Was aus dem ehemaligen Konkurrenten des ehemaligen Nachrichtenmagazins geworden ist

Griff in den Online-Locus

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Das ist die Sammlung der Hauptüberschriften des Locus Online am Abend des 27.12.2012. Nichts Besonderes, Boulevard wie üblich. Das ist, was aus dem ehemaligen Konkurrenten des ehemaligen Nachrichtenmagazins geworden ist: Eine Postille auf BLÖD-Niveau für Besserverdiener.

Als die Froschfratze das Nachrichtenklo 1993 erstmals auf den Markt schmeißen ließ, waren die Reaktionen der Journalistenkollegen gespalten, aber vorwiegend freundlich. Zu lange hatte der Spargel das Monopol im Nachrichten- und Meinungsgeschäft gehalten, zu sehr hatten die Damen und Herren im Augstein-Sektenquartier die Deutungshoheit in der deutschen Innenpolitik beansprucht. Zu sehr ware zudem die journalistische Qualität in die Binsen gegangen. Da kam das Burda-Heftchen gerade recht. Modern sollte es sein mit kurzen, knackigen Meldungen und Beiträgen, massenhaft Infografiken und überhaupt mit einer Menge an Bildern wie ein Mickey-Maus-Heft. Das gefiel vor allem der damaligen Schnöseleria, die an die Zukunft glaubte, also an die persönliche Zukunft im Wohlstand, den sie als Sieger des Rattenrennens zu erwerben hofften. Da blieb nicht viel Zeit zum Lesen. Da musste ein Magazin her, das man auf einem üblichen Lufthansa-Inlandflug komplett quergucken konnte.

Natürlich war der Locus von vorn herein stramm konservativ und anfangs deutlich neoliberal, ja, beinahe so FDP-nah wie es der Sprudel seinerzeit mal war als Schielaugstein noch für die Dreipunkte im Bunztag hockte. Tatsächlich war dieses Heft eindeutig was für uns Volldigitalisierten, die wir uns immer noch für Grafik am Computer begeistern konnte. Trotzdem mochte ich den Fötus nicht sehr, weil er mit einfach zu rechtskonservatv daherkam.
Aber der Mensch gewöhnt sich bekanntlich an allem. Und so wurde die Großbuchstabenillustrierte Teil der hiesigen Presselandschaft und war spätestens mit dem Beginn des Schröder-Fischer-Regimes flächendeckend akzeptiert. Zumal man im Hause Tomorrow zu den Erstbewegern des Internets zählte, also schnell auf die virtuellen Kanäle setzte. Dabei entstand der Online-Locus, bei dem über die Jahre viele geschätzte Kollegen die Tasten schwangen und saubere Journalistenarbeit lieferten.

Seit wenigen Monaten ist nun ein wahrer Erdrutsch beim Fuckus festzustellen. Die politische Ausrichtung kann nur noch als äußerst rechtskonservativ beschrieben werden, der Nachrichtengehalt tendiert gegen null, die Auswahl der Themen und Überschriften ähnelt dem des Boulevards. Jeden Tag gibt es neue Tipps für Anleger, und die Fußballberichte sind so dermaßen fc-bayern-lastig, dass es fast schon realsatirisch wird.
Bisher zählte FOCUS online zu den Medienseiten, die ich in den Favoriten gespeichert hatte und täglich besuche. Allein schon um ein Korrektiv zu SpON und Sternpunkt zu haben. Damit ist nun Schluss. Das Marktwort’sche Kampfblatt für noch mehr Ungerechtigkeit in Deutschland ist gestrichen. An seine Stelle rückt der Online-Auftritt der Süddeutschen – ah, das tut gut!

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» Traueranzeige von Chefred am 27.12.12 um 21:30 » in Rubrik(en): Feuilleton,Wirtschaft
» 639 x gelesen » 5 x kommentiert »   

  1. Kann man nur zustimmen!

     
    Kommentar von lasher am 27.12.12 um 22:04
  2. sueddeutsche ist ne gute wahl.

    add on zum hocuspocus:
    die fehler aller art in den headlines sprengen jede bisher bekannte grenze. keine ahnung,nwelches kraut da kursiert, muss aber heftiges zeug sein.
    oooder dort lernen die zukuenftigen erstmal an kurzen saetzen und intro-absaetzen, bevor sie dann auf fliesstext losgelassen werden.
    ein taegliches fiasko, eine oeffentliche blamage erster guete, besonders dann, wenn die verstuemmelte stammelei dann in den google news prangt.
    schlimmst!

     
    Kommentar von rennhamster am 27.12.12 um 23:51
  3. Focus = nichtssagend

     
    Kommentar von 42na95 am 30.12.12 um 19:47
  4. Nun hatte ich zwar Mitte der Neunziger ab und zu für Focus geschrieben, aber Online war der Illustrierten-Ableger für mich nie eine Anlaufstelle. Der focus.de-Verzichtbarkeitsindex toppte stern.de noch um Längen. Von daher überrascht es mich, dass Du Dir das Elend so lange angeguckt hast.

    Chefred Antwort vom 02.01.13 20:08:

    Ich muss, lieber Kollege! Leider gehört dieses virtuelle Brechmittel zu den Online-Medien, die ich beobachten muss. Ich hab’s nur weiter nach hinten geschoben, damit ich mir nicht gleich morgens nach dem SpON damit den Magen verderbe… ;–)))

     
    Kommentar von mark793 am 02.01.13 um 17:34

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