Über das Erwachsenwerden unter erschwerten Bedingungen

[Gelöst] Fass den Typ nicht an!

the_wanderersWie schnell rutscht ein Film, der eine vergangene Ära aus relativ kurzer Entfernung beleuchtet ins Klischee? Denn es kann leicht passieren, dass Drehbuchautor/in und/oder Regisseur/in ihre subjektive Sicht präsentieren als sei es DIE Wahrheit. Die Macher des gesuchten Streifens berichten über das Erwachsenwerden in einem Moloch von Stadt unter schwierigen Bedingungen und spielen mit den passenden Klischees, die man als geneigter Kinogänger aus den Filmen der dargestellten Zeit und aus einem berühmten Musical kennt. Das Thema ist amerikanisch, die Filmsprache europäisch geprägt. Und der Soundtrack ist einer der Hauptdarsteller.

1) Wie heißt der Film: The Wanderers

Tipp: Einer der Hauptdarsteller, ein Migrant, ist leider schon 1987 relativ jung gestorben. Das war Erland van Lidth, der den Terror spielte.

Leider kam dieser wirklich gute Film in Deutschland 1979 arg verstümmelt und mit dem bescheuerten Zusatz “Terror in der Bronx” in die Kinos. Und war auch kein wirklicher Erfolg. Erst der später auf VHS (und noch später natürlich auch auf DVD) veröffentliche Director’s Cut machten den Streifen zum Kultfilm. Das verschleiert bei vielen, die das Ding zu ihren Lieblingen zählen, ein bisschen den Blick auf den Zeitbezug, der 1979 natürlich ein ganz anderer war. Heute sehen etliche Rezipienten im Film eine Hommage an die Zeit der Gangs, und einer verstieg sich neulich zu der Bemerkung, er hätte gern damals gelebt. Damals ist 1963, das Jahr, in dem sie John F. Kennedy ermordeten, aber auch das Jahr, in dem Lyncon B. Johnson begann, die Jungs nach Vietnam zu schicken. Es ist die Zeit, in der die friedliche-fröhliche Rock’n’Roll-Ära schon zu Ende, die wilde Hippie-Zeit aber noch nicht begonnen hat. Eine Ära der anwachsenden wirtschaftlichen Probleme. Das Ende des ständig wachsenden Wohlstands lässt unter anderem in New York die Spannungen zwischen den ethnischen Gruppen wieder anwachsen. Und je mehr die Jugendarbeitslosigkeit steigt, desto mehr junge Leute gegen entweder in die Kriminalität oder zum Militär. Wo “American Graffiti“, der im selben Jahr spielt, noch die heile Welt der US-Provinz vorspielt, da herrschen in der Bronx schon Gewalt und Angst. Das ist alles nicht schön, und mir fehlt es schwer, eine Nostalgie in jene Zeit nachzuvollziehen.
“The Wanderers” ist das Projekt des Ehepaars Rose und Philip Kaufman; sie schrieb das Drehbuch, er führte Regie. Die Geschichte basiert auf dem gleichnamigen Buch, das erst niemand haben wollte und das dann später quasi als “Buch zum Film” vermarktet wurde. Während Rose im Filmgeschäft keine weiteren Spuren hinterließ, schaffte es Philip (der zuvor mit “Body Snatchers” schon einen Misserfolg, was die Kinos angeht, erzeugte) immerhin, in 25 Jahren noch sechs Mal hinter der Kamera zu stehen. Und jeder dieser wenigen Streifen ist auf seine Art wunderbar.

Ich hatte das Glück, “The Wanderers” 1979 für die Rheinische Post rezensieren zu dürfen. Leider ist mein Text verschollen. Aber ich weiß, dass die Besprechung positiv war, auch wenn ich nur 25 Zeilen hatte, die mir so um die 80 Mark einbrachten…

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» Folge 84 von 90 in Film-Quiz

» Quizfrage von Chefred am 30.12.12 um 11:10 » in Rubrik(en): Feuilleton
» 651 x gelesen » 3 x kommentiert »   

  1. The Wanderers

    Chefred Antwort vom 28.12.12 15:02:

    Voll ins Schwarze!

     
    Kommentar von lasher am 28.12.12 um 14:10
  2. Einer meiner Lieblingsfilme. Hawaii-Hemden und böse Bowlingkugeln…

     
    Kommentar von lasher am 29.12.12 um 02:57

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