der Kultur und der Politik der fünfziger Jahre nicht vertraut ist, wird gar nichts verstehen. Und der gesellschaftskritische, teilweise kabarettistische Impetus hätte vielleicht in den Jahren bis höchstens 1965 Wirkung gezeigt.
So bleibt “Auf der anderen Seite der Welt” – gerade in Relation mit der Trilogie – eine große Enttäuschung, die wenig Lesevergnügen bietet und kaum fesselt.
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