Was wir vom Dichterfürsten über Social Media und Gadgets lernen können
Im Briefwechsel zwischen Johann Wolfgang Goethe und dem Komponisten Carl Friedrich Zelter aus den Jahren zwischen 1796 bis 1832 findet sich in einem Brief aus dem Sommer 1825 das berühmte Zitat, das so beginnt: “…alles aber, meinTheuerster, ist jetzt ultra, alles transcendirt unaufhaltsam, im Denken wie im Thun.”
…der sich dann das komplette Zitat reinziehen sollte:
Ich kann nicht schließen ohne jener überfüllten Musik nochmals zu gedenken; alles aber, meinTheuerster, ist jetzt ultra, alles transcendirt unaufhaltsam, im Denken wie im Thun. Niemand kennt sich mehr, Niemand begreift das Element worin er schwebt und wirkt, Niemand den Stoff den er bearbeitet. Von reiner Einfalt kann die Rede nicht seyn; einfältiges Zeug giebt es genug.
Junge Leute werden viel zu früh aufgeregt und dann im Zeitstrudel fortgerissen. Reichthum und Schnelligkeit ist was die Welt bewundert und wornach jeder strebt. Eisenbahnen, Schnellposten, Dampfschiffe und alle mögliche Facilitäten der Communication sind es worauf die gebildete Welt ausgeht, sich zu überbilden und dadurch in der Mittelmäßigkeit zu verharren. Und das ist ja auch das Resultat der Allgemeinheit, daß eine mittlere Cultur gemein werde; dahin streben die Bibelgesellschaften, die Lancasierische Lehrmethode und was nicht alles.
Eigentlich ist es das Jahrhundert für die fähigen Köpfe, für leichtfassende praktische Menschen, die, mit einer gewissen Gewandtheit ausgestattet, ihre Superiorität über die Menge fühlen, wenn sie gleich selbst nicht zum Höchsten begabt sind. Laß uns soviel als möglich an der Gesinnung halten in der wir heran«kamen; wir werden, mit vielleicht noch Wenigen, die Letzten seyn einer Epoche die so bald nicht wiederkehrt. [Quelle: Briefwechsel zwischen Goethe und Zelter in den Jahren 1799 bis 1832
Denn der Halbsatz “…und alle mögliche Facilitäten der Communication sind es worauf die gebildete Welt ausgeht, sich zu überbilden und dadurch in der Mittelmäßigkeit zu verharren” passt auf das Treiben der ganzen flachhirnigen, eitlen Nichtskönner, die sich als Propheten, Missionare und Gurus von Social Media gerieren und uns einreden wollen, wir befänden uns inmitten einer (Medien)-Revolution.
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