Kölner EXPRESS setzt Prioritäten
Wenn früher ein alter Dreimaster sank, dann kamen die Ratten schon Stunden vorher an Deck, und eine alte Seemannsweisheit sagt, dass der Rattenkönig dann das Ruder übernimmt. Nun geht es ja mit der Auflage des kölschen Boulevardklopapiers seit Jahren bergab, und ob in der Redaktion überhaupt noch Journalisten werken, muss angesichts der “Qualität” der Beiträge stark bezweifelt werden.
Wer EXPRESS.de bisweilen mit BILD.de vergleicht, wird schnell zu dem Ergebnis kommen, dass es wirklich möglich ist, die Springerscheiße noch zu unterbieten. Wie gesagt. Das Schiff sinkt. Dass sich gerade in der Online-Version genau die EXPRESS-Mitarbeiter auslassen dürfen, die ständig mit einer Äff-Zeh-Köln-Erektion rumlaufen, und/oder die meisten Zeit im Puff verbringen und darüber berichten, ist nichts Neues. Auffällig ist aber seit Monaten die völlig verschobene Weltsicht der Personen, die festlegen, was zur Hauptmeldung wird und was nicht.
Wenn die Website denn mal funktioniert (auch auf der technischen Seite stellt sich die Frage: “Was ist Ihr Admin eigentlich von Beruf?”), dann zeigt man in dem bei BILD abgekupferten Wechsel-Banner für die Topmeldungen immer mindestens eine Meldung zum uninteressantesten Club der ersten Liga – z.B. wird bisweilen der Stuhl des erfolglosen Lukas P. anal-ysiert; also im übertragenen Sinne… Der Rest besteht aus Promi-Meldungen, wobei es sich meist um Promis handelt, die nur anderen Promis und die EXPRESS-Typen bekannt sind und/oder zum kölschen Klüngel zählen (wie die absurden Stelters und Cantzs).
Nun soll ja in den letzten Wochen wieder dieser kotzerregende Sangeswettbewerb namens DSDS stattgefunden haben. Dem Vernehmen nach hat man nun endgültig nur noch flachhirnige Exponate der bildungsfernen Unterschichten zugelassen, damit die Bohlenfratze in deren Mitte wie ein Intellektueller erscheint. Am Ende standen sich ein scheiße aussehender Migrantenstreber und eine Quarkfresse mit krimineller Vergangenheit und Gegenwart gegenüber. Der hat wohl den bescheuerten Namen “Menowin” und vier Kinder von fünf Frauen, von denen drei seine Cousinen sind, oder so… Da ja die BILD nicht möchte, dass das Volk solch schwere Entscheidungen wie die über den Superstar trifft, hat man kurzfristig eine Moralkampgane mit dem Ziel angezettelt, den Kleinkriminellen rauszukegeln. Mit Erfolg, denn diese andere Type hat wohl gewonnen.
Angeblich haben nun “Fans” dieses “Menowin” gegen die BILD-Einmischung demonstriert. Unter anderem vor dem Kapellchen der Schwulenmetropole. Laut EXPRESS sollen auf den Stufen des Tempels, auf dem sonst punkige Schnorrer schnorren, 300 Individuen demonstriert haben. Tatsächlich lungerten laut Augenzeugenberichten um die 100 junge Idioten da rum und wussten nicht, was sie tun sollten. Und daraus macht dieses Blatt eine Topstory!
An dem Tag, an dem 120.000 Menschen gegen Atomkraft demonstrieren – was im EXPRESS nicht mal im Politikteil erwähnt wird.
Dieser Ranz ist nicht mal Meta-Berichterstattung wert. Einfach ignorieren.